Knobeln, raten, legen – der Spielejahrgang 2019 beeindruckt mit Innovation, Raffinesse und gestalterischer Opulenz

Glückliche Gewinner bei der Preisverleihung 
mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters ( 2.v.li). Foto: Verein Spiel des Jahres e.V.Glückliche Gewinner bei der Preisverleihung mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters ( 2.v.li). Foto: Verein Spiel des Jahres e.V.

Die Frage, ob Gesellschaftsspiele im digitalen Zeitalter überhaupt noch eine Chance haben ist falsch gestellt. Die aktuelle Frage sollte vielmehr lauten: Wie kann man es erklären, dass im digitalen Zeitalter die Begeisterung für Brettspiele wächst und die Anzahl der Spieler rasant zunimmt, immer mehr Spieleklubs wie Pilze aus dem Boden schießen. Ist es der bewusste Rückzug ins Private, Entschleunigung nach dem Alltagsstress oder der kindliche Spaß am Gewinnen? Sicher von allem etwas.

Spiel des Jahres 2018: Azul. Bild: Spiel ds Jahres

Der entscheidende Antrieb ist aber wohl das Gemeinschaftserlebnis, der Gegentrend zur einsamen digitalen Unterhaltung, die fröhliche Kommunikation mit Gleichgesinnten aller Altersstufen. Aber das erklärt sicher noch nicht den Spiele-Boom der letzten Jahre. Ein ganz wesentlicher Faktor ist die inhaltliche Qualität der angebotenen Spiele, ungewöhnliche Themen und  eine immer aufwendigere und attraktivere grafische Gestaltung.

Seit 1979 wird alljährlich von einer Kritikerjury des Vereins Spiel des Jahres e. V. ein Preis für deutschsprachige Brett- und Kartenspiel-Neuheiten vergeben, der in den drei Kategorien „Spiel des Jahres“, „Kennerspiel des Jahres“ und „Kinderspiel des Jahres“ eine hilfreiche Orientierung auf dem heiß umkämpften Spielemarkt geben will. Er gilt inzwischen als die weltweit bedeutendste Spieleauszeichnung. Und dass auch an höchster Stelle die Attraktivität und Bedeutung der Branche zur Kenntnis genommen wird, bewies die Teilnahme von Kulturstaatsministerin Monika Grütters an der Titelverleihung in Berlin, der dieser Termin sichtlich Freude machte.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit Elizabeth Hargrave, Autorin von Flügelschlag. Re:  Bruno Sautter, einer der Autoren von Just One. Fotos: Spiel des Jahres e.V.

„Es ist das Spiel und nur das Spiel, das den Menschen vollständig macht“, zitierte die Ministerin Friedrich Schiller in ihrer Begrüßungsrede. Das Spiel gehört zum Wesen des Menschen. Im Spiel lernt der Mensch sich selbst kennen, im Spiel entdeckt er die Welt, im Spiel taucht er in andere Rollen ein und erforscht Möglichkeiten des Seins. „Analoge Gesellschaftsspiele verzeichnen trotz des vielfältigen digitalen Angebots einen regelrechten Boom. Die Lust am Austausch, die Freude an der Geselligkeit und der sozial integrativen Kraft der Brett- und Kartenspiele ist ungebrochen“, konstatierte die Ministerin und lobte den Innovationsgeist der Branche, die immer wieder neue, anspruchsvolle und phantasievolle analoge Spiele entwickelt. Was der Jahrgang 2019 einmal mehr eindrucksvoll bewies.

Die Stars des diesjährigen Spielejahrgangs sind die kleinen Spiele. Ohne großen Aufwand, an jedem Ort und für alle Alterskassen garantieren sie unbeschwerte Unterhaltung und ein fröhliches Gemeinschaftserlebnis.

