Au revoir – letzter Start in Tegel für Air France

Flug AF1235 der Air France startete als letzter Flug ab Berlin-Tegel nach Paris Charles de Gaulle. (Bildquelle: Anikka Bauer / BER)Flug AF1235 der Air France startete als letzter Flug ab Berlin-Tegel nach Paris Charles de Gaulle. (Bildquelle: Anikka Bauer / BER)

Von Klara Berger.

Am Sonntagabend gingen im Berliner Flughafen Tegel die Lichter aus. Endgültig und unwiderruflich. TXL „Otto Lilienthal“ ist Geschichte. BER – der neue Hauptstadtflughafen in Schönefeld – übernimmt.

2020-11-07-txl-nz794901Damit endet ein besonderes Kapitel in der Verkehrsgeschichte der Hauptstadtregion: Von den Anfängen der Fliegerei bis zum Massentourismus per Flugzeug – alles hat in Tegel stattgefunden Mit der Schließung erlebt Berlin aus Sicht des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) einen historischen Tag voller Emotionen: „Viele von uns haben den Flughafen als ersten erlebt, von dem sie aus West-Berlin in den Urlaub gereist sind“, sagte Müller. Er selbst sei als Jugendlicher zum ersten Mal ab Tegel geflogen, mit seiner Oma nach London. „Es ist ein Tag, da gibt es nichts darum herum zu reden, an dem vielen auch das Herz blutet“, sagte Müller vor dem Abflug der letzten Maschine auf dem Flughafen. „Tegel war für uns Berliner tatsächlich das Tor zur Welt.“ Das gelte für Tegel noch mehr als für den 2008 geschlossenen Flughafen Tempelhof.

Die Geschichte der Luftfahrt in Tegel geht weit zurück: Bereits 1896 fanden dort erst Versuche in der Luftschifffahrt statt. Im Zuge der Berlin-Blockade wurde der in der ehemaligen französischen Besatzungszone gelegene Flughafen 1948 im Rekordtempo zur Unterstützung der US-amerikanischen Luftbrücke ausgebaut. Die neu gebaute Start- und Landebahn war mit 2.428 Metern zum damaligen Zeitpunkt die längste in Europa.

Bis 1990 durften in Tegel aufgrund der Bestimmungen des Viermächte-Abkommens über Berlin nur Fluggesellschaften der Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich landen.

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Das sechseckige Flughafengebäude mit seinen oft gepriesenen kurzen Wegen und eines der Wahrzeichen Berlins, wurde 1974 eröffnet und war für rund 6 Millionen Fluggäste ausgelegt. 2007 kam das Terminal C hinzu. Vor allem ab den 2000er Jahren verzeichnete der Flughafen Tegel stetig wachsende Passagierzahlen, zuletzt wurden 2019 etwa 24,24 Millionen Fluggäste abgefertigt. Im Juni 2019 lagen die Spitzenwerte der Fluggäste bei über 90.000 Personen an einem Tag. Wegen der um Jahre verzögerten Eröffnung des BER in Schönefeld musste Tegel den enorm steigenden Flugverkehr bewältigen. Weit über der Belastungsgrenze und unter enormem Einsatz aller Mitarbeiter

Künftig soll auf dem weiträumigen Areal ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien sowie Wohnungen und Grünflächen entstehen. Zunächst bleibt der Flughafen Tegel noch für sechs Monate betriebsbereit. Am 5. Mai 2021 erlischt die Betriebspflicht, TXL ist dann auch technisch kein Flughafen mehr.

Bereits die ganze Woche konnte auf der eigens dafür wieder geöffneten Besucherterrasse Abschied genommen werden, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde. Jedes startende Flugzeug erhielt eine letzte Fontäne durch die Flughafenfeuerwehr.

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Auch am Sonntag fanden sich Hunderte Zaungäste um das Terminal ein, um dem letzten Flieger nachzuwinken. Melancholie, Wehmut auf der einen, Freude auf der anderen Seite. Denn für viele Berlinerinnen und Berliner im Norden Berlins endet nun bei Starts und Landungen im Zwei-Minutentakt die immer unerträglicher gewordene Lärmbelästigung.

Verabschiedet von den Mitarbeitern und vielen Ehrengästen hob dann am Sonntag kurz nach 15 Uhr ein seit Monaten ausgebuchter Airbus der Air France in Richtung Paris-Charles de Gaulle ab. Die Airline war 1960 die erste zivile Fluggesellschaft, die in Tegel landete und war nun auch die letzte, die in Tegel startete.

Fotos: © Günter Wicker / BER, © Ekaterina Zershchikova / BER oder © Thomas Kierok / BER

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