Neuruppin: Die Stadt ist die Bühne

Theodor Fontane begegnet man in seiner Geburtsstadt Neuruppin in vielerlei Gestalt. Foto: Ingrid Müller-MertensTheodor Fontane begegnet man in seiner Geburtsstadt Neuruppin in vielerlei Gestalt. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Ronald Keusch.

wimpel2Die Neuruppiner feiern nun schon das ganze Jahr den 200. Geburtstag ihres berühmten Sohnes Theodor Fontane. „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen. Das hab ich an mir selber erfahren und die ersten Anregungen zu diesen Wanderungen durch die Mark sind mir auf Streifereien in der Fremde gekommen“, schreibt Theodor Fontane in dem Vorwort zu den „Märkische Wanderungen“, den wohl bekanntesten deutschen Büchern eines reisenden Journalisten und Schriftstellers. Er begann sie im Jahr 1861 in der Grafschaft Ruppin. An den Anfang stellte Fontane seine Beobachtungen in Neuruppin.

Da nun der Dezember ein recht ungünstiger Monat ist, um ein Fontane-Jahr zu starten, fanden die Neuruppiner eine elegante Lösung, so Mario Zetzsche, der Projektleiter fontane 200. „Wir datierten den Beginn des Fontanejahres mit dem Einzug der Eltern von Fontane am 27. März in die Löwenapotheke und lassen dann unser Fontane-Jahr mit seinem Geburtstag am 30. Dezember enden.“ So wurde dann von März bis Dezember in Neuruppin und Brandenburger Landen das Fontane-Jahr ausgerufen.

Fontane für breite Öffentlichkeit

Bürgermeister Jens-Peter Golde und Ministerpräsident Dietmar Woidke freuen sich über den Playmobil-Fontane

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Die Neuruppiner haben mit der Würdigung eines ihrer großen Söhne, der andere ist der berühmte Baumeister der Preußen, Carl-Friedrich Schinkel, schon ihre Erfahrungen gesammelt. Im Jahr 1998, zum 100. Todestag von Fontane, gab es auch Gelegenheit zu Gedenken und Feiern. Doch da sei, wie mit kritischem Blick aus heutiger Sicht Projektleiter Zetzsche resümiert, ein elitärer Kreis von Experten eher unter sich geblieben. Das soll im Jahr 2019 anders sein.puppr „Die Stadt ist die Bühne. Die Bevölkerung identifiziert sich mit unserem Fontanejahr und nimmt rege an den öffentlichen Veranstaltungen teil“, freut sich Zetzsche. Lesungen und Ausstellungen, Konzerte und Matineen ganz unterschiedlicher Couleur fanden das ganze Jahr über statt.   Und für junge Leute haben sich die Neuruppiner Veranstalter ein eigenes Computerspiel „word and play“ einfallen lassen und außerdem das Projekt „Dem Wort auf der Spur“ ins Leben gerufen. Dabei können Schülerinnen und Schüler der 1. bis zur 12. Klasse mit Hilfe von drei Programmbausteinen Schreibstoff sammeln, suchen und selbst zusammenstellen wie es auch der märkische Romancier getan hat.

Geburtshaus in der Löwen-Apotheke

Die Stadtführer haben im Fontane-Jahr in Neuruppin Hochkonjunktur. Der Beste von ihnen, wie sich Wolfgang Trenkler mit Augenzwinkern vorstellt, führt im schwarzen Ausgehrock mit Zylinder als Theodor Fontane seine Gäste durch seine Geburtsstadt.

Der Rundgang mit Fontane durch seine Heimatstadt führt zum Kirchplatz, wo auch das Denkmal für Carl Friedrich von Schinkel steht. Auf dem Platz erhebt sich die Kulturkirche Neuruppin. Das einstige Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert wurde durch den  Stadtbrand 1787 zerstört und Anfang des 19. Jahrhunderts als Pfarrkirche St. Marien mit quer gelagerter Saalkirche wieder errichtet. Seit 2002 ist sie das prachtvolle Kultur- und Kongresszentrum der Stadt. Schließlich gelangt die Führung vor die Tür von Fontanes Geburtshaus, die damalige wie heutige Löwen-Apotheke. Die Frage allerdings, ob der jetzige Eigentümer das Geburtshaus, die Löwen-Apotheke, der Stadt verkaufen und so den Besuchern einen zusätzlichen Wallfahrtsort für Fontane-Fans schaffen würde, konnte auch Stadtführer Fontane nicht beantworten.