Spiel des Jahres 2019

JO_DE01_BOXTOP_FRONTJust One

Hier geht es darum, einen Begriff assoziativ zu umschreiben, der dann von einem der Spieler erraten werden muß. Laut Jury: Ein lustiges Partyspiel für alle, das insbesondere durch seine Einfachheit genial ist. „Ein Geistesblitz kommunikativer Spielfreude, der in jeder Runde einschlägt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt“.

Nominiert für das Spiel des Jahres

LAMAIm schnellen Kartenspiel „L.a.m.a.“ erfreuen Lamas nicht nur als Motiv, sondern sie sind auch Pate für eine Abkürzung: „Lege alle Minuspunkte ab“. Hinter diesem Slogan verbirgt sich ein einfaches Prinzip für das Ausspielen der Karten. Autor Reiner Knizia hat das Prinzip des Kartenablegens genial reduziert. Die Jury urteilte: Die Aufgabe, die hier auf den ersten Blick trivial erscheint, entfaltet dank der minimalen taktischen Note schnell eine Sogwirkung, der sich kaum jemand entziehen kann. „L.a.m.a.“ hat das Potenzial zum Klassiker.

Werwörter

WerwörterDas bekannte Werwölfe-Spielprinzip mit geheimen Charakterrollen fasziniert seit vielen Jahren. In „Werwörter“ hat Autor Ted Alspach es nun kongenial verknüpft mit einem Ratespiel.

Die Jury befindet dazu: Eigentlich ein altbekanntes Ratespiel, doch hier erfordern die Fragen taktisches Gespür. Denn jeder Spieler hat eine geheime Rolle. Selbst die Werwölfe haben sich unter die Dorfgemeinde gemischt. Sie raten munter mit, obwohl sie das Zauberwort selbst schon kennen.

 

Kennerspiel des Jahres

Für Spielefans, die schon über eine längere Spielerfahrung verfügen und die Herausforderung suchen gibt es die aufwendigeren und komplizierteren Kennerspiele. Sieger unter den drei nominierten Preisanwärtern wurde:

Flügelschlag

FlügelschlagFür die Jury ein wahrer „Überflieger“, denn: „Brettspiele und Vogelkunde – also doppelt unsexy und angestaubt? Mitnichten! „Flügelschlag“ präsentiert sich nicht mit zerzaustem Federkleid, sondern ist frisch und en vogue. Thematisch liebevoll und redaktionell sorgsam feingeschliffen: Hier hat Autorin Elizabeth Hargrave ein nahezu makelloses Gesamtkunstwerk geschaffen.“

 

 

Nominiert für das Kennerspiel des Jahres 2019

Detective

DetectiveEine goldene Uhr, die im Zweiten Weltkrieg in Polen geraubt wurde, taucht mehr als 70 Jahre später in einem Auktionshaus in den USA wieder auf. Wie das passieren konnte, sollen die Spieler als Ermittler der neu gegründeten Antares-Sonderbehörde gemeinsam herausfinden. Doch das ist nur der Auftakt zu einem vielschichtigen und verworrenen Kriminalfall, der sich über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckt. In fünf aufeinander aufbauenden Fällen tauchen die Spieler immer tiefer in die Geschichte von „Detective“ ein, führen Verhöre, sichten Beweismaterial, müssen ihrer Intuition folgen, Spuren verwerfen und an anderen Stellen vertieft recherchieren. Unterstützt durch eine eigene Computer-Datenbank und eng angelehnt an historische Begebenheiten hat sich selten ein Spiel so realistisch angefühlt.  Autoren: Ignacy Trzewiczek, Przemysław Rymer und Jakub Łapot

Carpe Diem

CarpeDiemEin  elegant komponiertes Stadtbaupuzzle, für das Autor Stefan Feld einen Auswahlmechanismus entwickelt, der planerische Überlegungen erfordert und dennoch schnelle Züge erlaubt. Entwickelt wird ein Stadtviertel im antiken Rom. Kulturlandschaften und Gebäude werfen Erträge ab oder ermöglichen andere Fortschritte.

 

 

 

Weitere Informationen unter: www.spiel-des-jahres.com

 

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