UFA-Revue und Fußball-Party: „Roxy und ihr Wunderteam“ in der Komischen Oper

Christoph Marti (re) bezaubert als ebenso reizende wie resolute Roxy nicht nur die ungarische Fußballnationalmannschaft sondern auch das Publikum der Komischen Oper. Foto: Ingrid Müller-MertensChristoph Marti (re) bezaubert als ebenso reizende wie resolute Roxy nicht nur die ungarische Fußballnationalmannschaft sondern auch das Publikum der Komischen Oper. Foto: Ingrid Müller-Mertens

18Mit Paul Abrahams „Roxy und ihr Wunderteam“ von 1937 hat die Komische Oper offenbar wieder einen besonderen Coup gelandet. Fast 60 Jahre lang war diese Fußball-Operette mit ihren mitreißenden Swing- und Jazzrhythmen in Vergessenheit geraten. Unter dem Titel „3:1 für die Liebe“ 1936 in Budapest uraufgeführt, bringt Abraham 1937 sein neustes Werk als Roxy und ihr Wunderteam in Wien zur deutschsprachigen Erstaufführung, stilecht im Beisein der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft. Nach der Wiederentdeckung durch die Dortmunder Oper feiert die spritzige Sport-Satire nun auch an der Berliner Komischen Oper Berlin ihre gefeierte .Auferstehung. Die UFA-Revuen der vierziger Jahre lassen grüßen.8 Stimmige Ausstattung und Choreographien im Stil der Zeit – Stepptanz, Showtreppe und knallbunte Operettenseligkeit inclusive – (Regie Stefan Huber, Ausstattung Stephan Prattes), dazu eine vergnüglich-verrückte Rahmenhandlung, in der es ein bisschen um Fußball und viel um Liebe geht. Natürlich im genreüblichen rasanten Verwirrspiel zwischen folkloristischem Puszta-Sound und mitreißendem Jazz (Dirigent Kai Tietje).

Die Mannschaft von Kapitän Gjurka Karoly feiert gerade den Sieg über das englische Team, da platzt die selbstbewusste Roxy ins Hotelzimmer der Fußballer – eine Braut auf der Flucht vor ihrer Hochzeit. Kurzerhand wird Roxy im Gepäck verstaut und mit ins ungarische Trainingslager genommen.

Doch Ex-Bräutigam Bobby und Onkel Sam Cheswick – die personifizierte schottische Sparsamkeit – heften sich an ihre Fersen. Der eine, weil er seiner zukünftigen Ehegattin hinterhertrauert, der andere, weil er die aussichtsreiche Verbindung zum Sohn eines einflussreichen Automatenbuffets-Herstellers flöten gehen sieht. Doch auch Mannschaftskapitän Gjurka Karoly sieht sich vor Herausforderungen gestellt: Zum einen entdeckt Gjurka ungeahnte Gefühle für die neue Teamkameradin, zum anderen gilt es die Mannschaft für die Revanche gegen das englische Team fit zu machen – was nicht leichter wird, als sich ein Mädchenpensionat im gleichen Landhaus wie die Fußballer einnistet.

Die von den Nationalsozialisten propagandistisch genutzte Austragung der Olympischen Spiele 1936 gaben Abraham und seinen Librettisten Alfred Grünwald und Hans Weigel reichlich Stoff für eine parodistische Sportoperette mit Sitte und Moral als ergiebigem Ziel für unterhaltsamen Spott im gefälligen Operettenstil. 11Natürlich hat die Komische Oper wieder mit bekannter Treffsicherheit das entsprechende „Fachpersonal“ für Sitte und Moral aufgeboten. Und wer wäre da besser geeignet als die Geschwister Pfister (Ursli Pfister alias Christoph Marti, Toni Pfister alias Tobias Bonn und Fräulein Schneider alias Andreja Schneider), für die das vergnügliche Spiel mit „Sitte und Moral“ geradezu zum Markenzeichen geworden ist.

Christoph Marti begeistert als singende, tanzende und schmachtende Roxy irgendwo zwischen Zarah Leander und Marika Rökk und macht zudem aus der Operettenvorlage eine perfekte Travestie-Show. Tobias Bonn gefällt als sportlich-disziplinierter Fußball-Kapitän und Andreja Schneider brilliert gleich in mehreren Rollen . 1Eindrucksvoll und urkomisch auch Mathias Schlung in seinen Vielfachauftritten als Hoteldirektor, Zollbeamter, Verwalter, Radiosprecher und Sportreporter. Nicht zu vergessen die Herren und Damen vom Opernchor, die mit viel Verve und Spielfreude für Pep und Swing-Party-Flair sorgen.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Weitere Vorstellungen 13.6.,15.6.,19.6., 23.8.

www.komische-oper-berlin.de

 

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