750 KulturKilometer – Ein Pilgerweg durch die private Kulturlandschaft

Erschöpft aber glücklich erreichen Laura Kuhlen  und Meik Gudermann nach 750 Kilometern Fußmarsch quer durch die deutsche Theaterlandschaft das Ziel im Berliner Admiralspalast. Foto: Ingrid Müller-MertensErschöpft aber glücklich erreichen Laura Kuhlen und Meik Gudermann nach 750 Kilometern Fußmarsch quer durch die deutsche Theaterlandschaft das Ziel im Berliner Admiralspalast. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Die Corona-Pandemie hat viele Kulturschaffende in eine tiefe Krise gestürzt. Der Shutdown der Spielstätten bedeutet für Mitarbeiter der Live Entertainment-Branche vor, auf und hinter der Bühne den totalen Stillstand. Theater sind geschlossen, Tourneen abgesagt. Auch die nun teilweise möglichen Wiedereröffnungen verbessern die Situation aufgrund der aufwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln nicht wirklich. Der Weg zur Normalität in der Kulturbranche ist mühsam, kostenintensiv und für Viele nur schwer zu stemmen.

Bei 140 Staats- und Stadttheatern sowie Landesbühnen, 130 Opern-, Symphonie-, Rundfunk- und Kammerorchestern, rund 220 privaten Theatern,100 Theater-und Symphonieorchestern ohne feste Spielstätten, 2.200 freien Spielstätten und rund 2.500 Amateurtheaterbühnen mag man sich lieber nicht ausrechnen, wie viele Jobs und private Existenzen momentan in Gefahr sind. Denn neben den offensichtlichen Jobfeldern wie Darsteller, Ton- und Lichttechniker, Servicepersonal und Backstage-Kollegen, kommen zahlreiche Mitarbeiter in der Verwaltung hinzu, die Zulieferer aus Gastronomie und Technik sowie Dienstleister wie Physiotherapeuten, Floristen und viele mehr, denen nun die Auftraggeber wegbrechen.

Es besteht wohl keine Zweifel darüber, dass auch die Kulturbranche im weitesten Sinne systemrelevant  und schützenswert ist. Aber leider wird die aktuell dramatische Situation von der Politik zu wenig wahrgenommen, von der Öffentlichkeit fast gar nicht.

Laura Kuhlen (26) und Meik Gudermann (31), beide im Live Entertainment-Sektor beschäftigt, wollten nun den beschwerlichen Weg der Branche mit ihrer Aktion „KulturKilometer“ buchstäblich deutlich machen. Mit festem Schuhwerk, Rucksack und Smartphone begaben sie sich ab dem 2.Juni auf eine spektakuläre Wanderschaft rund 750 Kilometer von Köln bis nach Berlin – von einem privat betriebenen Theater zum nächsten.

Auf ihrer Reise zeigen Laura und Meik nicht nur die Vielfältigkeit, Kreativität und lokale Bedeutung der kulturellen Einrichtungen virtuell in Livestreams, sie sprechen mit Künstlern, Produzenten, Comedians, Sängern und vielen Theatermitarbeitern der unterschiedlichsten Abteilungen über die prekäre aktuelle Situation, ihre Sorgen und Nöte, ihre Wünsche und Hoffnungen.

Von Köln über Düsseldorf, Bochum, Münster, Bremen, Hamburg, Stendal, Rathenow und Nauen nach Berlin besuchten sie derzeit geschlossene Theater, um auf die brachliegenden Kulturstätten und die Zukunftsängste ihrer Kollegen aufmerksam zu machen und in den sozialen Medien zu verbreiten. Auf Instagram nahmen Laura und Meik ihre Follower via Fotos, Stories und im Livestream mit auf die KulturKilometer-Reise.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Eine große Leistung, die dann auf der letzten Station in Berlin gebührend gewürdigt wurde. Im Innenhof des Berliner Admiralspalastes war der rote Teppich ausgerollt und zwei müde aber glückliche Wanderer hatten ihr Ziel erreicht. Auch Musiker Max Raabe ließ es sich nicht nehmen, die tapferen Kulturpilgerer herzlich zu begrüßen.

37 Kilometer pro Tag Fußmarsch im Schnitt bei Wind und Wetter waren eine Herausforderung, die Laura und Meik schon manchmal an ihre Grenzen gebracht hat. Aber, so sagt Laura: „ wer in unserer Branche arbeitet, der muss Leidenschaft, Engagement und Durchhaltevermögen mitbringen“.

www.kulturkilometer.de

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