„Dschainah“ – sensationelle Weihnachtsoperette an der Komischen Oper

Talya Lieberman und Dániel Foki Foto: Iko Freese / drama-berlin.deTalya Lieberman und Dániel Foki Foto: Iko Freese / drama-berlin.de

Das nun schon traditionelle weihnachtliche konzertante „Operettenbonbon“ der Komischen Oper erwies sich diesmal als ein ganz besonderer Leckerbissen. Mit „Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus“ hatte Hausherr Barrie Kosky mal wieder eine ganz besondere Rarität ausgegraben. Die 1935 in Wien uraufgeführte Operette, war einer der letzten Erfolge des jüdisch-ungarischen Komponisten Paul Abraham (1892 – 1960) bevor ihn die Nazis ins Exil trieben. Von der Kritik und dem Publikum gefeiert, geriet das glanzvolle Werk dann offenbar in Vergessenheit und wurde nie in Deutschland gespielt. Fast auf den Tag genau 84 Jahre nach ihrer Uraufführung in Wien erlebt das Werk nun seine verspätete Deutsche Erstaufführung.

Paul Abrahams musikalisches Liebesabenteuer eines französischen Marineoffiziers mit einer Dschainah, der vietnamesischen Variante einer japanischen Geisha, ist eine wilde Mischung aus Puccini, Puszta und Jazz. Der Wiener Kaffee-König Julius Meinl II. hatte das ebenso eingängige wie sängerisch anspruchsvolle Werk in Auftrag gegeben, um mit dieser Operette seiner jungen japanische Frau und Sängerin Michiko Tanaka zum Start am Theater an der Wien zu verhelfen. Zuvor war die Sopranistin auch schon an der Seite von Richard Tauber in Puccinis „Madame Butterfly“ erfolgreich. Kein Wunder, dass sich Abraham davon inspirieren ließ und eine exotisch reizvolle  „Butterfly“ kreierte – allerdings mit Happy end.

Hera Hyesang Park als Dschainah, Foto Iko Freese/Drama Berlin.de

Hera Hyesang Park als Dschainah, Foto Iko Freese/Drama Berlin.de

Im Sing-Song-Haus des finsteren Dajak in Saigon arbeitet das Mädchen Lylo als Dschainah. Als sie von ihrem ebenso gefühllosen wie geldgierigen Besitzer verkauft werden soll, erklärt sich der Schriftsteller und Marineoffizier Pierre Claudel (Johannes Dunz) kurzerhand dazu bereit, Lylo zu heiraten. Dumm nur, dass in Paris seine Verlobte Yvonne (Mirka Wagner) auf Pierres rechtzeitige Rückkehr wartet, denn aus Erbschaftsgründen muss Yvonne bis zu einem bestimmten Datum verheiratet sein. Aber Schwiegermutter Hortense Cliquot (Zazie De Paris) hat vorgesorgt und schon vor Pierres Abreise einen Bräutigam-Stellvertreter ernannt. Pierre hat es denn auch nicht allzu eilig, seine „befristete Ehe“ mit Lylo aufzulösen und nach Frankreich zurückzukehren. Aber eine Madame Cliquot reist, wenn es sein muss, auch mit Tochter und Entourage nach Vietnam, um den treulosen Schwiegersohn zur Raison zu bringen. Das entzückende Buffo-Paar Musotte und Baron Bogumil Barczewsky (Talya Lieberman und Dániel Foki) sorgt für den leichtfüßigen operettenhaften Schwung.

Zunächst aber herrschte Rätselraten über den Begriff „Dshainah“. „Googeln“ Sie mal, empfiehlt Klaus Christian Schreiber, der mit hinreißender Nonchalance und hintergründiger Ironie durch die vergnügliche Handlung führte. Allein dafür hätte sich der Abend gelohnt. Aber dann kam Sie: Hera Hyesang Park. Der Inbegriff einer grazilen fernöstlichen Schönheit voller Liebreiz, Charme und Charisma, die das Publikum augenblicklich in einen Zustand kollektiver Verzückung versetzte. Da stimmte einfach alles und dazu begeisterte der Star aus Südkorea auch noch mit einer hinreißenden großen Opernstimme. Auf ihre Gilda in „Rigoletto“ in der komischen Oper darf man sich schon freuen.

Von Puccini über Puszta-Klänge bis zum schmissigen Jazz, angereichert durch fernöstliche Klänge wie Gong und Glockenspiel und eingängige „Ohrwürmern“ bietet Abraham alles, was zu einer optimalen dreißiger Jahre-Musikrevue gehört. Und der Komponist inspiriert offenbar auch das Orchester der Komischen Oper zur Höchstleistung. Der estnische Gastdirigent Hendrik Vestmann, bringt schwungvoll und mit sichtlicher Spielfreude Abrahams vielfältige Musik zum Klingen und das Publikum zum vergnüglichen Mitwippen. Der Chor der Komischen Oper, einstudiert von David Cavelius, beeindruckt mit Klangfülle und dem optimalen Feeling für die Musik der Zeit.

Schlussapplaus.

Zum Schluss leider die schlechte Nachricht: Diese wunderbare Aufführung wird es nur noch ein einziges Mal am 30.Dezember geben. Mit etwas Glück kann man vielleicht an der Abendkasse noch eine Karte ergattern.

 

 

 

www.komische-oper-berlin.de

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