 

Hartes Urteil über „kleine Provinzialstadt“

Der Weg auf den Spuren Fontanes führte weiter über den Schulplatz bis zum Tempelgarten. Hier erhebt sich der Apollo-Tempel, den der junge Friedrich der Große von seinem Freund, dem Baumeister Knobelsdorff errichten ließ. Im 19. Jahrhundert wurden Tempel und Garten umgebaut, erhielten durch die neuen Besitzer, die Familie Genz, eine maurisch-orientalische Architektur mit einem Gartenhaus.

Das alles ist in den Märkischen Wanderungen nachzulesen. Ansonsten fällt der große Fontane über die „kleine Provinzialstadt“ Neuruppin manches harte Urteil. „Sie gleicht einem auf Auswuchs gemachten großen Staatsrock, in den sich der Betreffende, weil er von Natur klein ist, nie hineinwachsen kann. Dadurch entsteht eine Öde und Leere, die zuletzt den Eindruck der Langeweile macht.“ Solche Urteile kann der heutige durchaus belesene „Fontane“ Wolfgang Trenkler zwar bestätigen, will sie aber nicht kommentieren. Dafür gibt er seinen Gästen ein anderes Zitat über das Glück mit auf den Weg. „Gott, was ist Glück; eine Grießsuppe, eine Schlafstelle, keine körperlichen Schmerzen – das ist schon viel.“

Die Heilquelle in der Fontane-Therme

Ein Markenzeichen der Fontane-Stadt ist ihr vier Sterne Superior Hotel Resort Mark Brandenburg, idyllisch gelegen an der Uferpromenade mit einem wunderschönen Blick auf den Neuruppiner See. Besonders stolz ist die von Beginn an agierende Direktorin Martina Jeschke auf die Fontane-Therme. Sie wird von einer 1.700 Meter tief liegenden Naturheilsole gespeist. Diese staatlich zertifizierte Heilquelle erweist sich als ein wahrer Schatz. Sie liefert unerschöpflich reinste, jodhaltige Sole mit hohem Steinsalz- und Calciumsulfat-Gehalt. Und was die Fachwelt besonders hoch bewertet, der Sole-Gehalt ist gelöst in nichts als Regenwasser im Grund. Das Bad im Thermalwasser entspannt sowohl durch die eigenen Bewegungen als auch durch den Auftrieb der Sole. Neben dem Bad in der Naturheilsole können die Besucher diese auch durch eine Ultraschallvernebelung im Kräuter-Dampfbad inhalieren.

Zum Dessert: Mutter Fontanes Brotpudding

mittagsgerichtFür das gute Image des Hauses sorgt auch der Küchenchef und kulinarische Leiter aller Sachen rund um Tisch und Pfanne Matthias Kleber. Der ehemalige Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft der Köche ist ein Vollblut-Gourmet. Der Einsatz von Produkten aus der Region hat für ihn absolute Priorität. Ob Hühner, Enten und Gänse vom Bauernhof aus Dabergotz, Fleisch vom Linumer Wiesenkalb oder Ruppiner Weidelamm aus Hakenberg oder Spargel vom Spargelhof in Baselitz, der Gast kennt exakt die Adressen der bäuerlichen Lieferanten und kann dort auch vorbei schauen. Zu den neuen Konzepten von Kleber gehören die Tischgeschichten aus Topf & Pfanne. An einem extra großen echten rustikalen Holztisch für 12 Personen mitten im Restaurant und mit dem Blick auf die Show-Küche wird eine Reise durch die Genussregion Ruppin veranstaltet. Natürlich steht im Jahr des berühmten Sohnes der Stadt auch ein Fontane-Menü auf dem Speiseplan. Es beginnt mit einer Süßwasser Bouillabaisse unter der Blätterteig-Haube mit Flusskrebsen, Zander, Hecht,Wels, Forelle und Wurzelgemüse. Der Hauptgang ist ein Perlhuhn mit Gemüse. Und zum Dessert wird Mutter Fontanes Brotpudding serviert u. a. mit in Portwein pochierter Birne, Aprikosenmarmelade und Ingwer Schmand. Theodor Fontane hätte sicher seine Freude daran.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Quelle Magazin CHEXX

chexx.de

 

 

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