50 Jahre Weltzeituhr am Alexanderplatz

Die Urania Weltzeituhr feiert ihr 50jähriges Jubiläum. Foto: Ingrid Müller-MertensDie Urania Weltzeituhr feiert ihr 50jähriges Jubiläum. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Klara Berger.

Es war ganz erstaunlich, dass die DDR-Führung dieses Kunstwerk auf dem Alexanderplatz 1968 genehmigt hat: Die Urania-Weltzeituhr. 7 Jahre nach dem Mauerbau und zu Zeiten des Prager Frühlings.

uhrSeitdem ist das spektakuläre technische Kunstwerk ein beliebter Treffpunkt für die Berliner und Besucher aus der ganzen Welt. Auf ihrer Rotunde sind die Namen von 147 Städten und Regionen aller Kontinente eingraviert, deren aktuelle Ortszeit der Betrachter anhand des sich drehenden Ziffernkreises in der Mitte der Uhr quasi parallel ablesen kann. Über allem dreht sich das Planetensystem, das die Grundlagen der Zeitmessung anhand des Laufs der Planeten symbolisiert.. In einem Raum unterhalb der Uhr übernimmt noch immer ein umgebautes Trabantgetriebe aus DDR-Zeiten den Antrieb des Stundenrings. Der Boden zu Füßen der Weltzeituhr wurde mit einem Mosaik in Form einer Windrose gestaltet.

johnErich John, 87, verabredet sich inzwischen seltener an dieser Stelle. Dabei gäbe es ohne ihn das spektakuläre Berliner Wahrzeichen gar nicht. Nach seiner Idee und den erforderlichen technischen Entwürfen entstand in nur neun Monaten Bauzeit das 10 Meter hohe und 16 Tonnen schwere Monument. Eine Leistung, die unter den schwierigen Bedingungen in der DDR vor allem durch viel persönliches Engagement aller Beteiligten und den Einsatz von gut 120 Arbeitern in sogenannten Feierabendbrigaden erbracht werden konnte. Projektleiter John, damals Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee erinnert sich noch genau daran, wie alles anfing. Im Treppenhaus der Kunsthochschule Weißensee lief er seinem berühmten Kollegen, dem Maler Walter Womacka, über den Weg. Es gebe einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes, sagte Womacka da zu ihm. Ob sich John nicht bewerben wolle? Das war im Jahr 1968, und Erich John sagte zu. Nie habe er daran geglaubt, dass die Jury des Design-Wettbewerbs ausgerechnet seinen Entwurf auswählen würde, sagt er. „Meine Idee einer Weltzeituhr war eine Provokation, ein Gegenkonzept zum Mauerbau und ein Plädoyer für Weltoffenheit“, sagt John. Entsprechend überrascht sei er gewesen, als man ihn beauftragte, die Uhr innerhalb von nur neun Monaten zu bauen. Sie sollte zur Eröffnung des neu gestalteten Alexanderplatzes und des Fernsehturms im September 1969 fertig sein, kurz vor dem 20. Jahrestag der DDR. Um das schaffen zu können, stellte John klare Forderungen – freier Materialeinkauf, 120 Facharbeiter. Die SED sicherte ihm alles zu. Am Ende verschlang der Bau der Uhr 480.000 Mark. Gemessen an aktuellen Baukosten eher eine bescheidene Summe.

Heute ist Erich John 87 und freut sich über den 50.Geburtstag seines weltberühmten Werkes. „Das läuft und läuft“, sagt er mit berechtigtem Stolz. Früher war allerdings das Aluminium der Fassade heller, befindet er. Das sei ja „kein Wunder, bei dieser Luftverschmutzung“ Aber abwaschen könnte man die Uhr schon mal wieder.

Erich John, der bisher die alleinigen Rechte für die berühmte Uhr inne hatte und man daher Souvenirs des beliebten Wahrzeichens in den Andenkenläden vergeblich suchte, hat nun anlässlich des 50.Jubiläums die Vermarktungsrechte an ein Berliner Start-up übergeben. Hier werden nun hochwertige Sammlerstücke sowie Kunstobjekte entwickelt und produziert aber auch Tassen, Turnbeutel, Basecaps, Schlüsselanhänger und sogar Wodka mit Weltzeituhr-Emblem. Carsten Kollmeier und sein Unternehmen übernimmt nun die Verantwortung für die einzigartige Designikone Weltzeituhr. Zehn Prozent der Erlöse der Gesellschaft sollen in den Erhalt des Denkmals fließen.

 

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