„Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein“

•	Ikonen der Pop-Art sind in der Ausstellung „Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein“ derzeit im Berliner Kulturforum zu besichtigen. Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker• Ikonen der Pop-Art sind in der Ausstellung „Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein“ derzeit im Berliner Kulturforum zu besichtigen. Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Denkt man an Pop-Art, leuchten sofort Andy Warhols Marylin-Farbsiebdrucke, die Campbells-Suppendose, Roy Lichtensteins Crying Girl oder Jasper Johns amerikanische Flagge in einem auf. Dass Pop-Art nicht nur in den USA stattfand und ein stilistisch wie thematisch breites Spektrum von Arbeiten unterschiedlichster KünstlerInnen umfasst, kann man nun im Berliner Kulturforum eindrucksvoll besichtigen.

 

Das Berliner Kupferstichkabinett präsentiert erstmals in einer Ausstellung die Highlights seiner Pop-Art-Sammlung, die zu den bedeutendsten in Deutschland und Europa zählt. Ausgehend von der US-amerikanischen Druckgraphik der 1960er-Jahre und den Pop-Art-Pionieren Andy Warhol und Roy Lichtenstein sind Arbeiten so unterschiedlicher KünstlerInnen wie Claes Oldenburg, James Rosenquist oder Sturtevant zu Allen Jones, Sigmar Polke und Maria Lassnig zu sehen.

 

Großes Thema der klassischen Pop Art war der Umgang mit den trivialen, auf massenhafter Anfertigung und Verbreitung beruhenden Bild- und Produktwelten der US-amerikanischen Konsumgesellschaft – angefangen von der Suppenbüchse und dem Comic Strip bis hin zu den Pressefotos von Jackie, der Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy. Doch Pop war nicht gleich Pop, sondern umfasste neben Individualisten wie Jim Dine und John Wesley auch minimalistische Tendenzen, wie sie die abstrakt-flächenhaften Bildzeichen von Robert Indiana, Gerald Laing oder Allan D´Arcangelo erkennen lassen.

Was Warhol, Lichtenstein und Co. vereint, ist der offensive und kreative Einsatz der Druckgraphik, der es ihnen erlaubte, ihre vornehmlich in der Malerei entwickelten Bildfindungen einem breiteren Publikum jenseits des elitären Kunstmarktes zu vermitteln. Dies geschah vor allem über den Einsatz des ursprünglich aus der Werbung stammenden Siebdrucks, der es auch erlaubte, fotografische Vorlagen zu reproduzieren oder Kunststoff- und Silberfolien zu bedrucken. Dabei erweisen die meist farbkräftigen, bisweilen extrem großformatigen Werke, die in jenen Jahren des „Great Graphic Boom“ in New York und Los Angeles in ambitionierten Druckwerkstätten entstanden, dass die Pop Art in ganz entscheidendem Maße als Pop on Paper ihre Wirkung entfaltete.

Mel Ramos, Tobacco Rose, 1965, Siebdruck © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / Staatliche Museen zu Berlin Volker-H. Schneider

• Mel Ramos, Tobacco Rose, 1965, Siebdruck © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / Staatliche Museen zu Berlin Volker-H. Schneider

Künstler wie Roy Lichtenstein oder Robert Indiana wurden zudem zu Plakat-Gestaltern, warben mit unlimitierten Sieb- und Offsetdrucken für ihre eigenen Ausstellungen – etwa in der legendären New Yorker Galerie von Leo Castelli. Wie mehrere Leihgaben aus der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin bezeugen, war der Übergang zwischen dem limitierten Druck als Handelsobjekt für den Kunstmarkt und dem dennoch hochwertigen, in hoher Auflage verbreiteten Werbemittel bisweilen fließend.

In zehn Kapiteln nähert sich „Pop on Paper“ einzelnen KünstlerIinnen und Themen der Pop Art. Angefangen mit ihrem Aufkeimen in England (Eduardo Paolozzi, Richard Hamilton) sowie bei Künstlern wie Jasper Johns und Robert Rauschenberg über frühe Werbezeichnung von Andy Warhol aus der Sammlung Marx bis hin zu europäischen Parallelentwicklungen und Reflexionen um 1970 etwa bei Ulrike Ottinger und Equipo Crónica. Ein zeitgenössisches Echo des Pop-Styles findet sich abschließend in Werken von Antje Dorn und SUSI POP. Zwei Kleider aus Papiervlies im Warhol-Look aus der Sammlung des Kunstgewebemuseums fügen „Pop on Paper“ weitere Facetten hinzu.

 

„Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein“

noch bis zum 26.Juli 2020  im Kupferstichkabinett (Kulturforum, Sonderausstellungshalle, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin ) zu sehen, gehört neben der Gemäldegalerie, dem Alten Museum, der Alten Nationalgalerie sowie Pergamonmuseum. Das Panorama zu den fünf Einrichtungen, die nach den Corona-Einschränkungen mit Sonderöffnungszeiten (Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr) und folgenden Auflagen wieder zugänglich sind: Die Anzahl der zeitgleich zugelassenen Besucher*innen ist begrenzt, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist ebenso verpflichtend, wie die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Um Schlangenbildungen an den Kassen und beim Einlass zu vermeiden, ist der Museumsbesuch ausschließlich mit einem Zeitfensterticket möglich. Es wird dringend empfohlen, Tickets im Vorfeld online zu buchen: www.smb.museum/tickets.

 

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