Berlin Art Week 2019 – Highlights, Kunstmessen und Preisverleihungen

Bettina Pousttchi reflektiert die Rolle der Fotografie im digitalen Zeitalter und befragt das Verhältnis von Erinnerung und Geschichte. Arbeiten der deutsch-iranischen Künstlerin zeigt die Berlinische Galerie. Foto: Ingrid Müller-MertensBettina Pousttchi reflektiert die Rolle der Fotografie im digitalen Zeitalter und befragt das Verhältnis von Erinnerung und Geschichte. Arbeiten der deutsch-iranischen Künstlerin zeigt die Berlinische Galerie. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Katharina Zawadsky.

Noch bis zum 15. September lädt die achte Berlin Art Week Kunstbegeisterte aus aller Welt in die deutsche Hauptstadt ein.  Ein Schaufenster, dass in geballter Form  die Vielseitigkeit und Weltoffenheit der Kunststadt Berlin präsentiert. Einzelausstellungen bekannter Künstler und Künstlerinnen, Preisverleihungen und Kunstprojekte im öffentlichen Raum geben einen  vielfältigen Einblick in die verschiedensten Facetten der  zeitgenössischen Kunst. Wobei es auch darum geht, verstärkt auf die Berliner Kunstlandschaft aufmerksam zu machen und „Hemmungen“ oder Berührungsängste in Bezug auf zeitgenössische Kunstformen abzubauen.

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3D Installation in der Galerie Julia Stoschek

Mit gut 350 Galerien ist Berlin führend in Europa, was die Quantität angeht. Aber auch die Qualität des Angebots kann sich sehen lassen.

Zwei Kunstmessen mit rund 200 nationalen und internationalen Galerien, 17 Museen und Ausstellungshäuser, 15 Privatsammlungen, 20 Projekträume und ein Sonderprojekt im Herzen der Stadt veranstalten ein gemeinsames Programm—mit Ausstellungen, Eröffnungen, Preisverleihungen, Talks und urbanen Interventionen.

„Mit der Berlin Art Week gelingt es auch in diesem Jahr wieder, nationale und internationale Akteur*innen in die Stadt zu bringen. Gleichermaßen spricht die Berlin Art Week eine breite Besucherschicht an und lädt dazu ein, neue Orte und künstlerische Positionen in Berlin zu entdecken. . . . Und Großprojekte wie Statista im Haus der Statistik thematisieren Fragestellungen zu Stadtentwicklung und dem Erhalt kultureller Freiräume—ein Gegenstand, der uns in der Senatsverwaltung sehr am Herzen liegt und dem wir uns mit aller Kraft widmen“, erklärt Berlins Kultursenator Klaus Leder zur Eröffnung.

Im Mittelpunkt des vielfältigen Programms der Berlin Art Week stehen traditionell die Messen art berlin und Positions Berlin Art Fair auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens. Die Ausstellungen im Gropius Bau, C/O Berlin, Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) und das Projekt Statista im Haus der Statistik am Alexanderplatz.

9Im Kontext des 30. Jahrestags des Mauerfalls beschäftigen sich verschiedene Ausstellungen mit den gesellschaftlichen, politischen und urbanen Entwicklungen seit 1989. Die Gruppenausstellung ›Durch Mauern gehen‹ im Gropius Bau zeigt künstlerische Reaktionen auf von Menschen geschaffene Grenzen, Mauern und Barrieren, während der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) mit ›1989—2019: Politik des Raums im Neuen Berlin‹ die architektonischen und stadtpolitischen Entwicklung seit dem Mauerfall aufzeigt und den Mythos Berlin hinterfragt.

Beeindruckend die Ausstellung von Bettina Pousttchi in der Berlinischen Galerie mit ihren Arbeiten an der Schnittstelle von Skulptur, Fotografie und Architektur.  Aus alltäglichem Stadtmobiliar wie Leitplanken, Baumschutzbügel oder Fahrradständern gestaltet sie  Skulpturen von ästhetischem Reiz. Aus nüchternen Ordnungssystemen im öffentlichen Raum hat die deutsch-iranische Künstlerin Objekte mit eigenem Charakter geformt.

Am Alexanderplatz füllt sich das seit Jahren leerstehende Haus der Statistik zur Berlin Art Week mit Leben. Ehemals Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR, gelang es auf Initiative einer Gruppe engagierter Künstlerinnen und Künstler  den 2015 drohenden Verkauf an Investoren und damit den drohenden Abriss zu verhindern. 12

Für das Kooperationsprojekt Statista entwickeln verschiedene Künstler*innenkollektive Portotypen für eine auf Gemeingütern basierende Stadtgesellschaft. Inmitten der Baustelle werden der Hof und einige Bereiche im Innern des Haus der Statistik im Rahmen der Art Week erstmalig nach zehnjährigem Leerstand zugänglich sein.13

 

Zwei spezielle Kunstmessen auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens geben einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst. An der dritten Ausgabe der art berlin in den Hangars 5 und 6 nehmen 110 internationale und nationale Galerien teil. Starke Einzelpositionen und kuratierte Schwerpunkte gibt es bei den ›Special Projects‹ zu entdecken; der ›Salon‹ stellt aufstrebende Plattformen und Projekträume vor.

Das umfangreiche Beiprogramm der art berlin umfasst dazu ein Videoprogramm, Performances und Talks.

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Das Wochenende beginnt mit dem Veranstaltungsprogramm ›Körper lesen! Corpoliteracy in Kunst, Bildung und Alltag‹ im Haus der Kulturen der Welt. Bis Sonntag finden hier Performances, Workshops und Diskurse statt, die den Körper als komplexes Zeichensystem zu entschlüsseln suchen. Ab Samstag zeigt das Kindl—Zentrum für zeitgenössische Kunst mit ›Sugar‹ eine Ausstellung des Videokünstlers Bjørn Melhus, der die unterschiedlichen und oft bizarren Figuren seiner Filme stets selbst verkörpert. Außerdem startet die Reihe ›Kunst im Untergrund. Up in Arms‹ der neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) mit künstlerischen Interventionen gegen die Rüstungsindustrie auf den U-Bahnhöfen Stadtmitte, Platz der Luftbrücke und Paradestraße.

Über das Wochenende bilden auch die 15 Privatsammlungen einen attraktiven Anlaufpunkt. Viele von ihnen öffnen exklusiv zur Berlin Art Week ihre privaten Räume. Am Samstag werden geführte Touren zu unterschiedlichen Ausstellungsorten angeboten. Und in der Nacht von Samstag auf Sonntag wird zum sechsten Mal der Berlin Art Prize vergeben.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Weiter Informationen unter: berlinartweek.de

Galerie Julia Stoschek, Leipziger Straße 60, 10117 Berlin

Berlinische Galerie: berlinischegalerie.de/home/

Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.):  nbk.org/

Haus der Kulturen der Welt:  hkw.de

Haus der Statistik:  hausderstatistik.org

 

 

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