Die „Goldene Victoria“ für Wolfgang Schäuble und Reporter ohne Grenzen

Die "Goldene Victoria" - begehrte Auszeichnung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger. Foto: VDZDie "Goldene Victoria" - begehrte Auszeichnung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger. Foto: VDZ

Fünfunddreißig Zentimeter ist sie hoch und ein Kilogramm schwer, die Statuette der Goldenen Victoria, die alljährlich im Rahmen der Tagung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bei der VDZ „Publishers Night“ an verdiente Persönlichkeiten verliehen wird. Ein bedeutendes Medienevent mit Repräsentanten aus Politik, Medien, Gesellschaft und Wirtschaft, das am Montagabend in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom stattfand. Politiker, Verleger, Verlagsmanager, Chefredakteure, Unternehmenslenker sowie Kulturschaffende waren an diesem Abend zu Gast und nutzten die Veranstaltung zum Austausch und Netzwerken.

Zu Gast u.a. (v.li): Annalena Baerbock, Can Dündar, Tini Gräfin Rothkirch. Fotos Ingrid Müller-Mertens

Besonders war der Abend auch durch sein geschichtsträchtiges Datum: Denn vor genau 30 Jahren fand unweit von hier auf dem Alexanderplatz die größte Demonstration in der damaligen DDR statt. Die „Goldene Victoria“ geht alljährlich an Menschen, die für ihre Überzeugung konsequent und couragiert eintreten, die sich auf ihrem Weg nicht beirren lassen, trotz Anfeindung oder Bedrohung.

Auf dem Roten Teppich u.a. (v.li): Sonja Kirchberger, Tina Ruland mit Hermann Bühlbecker und Bülent Sharif. Fotos: Ingrid Müller-Mertens

„Goldene Victoria für Pressefreiheit“ an  Reporter ohne Grenzen

Die Organisation Reporter ohne Grenzen setzt sich seit 1985 weltweit für die Informations- und Pressefreiheit ein – getreu dem Motto „Keine Freiheit ohne Pressefreiheit“. Mit der Goldenen Victoria würdigt der VDZ den vorbildlichen weltweiten Einsatz der gesamten internationalen Organisation für einen unabhängigen, freien Journalismus und für die Informationsfreiheit.

Christophe Deloire, Generalsekretär der Organisation (Mitte), Katja Gloger, Vorstandssprecherin der deutschen Sektion erhalten den Preis von Laudator Jan-Josef Liefers. Foto: ESDES.Pictures

Christophe Deloire, Generalsekretär der Organisation (Mitte), Katja Gloger, Vorstandssprecherin der deutschen Sektion erhalten den Preis von Laudator Jan-Josef Liefers. Foto: ESDES.Pictures

Die Auszeichnung nahmen Christophe Deloire, Generalsekretär der internationalen Organisation, und Katja Gloger, Vorstandssprecherin der deutschen Sektion, entgegen. Für Katja Gloger stehe die Solidarität im Mittelpunkt. Faktentreue und Verlässlichkeit seien für Medien wichtig. Christophe Deloire betonte, dass man das Internet nicht mehr nur als Tor zu Freiheit sehen würde, sondern auch als Bedrohung. Denn Algorithmen, die keinen demokratischen Grundgesetzen unterliegen, würden die Meinung machen. Daher würde Reporter ohne Grenzen mit Partnern jetzt einen Standard für Algorithmen entwickeln. Eine freie Presse sei nicht frei von Fehlern, aber sie sei Klebstoff für den friedlichen Zusammenhalt und Treibstoff für Veränderung, Laudator Jan Josef Liefers erlebte die Verleihung als emotionalen Moment: „Heute hier zu stehen und eine internationale Institution zu würdigen, die mit ihrem großartigen Engagement für eines der wichtigsten Grundrechte der Menschheit eintritt, ist mir eine besondere Ehre“, so Liefers. Der Veröffentlichungstermin des Rankings der Pressefreiheit stehe mit Sicherheit in den Terminkalendern aller Innenministerien der Welt. Dieser sei in der „Weltkarte der Pressefreiheit“ manifestiert und verdeutliche unbestechlich das Maß der Repressalien und auch Übergriffe, denen Medien und ihre Journalisten im jeweiligen Land ausgesetzt seien. „Denn wenn die Pressefreiheit fällt, fallen auch alle anderen Freiheiten: dann sind Kunst, Musik, Theater, Literatur, die Wissenschaft und die Menschenrechte an der Reihe“, mahnte Liefers.
„Ehren-Victoria“ für Wolfgang Schäuble

Foto: VDZ

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Die „Ehren-Victoria“ nahm der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble entgegen. Damit würdigen die Zeitschriftenverleger den Bundestagspräsidenten für sein kraftvolles Eintreten für ein vereintes, demokratisches Europa und eine stabile Demokratie in Deutschland. Er sei maßgeblich an der deutschen Wiedervereinigung beteiligt gewesen und hätte auch jeden Schritt des Zusammenwachsens Europas begleitet, so die Begründung des VDZ. Der Ausnahmepolitiker sei ein Mahner, wenn es um die Bedrohung der Pressefreiheit ginge, und ein exzellenter Beobachter der Globalisierung und ihrer Herausforderungen für die demokratischen und freiheitlichen Werte Europas. Die Laudatorin, EZB-Präsidentin Christine Lagarde, würdigte ihren Freund Wolfgang Schäuble, für sein langfristiges Engagement um Europa. Sie hob vor allem drei Eigenschaften an Wolfgang Schäuble hervor: Sein Engagement, die intellektuelle Präzision und seine staatsmännischen Fähigkeiten. Bei ihm sei ein „forensischer Geist“ am Werk, der hohle Argumente in kürzester Zeit zerpflücke. Er sei ein formidabler Verhandlungspartner, fair und geradeaus, der nach Lösungen suche, egal wie lange der Prozess dauere. Er stünde für das, was er sagt: „He speaks Klartext.“ Für Wolfgang Schäuble sei Politik nicht Beruf, sondern Berufung.

EZB Präsidentin Christine Lagarde überreicht Wolfgang Schäuble die „Ehren-Victoria“. Fotos: VDZ

Wolfgang Schäuble zeigte sich in seiner Dankesrede bewegt, die Goldene Victoria zusammen mit Reporter ohne Grenzen entgegenzunehmen. Es sei leicht für Freiheitsrechte einzutreten, wenn man immer in Freiheit aufgewachsen sei. Freiheit sei der Kern der deutschen Frage. Ohne ein geeinigtes Europa und das Vertrauen der europäischen Staaten hätte es die Einheit Deutschlands nie gegeben. Schäuble sah die größte Gefahr darin, dass „wir Demokratie und Freiheit für selbstverständlich halten.“ Er verwies darauf, dass unsere freiheitliche Ordnung, die viele Staatslenker als ansteckende Krankheit fürchten, die Sehnsucht vieler Menschen sei. „Deshalb bin ich so stolz, gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet zu werden. Wir sollten alles dafür tun, Freiheit und Demokratie nicht wieder zu verlieren.“

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