„La traviata“ an der Komischer Oper Berlin gefeiert

An der Komischen Oper gefeiert: Neuinterpretation von Giuseppe Verdis Opernklassiker "La traviata" mit Natalya Pavlova in der Titelpartie. Foto: Komische Oper, Ilko Freese/Drama BerlinAn der Komischen Oper gefeiert: Neuinterpretation von Giuseppe Verdis Opernklassiker "La traviata" mit Natalya Pavlova in der Titelpartie. Foto: Komische Oper, Ilko Freese/Drama Berlin

Gerade ein Jahr war vergangen, seitdem Marie Duplessis 1847 in Paris gestorben war, da sollte ein Roman sie unsterblich machen. Die junge Frau, buchstäbliche „Unschuld vom Lande“, begann als Magd und starb als Primadonna der Prostitution. Mit dreiundzwanzig Jahren erlag sie einer Tuberkulose-Erkrankung. Zu ihren Liebhabern zählten Fürsten, Diplomaten, Künstler, darunter Théophile Gautier, Franz Liszt und auch Alexandre Dumas der Jüngere. Er setzte der jungen Frau 1848 ein Denkmal: La dame aux camélias, die Kameliendame. Der Bestseller wurde Bühnenstück und inspirierte Giuseppe Verdi zu einer seiner berühmtesten Schöpfungen: La traviata.

Natalya Pavlova als Violetta und Ivan Magrì als Alfredo. Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Seitdem gehört die Geschichte vom Lieben und Scheitern der „skandalösen“ Beziehung zwischen dem jungen Alfredo Germont und der Kurtisane Violetta Valéry an den Moralvorstellungen ihrer Zeit gehört zu den wichtigsten Opern des 19. Jahrhunderts. Bis heute dauert ihr Siegeszug auf den Bühnen dieser Welt fort. Giuseppe Verdis bekanntestes Werk über Leben, Lieben, Leiden und Tod einer Edelkurtisane im Paris des 19. Jahrhunderts wurde von Regisseurin Nicola Raab an der Komischen Oper Berlin neuinterpretiert und vom Publikum frenetisch gefeiert. Die Regisseurin ließ sich von dieser Staunen erregenden Langzeitwirkung der Liebes- und Gesellschaftstragödie, ihrer bis heute andauernden Faszinationskraft, inspirieren. Eine moderne, emanzipierte Frauenfigur verirrt sich angesichts des drohenden Todes in einem traumatischen Kosmos. Schlagartig bricht ihre Welt zusammen. Alles an Violetta Valérys einsamen Leben schien perfekt. Mit großem Erfolg verkaufte sie ihren Körper an Kunden in nah und fern. Jeden erdenklichen Luxus ermöglichten ihr die Auftritte als „Pariser Kurtisane“. Doch die Diagnose einer tödlichen Krankheit lässt ihr glänzendes Leben zerfallen.

 Natalya Pavlova als Violetta. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Natalya Pavlova als Violetta. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Todesangst getrieben, entflieht sie ihrer Einsamkeit in Imaginationen und trifft auf die Bewohner ihrer eigenen Pariser Fantasiewelt – Violetta durchlebt die größten Gefühlsregungen der Menschen: Liebe, Schmerz, Verachtung, Hoffnung und Verzweiflung, bis zur Konfrontation mit dem Unausweichlichen – ihrem Tod. Im inneren Erleben ringt Violetta mit ihrem Leben als professionelle Geliebte, mit Sehnsuchtsfiguren und Dämonen ihrer Vergangenheit, gegen Schicksalsgewalt, gegen den Verlust der Kontrolle über ihr Leben und um Autonomie – angesichts der Liebe und der Einsamkeit des Todes.

Das Werk, das zum Kernrepertoire der Komischen Oper Berlin gehört, wird hier erstmals in italienischer Sprache zu erleben sein. Nicht nur für die Regie, das Orchester unter der musikalischen Leitung von Ainārs Rubiķis und den Chor (Leitung David Cavelius), vor allem auch für die Sänger gab es viel Beifall. Natalya Pavlova als Violetta scheint die Partie quasi auf den Leib geschrieben, ihre ebenso anmutige wie stimmgewaltige Darstellung trifft mitten ins Herz. Auch Ivan Magrì ist als Alfredo stimmlich und darstellerisch überzeugend. Ebenso Günter Papendell als Alfredos Vater.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

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