Diebstahl aus dem Grünem Gewölbe ein „Super-Gau“

Blick in das Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes im
Residenzschloss Dresden 
© Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: David BrandtBlick in das Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes im Residenzschloss Dresden © Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: David Brandt

Von Katharina Zawadsky.

Nach dem dreisten Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden  fahndet die Polizei weiter nach den flüchtigen Tätern. Unbekannte waren am Montagmorgen gegen 5 Uhr in das streng gesicherte Museum eingedrungen und hatten Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Dabei wurden Kostbarkeiten aus dem „Kronschatz der Wettiner“ geraubt. Es geht um unschätzbare Werte. Selbst Museumsdirektor Dirk Syndram kennt das ganze Ausmaß nicht.  Anhand von Polizeifotos konnte Syndram sehen, dass prominente Stücke der Brillant- und Diamantrosengarnitur sowie vom Brillantschmuck der Königinnen fehlen. Eine umfassende Bestandsaufnahme ist erst nach Ende der Spurensicherung möglich. „Sobald der Tatort freigegeben ist, werden wir die Sachen schnellstmöglich bergen und wissen, wie viel von den knapp 100 Objekten, die insgesamt in der Vitrine waren, nicht mehr da sind“, sagte Syndram. Die Tat bezeichnete er als „Super-Gau“.

Die Sächsische Polizei veröffentlichte Fotos von einigen geraubten Juwelen

Die Sächsische Polizei veröffentlichte Fotos von einigen geraubten Juwelen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) äußerte sich entsetzt über den Einbruch: „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen. Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden.“ Man könne die Geschichte des Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens, betonte Kretschmer.

Das Historische Grüne Gewölbe wurde 1945 teilweise zerstört und bis 2006 authentisch wiederhergestellt. Höhepunkt des Museumsbestands ist das Juwelenzimmer mit vier Hightech-Vitrinen, in denen  Diamanten und Brillanten auf tiefdunkelblauer indischer Rohseide präsentiert werden.

Nach Angaben der Ermittler stiegen die Einbrecher laut eines Überwachungsvideos über eines der vergitterten Fenster des Pretiosensaales ins Residenzschloss mitten in der Altstadt ein, gingen gezielt ins Juwelenzimmer und zertrümmerten dort eine der Vitrinen.

Ein Screenshot aus einem von der Polizei Sachsen veröffentlichten Überwachungsvideo zeigt den Einbruch im Grünen Gewölbe.

Einige der Sicherheitsvorkehrungen erfüllten offenbar ihren Zweck. „Aus der einen Vitrine mit drei Garnituren sind noch relativ viele Werke verblieben“, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, am Montagmittag bei einer ersten Pressekonferenz vor Journalisten. „Die Täter konnten nicht alles mitnehmen, weil alle Objekte auch einzeln befestigt waren, sie waren mit Stichen vernäht mit dem Untergrund.“

Ackermann sprach von einem „sehr komplexen“ Sicherheitssystem im Residenzschloss. „Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden“, sagte die Museumschefin. Das Sicherheitskonzept werde nun erneut gecheckt. „Es muss sicher geprüft werden, wie die Sicherheit noch gesteigert werden kann.“

Polizeifotos der gestohlenen Exponate

Inzwischen wurden Fotos von einigen der gestohlenen Exponate von der Polizei Sachsen bei Twitter veröffentlicht. Unter den gestohlenen Stücken sind nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) einige der kostbarsten Stücke der Juwelensammlung aus dem 18. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um prominente Kunstwerke der Diamantrosen- und Brillantgarnitur sowie des Brillantschmucks der Königinnen wie Kleinod und Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens, die Große Brustschleife, eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit über 770 Diamanten besetzter Degen. Der Weiße-Adler-Orden und der Degen sollen allerdings nach neuesten Erkenntnissen noch vorhanden sein.

Warnung an die Diebe: „Es wäre eine Dummheit“

Die Brillant- und Diamantgarnituren in dem Schatzkammermuseum, das Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) eingerichtet hatte, sind für das Museum unersetzlich und für die Diebe unverkäuflich, wie Museumsdirektor Syndram erklärte. „Das sind alles Schliffe des 18. Jahrhunderts, man kann solche Steine nicht einfach zu Geld machen.“ Die Historizität und der Erhalt der Schmuckstücke machten deren Wert aus, herausgebrochene Diamanten entwerteten sie. „Es wäre eine Dummheit, das zu machen.“

Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Carlo Böttger

Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Carlo Böttger

Glück im Unglück: Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt – der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung „Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe“.

Das Residenzschloss soll laut den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach dem regulären Schließtag am Mittwoch wieder für Besucher öffnen. Das Historische Grüne Gewölbe  bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

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