„Samson et Dalila“ – alttestamentarisches Drama an der Staatsoper mit Starbesetzung

Traumpaar der Opernbühne: Elina Garanca und Brandon Jovanovich in "Samson et Dalila" in der Staatsoper Unter den Linden. Foto: Ingrid Müller-MertensTraumpaar der Opernbühne: Elina Garanca und Brandon Jovanovich in "Samson et Dalila" in der Staatsoper Unter den Linden. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Klara Berger.

Feindschaft, Hass und Glaubenskrieg, Macht, Ohnmacht und Begehren: Im Freiheitskampf der Hebräer erhebt Samson als Geweihter Gottes seine Stimme gegen die feindlich gesinnten Philister. Samson scheint unbesiegbar, bis die Liebe zur Philisterin Dalila ihn verwundbar macht. Sie weiß um das Geheimnis seiner außergewöhnlichen Kraft. Auf dem Spiel steht der Verlust der eigenen Identität. Der Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die literarische Vorlage für das Libretto von Ferdinand Lemaire bildet das Buch der Richter aus dem Alten Testament, das von der Unterdrückung des Volkes Israel im palästinensischen Gaza berichtet. Die 1877 in Weimar uraufgeführte Oper unter der Leitung von Franz Liszt zählt mit ihren lyrischen Zustandsschilderungen und den großen Chortableaus zu den beliebtesten Opern der Romantik in französischer Sprache.

Elina Garanca und Brandon Jovanovich. Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Maestro Daniel Barenboim hat sich nun des inzwischen fast in Vergessenheit geratenen Werkes angenommen und für die Berliner Staatsoper Unter den Linden von Filmregisseur und Drehbuchautor Damián Szifron neu inszenieren lassen. Der Argentinier – mit seinem Film „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ 2015 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert – gibt nun mit „Samson et Dalila“ sein Operndebüt.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

Szifron verzichtet wohltuenderweise auf die inzwischen nahezu obligatorische Aktualisierung historischer Stoffe und lässt die Handlung in archaisch-naturalistischen Kulissen mit viel Pappmaché und Sandalenfilm-Ambiente spielen. Im ersten Teil aufgehübscht mit ein bisschen Hollywood-Monumentalkitsch, im zweiten durch schön choreographierte Folterszenen mit IS-Assoziation. (Ausstattung: Étienne Pluss, Gesine Völlm)

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Foto: Ingrid Müller-Mertens

Wie auch immer: Mit Elina Garanca  als Dalila konnte allerdings überhaupt nichts schiefgehen. Nicht nur die in jedem Klassik-Programm rauf und runter gespielte wunderschöne Arie „Mon cœur s’ouvre à ta voix“ geriet zum atemberaubenden musikalischen Höhepunkt. Von der ersten bis zur letzten Minute verzauberte die weltberühmte Sängerin mit ihrer Stimme, Bühnenpräsens und Darstellungskraft. Gänsehaut als Dauerzustand. Nicht minder beeindruckend der amerikanische Tenor Brandon Jovanovich. Er spielt ihn nicht nur, er ist Samson.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

Michael Volle als blutrünstiger, dämonischer Dagon-Priester mit gewohnter stimmlicher und darstellerischer Brillanz.

 

Der allgegenwärtige Staatsopernchor beherrscht mit grandiosen oratorienartigen Gesängen die Szenerie (Choreinstudierung: Martin Wright), Daniel Barenboim entlockt seiner Staatskapelle einmal mehr den ganzen Zauber der romantischen Musik.

Weitere Aufführungen:  3. 7., 11., und 14. Dezember 2019.

www.staatsoper-berlin.de/de/spielplan/

 

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