Impressionismus-Ikone in der Alten Nationalgalerie

Gustave Caillebottes 
 "Straße in Paris, Regenwetter" ist für kurze Zeit aus Chicago in die Berliner Alte Nationalgalerie gereist. Foto: Ingrid Müller-Mertens Gustave Caillebottes "Straße in Paris, Regenwetter" ist für kurze Zeit aus Chicago in die Berliner Alte Nationalgalerie gereist. Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, freut sich: Sogar das Wetter spielt mit zur Ausstellungseröffnung. Draußen Berlin im Regen, grau in grau – drinnen in der Nationalgalerie Paris im Regenwetter.

Mit Gustave Caillebottes (1848-1894) außergewöhnlichem Gemälde „Straße in Paris, Regenwetter“ („Rue de Paris, temps de pluie“) ist damit vorübergehend eine Ikone des Impressionismus in die Alte Nationalgalerie gezogen, die den Betrachter in seiner monumentalen Schönheit fasziniert.  Und damit ist nach jahrelangem Bemühen auch ein Herzenswunsch von Udo Kittelmann und Ralph Gleis, dem Direktor der Alten Nationalgalerie in Erfüllung gegangen, endlich ein Werk dieses französischen Impressionisten zeigen zu können.   Denn obwohl die Berliner Nationalgalerie berühmt ist für ihre Impressionisten-Sammlung, von Caillebotte besitzt sie kein einziges Bild. Und nicht irgendeins wird hier gezeigt, sondern das Hauptwerk des Künstlers und Aushängeschild des Art Instituts of Chicago.

Alte Nationalgalerie Foto: David von Becker

Alte Nationalgalerie
Foto: David von Becker

Eine überaus seltene, wenn nicht einmalige Gelegenheit, dieses Bild im Original zu sehen. Seit der Restaurierung im Jahre 2013 ist das monumentale Gemälde nicht mehr verliehen worden. In Berlin ist es zum ersten Mal überhaupt zu sehen. Dass „Straße in Paris, Regenwetter“ nun hier gezeigt wird, kann als Sensation bezeichnet werden und basiert auf einer einmaligen internationalen Kooperation: Das Art Institute of Chicago erhält im Gegenzug aus dem Besitz der Berliner Nationalgalerie Edouard Manets Meisterwerk „Im Wintergarten“ für eine große monographische Ausstellung als Leihgabe. Damit kommt das deutsche wie das US-amerikanische Publikum jeweils in den Genuss einer Ausstellung mit Seltenheitswert.

Auschnitt. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Auschnitt. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Caillebottes zukunftsweisendes Werk mit seinen nahezu lebensgroßen Figuren und der unkonventionellen Perspektive wurde 1877 auf der dritten Impressionisten-Ausstellung präsentiert und hat bis heute nichts von seiner suggestiven Anziehungskraft eingebüßt. „Straße in Paris, Regenwetter“ steht für das Neue Sehen der Impressionisten wie auch für Caillebottes Aneignung moderner urbaner Motive. Gezielt ausgewählte Studien und Vorarbeiten zu seinem Hauptwerk lassen den Werkprozess dieses untypischen Impressionisten in der Ausstellung nachvollziehbar werden.skizze2

In der Betrachtung der Malerei Caillebottes eröffnen sich neue Zugänge zum französischen Impressionismus. Nicht die rein malerische Erscheinung steht bei ihm im Vordergrund, seine Bilder bestechen durch ihre kühnen Perspektiven und konstruierten Bildräume. Insbesondere der wie zufällig wirkende Bildausschnitt und die frappierende Unmittelbarkeit der Darstellung unterstreichen hier die Modernität.

Die fokussierte Ausstellung in der Alten Nationalgalerie beleuchtet zugleich das Mäzenatentum Caillebottes. Der 1877 erst 29-Jährige war nicht nur das jüngste Mitglied der Impressionisten, sondern auch das aktivste dieser Gruppe.

Als Mann von beträchtlichem Reichtum spielte er eine führende Rolle bei der Finanzierung und Organisation aller damaligen Impressionisten-Ausstellungen, unterstützte seine damals bedürftigen Malerkollegen wie Renoir, Manet, Degas, Cézanne und Monet durch Ankauf ihrer Werke, bezahlte Ateliermieten. Einige dieser Werke sind in der Ausstellung zu sehen.

Seine bedeutende Impressionisten-Sammlung schenkte der früh verstorbene Caillebottes dem französischen Staat und verhalf dem Impressionismus trotz einiger Widerstände letztlich zur bis dahin ausgebliebenen Anerkennung durch öffentliche Sammlungen.

Quelle: Staatliche Museen Berlin

Alte Nationalgalerie GUSTAVE CAILLEBOTTE. MALER UND MÄZEN DES IMPRESSIONISMUS 17.05. – 15.09.2019

Alte Nationalgalerie Staatliche Museen zu Berlin Bodestraße 1-3
www.gustavecaillebotteinberlin.de

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