Bratislava zwischen Maria Theresia und EU

Das Wahrzeichen von Bratislava. Bild: Ingrid Müller-MertensDas Wahrzeichen von Bratislava. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Von dem Land im Herzen Europas, das nun für die kommenden sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat, haben die meisten Deutschen nur eine vage Vorstellung. Die seit 1993 unabhängige Slowakische Republik gehört mit ihren fünf Millionen Einwohnern zu den kleineren EU-Mitgliedern. Dabei gibt es an Naturschönheiten, interessanter Historie, vielen Sehenswürdigkeiten, landestypischen Spezialitäten und hervorragenden Weinen eine Menge zu entdecken und zu genießen. Durch die neue  Direktflugmöglichkeit von Berlin nach Bratislava mit Ryanair ist man in einer guten Stunde in der slowakischen Hauptstadt. Es lohnt sich.

Bratislava – Pressburg – Pozsony , die über tausendjährige reizvolle Metropole an der Donau mit dem ganz besonderen slawisch-österreichischen Flair gehörte bis 1918 zu Ungarn und war Krönungsort der ungarischen Könige. Vor allem während der Regierungszeit von Kaiserin Maria Theresia gewann Bratislava an Bedeutung. Davon zeugen heute sehenswerte Kirchen, Palais und Bürgerhäuser im Barock- und Rokokostil. Eine Blütezeit, an die man sich durch die alljährlich Ende Juni nachgestellte Krönungszermenonie der noch immer beliebten Monarchin zur Königin von Ungarn mit einer prunkvollen Show erinnert.

Die Bratislavaer Burg war damaliger Königssitz und beeindruckt heute mit ihrer trutzigen, stolzen Schönheit hoch über der malerischen Stadt. Hat man den Burgberg dann von der Altstadt aus erklommen, eröffnet sich ein herrliches Panorama über die vielbesungene blaue Donau mit ihren modernen Brücken und die umliegenden Berge. Aber vor allem wird deutlich, dass die slowakische Hauptstadt quasi einen Steinwurf von Ungarn und Österreich entfernt ist. Die heute nicht mehr wirklich vorhandenen Grenzen verlaufen in Sichtweite, ins nahe Wien gibt es mit Bussen, Bahn und Donauschiffen einen regen Besucher- und Ausflugsverkehr. Die ehemalige Straßenbahnlinie zwischen Bratislava und Wien wird gerade wiederhergestellt.

Beim beschaulichen Bummeln durch die gepflegte Altstadt fällt die Wahl schwer, zwischen den vielen gemütlichen Cafés, Bierlokalen, Weinstuben oder Restaurants. Hier findet man ein sehr schmackhaftes Angebot aus slowakischer, österreichischer und ungarischer Küchentradition. Für deutsche Touristen relativ preiswert.

An den restaurierten Fassaden erinnern häufig Gedenktafeln daran, dass Musikgrößen von Mozart, Franz Liszt, Mendelssohn-Bartholdy, Beethoven oder auch der hier geborene Komponist Johann Nepomuk Hummel das kulturelle Leben der Stadt geprägt haben.

30 Museen und Galerien von der Urzeit bis zur modernen Kunst stehen zur Auswahl. Nicht versäumen sollte man die bedeutenden Kunstsammlungen der Slowakischen Nationalgalerie, die beeindruckenden Werke slowakischer moderner Kunst des 20.Jahrhunderts in der Galerie Nedbalka – im Guggenheim-Interieur – oder auch eine Bootsfahrt zum Danubiana, dem wohl romantischsten Museum für zeitgenössische Kunst, in herrlicher Symbiose mit der Natur in der Donau gelegen.

Bratislava ist heute eine moderne, lebhafte Metropole mit gepflegtem Kulturerbe und beeindruckenden modernen Gebäuden. Aber es wird auch offen geklagt über Versäumnisse beim Denkmalschutz und  der Erhaltung von schönen alten Industriebauten, die häufig neuen modernen Einkaufszentren oder Luxuswohnhäusern weichen müssen.

Am Donauufer entstand eines der größten Einkaufszentren in der EU. Volkswagen Slovakia stellt in einem Vorort als einziges Automobilwerk der Welt Fahrzeuge von 5 Marken ( Volkswagen, Audi, Porsche, Skoda und Seat) unter einem Dach her und ist der größte Arbeitgeber. IT-Firmen haben hier ihren Sitz.

Aber auch die Zeitreise in die jüngste Vergangenheit sollte man sich nicht entgehen lassen. Mit einem legendären Skoda-Oldtimer und kundigem Führer im Revoluzzer-Look geht es durch die größte Plattenbausiedlung Osteuropas, über das Ehrenmal für die Rote Armee, vorbei an der berühmten kopfstehenden Pyramide des Rundfunks bis zu den Bunkern des ehemaligen Verteidigungssystems gegen Nazideutschland. Nicht versäumen sollte man den überwältigenden Rundumblick vom knapp 100 Meter hohen legendären „Ufo“ – Tower, 1972 als Donaubrückenpfeiler erbaut.

Auf Schritt und Tritt spürt man die gemeinsame Geschichte mit Österreich-Ungarn. Nicht nur im Baustil und der Kultur, vor allem auch in der angenehm stressfreien Beschaulichkeit und einem überaus gastfreundlichen Ambiente. Zwar hat in den Herzen vor allem der älteren Generation die Habsburger k. und k.- Monarchie schon noch ihren Platz aber vor allem ist man selbstbewusster, souveräner Europäer. Wobei durchaus auch kritische Punkte angesprochen werden, wie die Arroganz des Westens gegenüber dem kleinen Land, die Bevormundung durch die EU-Bürokratie, insbesondere der Landwirtschaft oder die deutsche Flüchtlingspolitik. Die Slowakei übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft nun nach dem Brexit  in turbulenten Zeiten und man will nicht nur Krisenmanagement betreiben, sondern auch eigene Akzente setzen.

Bilder: Ingrid Müller-Mertens

Informationen unter:

www.plus-tour.eu

www.bratislava-tours.sk

slovakia.travel.de

http://www.authenticslovakia.com/

www.ryanair.com

www.visitbratislava.com

Flugzeiten von Ryanair:

Abflug in Berlin-Schönefeld täglich jeweils um 15:15 Uhr, Ankunft in Bratislava um 16:30 Uhr.

Abflug in Bratislava täglich um 16:55 Uhr, Ankunft in Berlin-Schönefeld um 18:10 Uhr.

 

 

 

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