Quedlinburg – Welterbe der UNESCO

Die UNESCO-Welterbe-Stadt Quedlinburg ist eine Perle deutscher Fachwerk-Baukunst. Foto: Jürgen MeuselDie UNESCO-Welterbe-Stadt Quedlinburg ist eine Perle deutscher Fachwerk-Baukunst. Foto: Jürgen Meusel
Auch wenn wir momentan nur mit dem Finger auf der Landkarte die Welt entdecken können, es wird auch wieder ein Leben nach Corona geben. Daher werden wir in unregelmäßiger Folge in der reiselosen Zeit den Blick auf Ziele im In- und Ausland richten, die uns daran erinnern, wie schön, vielfältig und reich unser Planet ist. Vielleicht wissen wir das in Zukunft mehr zu schätzen.
Bleiben Sie gesund und uns treu.
Das Team der Berliner Umschau

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Quedlinburg – Welterbe der UNESCO

Von Heinz Ruhnau

Warum in die Ferne schweifen hieß unsere Devise, und so entdeckten wir noch kurz vor dem Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland an der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt ein ganz besonderes Juwel: Quedlinburg 922 wurde der Ort an der Bode am Nordrand des Harzes erstmalig urkundlich erwähnt und 994 erhielt er das Stadtrecht. Quedlinburg im heutigen Sachsen-Anhalt steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Mit einem knapp 90 ha großen bebauten Stadtkern zählt Quedlinburg mit seinen Bauten aus allen Stil- und Zeitepochen zu den größten Flächendenkmälern Deutschlands.

Panorama. Foto: Jürgen Meusel

Panorama. Foto: Jürgen Meusel

In der historischen Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Straßen, verwinkelten Gassen und kleinen idyllischen Plätzen kann man über 2.000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten bewundern. Eine besondere architektonische Rarität ist das Renaissance-Rathaus am Markt mit der Roland-Statue.

Historisches Rathaus mit Roland. Foto: Jürgen Meusel

Historisches Rathaus mit Roland. Foto: Jürgen Meusel

Von hier aus ist viel zu entdecken. Spektakulär der Schlossberg mit der romanischen Stiftskirche St. Servatius und ihrem berühmten Domschatz, der Münzenberg mit den Resten des Marienklosters und im Tal dazwischen die tausendjährige Wipertikirche. Der Abteigarten am Fuße des Schlossberges und der angrenzende Brühlpark gehören zum Landesprojekt Gartenträume.

Im 2.Weltkrieg wurde die Stadt weitgehend verschont und die historische Bausubstanz blieb erhalten. Ihre Pflege und Erhaltung war allerdings während der DDR-Zeit ein Problem. Seit der Wende blühte nun die Stadt auf. Mit viel Liebe zum Detail, viel Engagement, viel Geld der UNESCO und Initiative der Eigentümer wurde Quedlinburg seitdem fast vollständig restauriert und glänzt heute als eine seltene Perle deutscher Fachwerk-Baukunst.

Foto: CC BY-SA 3.0

Foto: CC BY-SA 3.0

Rundum den Markt stehen die prächtigen Häuser der Kaufmanns- und Handwerkergilden. Zum Beispiel das Lohgerber-Gildehaus, in der auch die Schuhmacher ansässig waren. Heute befindet sich darin ein Hotel. Schon Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und auch Theodor Fontane bewunderten die Sehenswürdigkeiten und logierten auf ihren Reisen durch den Harz im Hotel „Zum Bär“.

Die St. Blasius-Kirche stammt mit ihren ältesten Teilen aus dem 10. Jahrhundert. Immer wieder gab es Erweiterungen und Ausbesserungen, aber ihr heutiges Gesicht verdankt sie einem 1714 bis 1718 errichteten Neubau als barocke Kirche in Form eines Oktogons. Heute wird sie als Kulturkirche mit für Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Kabarett und Theater genutzt.

Über der Altstadt erhebt sich der Schlossberg mit der Stiftskirche St. Servatius. Der Berg selbst ist schon seit der Bronzezeit besiedelt. Der Herzog von Sachsen und spätere ostfränkische König Heinrich I. (um 876 bis 936) ließ die vorhandene Befestigung verstärken, Wohngebäude errichten und eine Kirche bauen, in der er seine letzte Ruhestätte fand. Am Fuße der Burg, dort, wo heute das Finkenherd-Haus steht, soll Heinrich die Königskrone des ostfränkischen Reiches angetragen worden sein.CIMG01591

Finkenherd. Foto: Jürgen Meusel

Finkenherd. Foto: Jürgen Meusel

Der Sage nach, hatte er sich hier gerade beim Vogelfang befunden, was ihm den volkstümlichen Beinamen Heinrich der Vogler einbrachte. Nach seinem Tod gründete sein Sohn Kaiser Otto I. auf der Burg ein adliges Damenstift, das seine Mutter, die ehemalige Königin Mathilde, als Äbtissin leitete. Seit dem 10. Jahrhundert befinden sich hier einzigartige Schatzstücke, darunter prachtvolle Reliquiare, kostbare liturgische Bücher und einzigartige Textilien. Vor allem die Ottonen statteten ihr Familienstift reich aus und so gilt der Domschatz zu Quedlinburg heute als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Schatzkammern Deutschlands.

Klopstoclhaus. Foto: CC BY-SA 2.0

Klopstockhaus. Foto: CC BY-SA 2.0

Jahrhunderte später erblickte unweit dieser Stelle am Fuße des Burgberges der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock das Licht der Welt, dessen Geburtshaus besichtigt werden kann.

Eingang Feininger-Galerie. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Eingang Feininger-Galerie. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Und noch etwas später, im 20.Jahrhundert, entstand die Lyonel-Feininger-Galerie mit dem umfangreichsten geschlossenen Bestand von Grafiken des berühmten deutsch-amerikanischen Malers und Grafikers.

Womit wir in der neuesten Geschichte angekommen wären, für die Quedlinburg ebenfalls mit imposanten Villen der Gründerzeit und avantgardistischen Jugendstilbauten eindrucksvolle Zeugnisse zu bieten hat. Kunstfreunde werden fündig in den traditionellen Antiquitätenläden und modernen Galerien.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Alljährlicher Besuchermagnet ist auch der liebevoll gestaltete Weihnachtsmarkt im Dezember vor der prachtvollen Fachwerkkulisse. Ein besonderes Erlebnis ist die alljährliche Öffnung der sonst verschlossenen Innenhöfe jeweils am zweiten und dritten Adventswochenende. Liebevoll und stilvoll von den Bewohnern ausgeschmückt.

Auch für Natur- und Wanderfreunde ist Quedlinburg ein lohnendes Ziel. Hier beginnt bzw. endet der 75 km lange Selketal-Stieg, bislang noch ein echter Geheimtipp für alle Wanderer und Naturfreunde. 2006 vom Harzer Verkehrsverband ins Leben gerufen, umfasst der Selketal Stieg nicht nur die schönsten Wanderwege des Selketals, sondern bietet auch spannende Sehenswürdigkeiten und Stempelstellen der Harzer Wandernadel vorbei an kleinen verwunschenen Ortschaften wie Stiege, Güntersberge, Silberhütte, Alexisbad, Mägdesprung. Meisdorf, Gernrode oder Bad Suderode.. Dabei führen die Wege meist abseits der Straßen entlang am Flussufer der Selke oder werden von der Harzer Schmalspurbahn begleitet.

 

Quelle:  „gast&rast“  E-Paper-Zeitung in Kooperation mit CTOUR-Network

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