„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ – Psychothriller in der Komischen Oper

In der neuen Inszenierung der Komischen Oper jagen Kinderdarsteller mit übergroßen Pappmaché-Köpfen  einen Mörder. Foto: Monika Rittershaus/Komische Oper BerlinIn der neuen Inszenierung der Komischen Oper jagen Kinderdarsteller mit übergroßen Pappmaché-Köpfen einen Mörder. Foto: Monika Rittershaus/Komische Oper Berlin

Eine Stadt ist in Aufruhr! Obwohl sie nicht näher benannt wird, spürt man sofort die Atmosphäre des Berlins der 1920er Jahre. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Mehrere Mädchen sind bereits tot aufgefunden worden.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

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Mit Hochdruck und allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln fahndet die Polizei nach dem Täter. Kann ihn aber nicht finden. Die Kriminellen und Ganoven fühlen sich in ihrer Existenz bedroht, denn die erhöhte polizeiliche Aktivität mit ihren Razzien und Hausdurchsuchungen ist in jeglicher Hinsicht „berufsschädigend“.

So versuchen auch sie mit ihren Mitten den Mörder zu finden, damit sich die Verhältnisse wieder „normalisieren“. Und mit Erfolg. So sieht sich der Täter, letztlich Opfer seiner krankhaften Triebe, nicht nur von der Polizei, sondern von allen Dieben, Einbrechern, Huren, Hehlern, Bettlern und Betrügern der Stadt verfolgt, gejagt und in den Wahnsinn getrieben.

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Foto: Ingrid Müller-Mertens

Fritz Langs berühmter Kriminalfilm „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ aus dem Jahre 1931, eine der ersten deutschen Tonfilmproduktionen, wirft in für seine Zeit geradezu revolutionärer Weise die Frage nach der Schuldfähigkeit eines krankhaften Mörders auf.

Angesichts einer alle Bevölkerungsschichten erfassenden Hetzjagd scheint der Täter immer mehr zum Opfer zu werden. Das Grauen wirkt menschlich. Die Stadt selbst mit ihren Menschen und Geräuschen wird im Kopf des Gejagten zunehmend zum bedrohlichen Gegenspieler. Und so steht in Barrie Koskys Filmadaption für die Komische Oper die schillernde Figur des von der Stadtmeute gehetzten Mörders im Mittelpunkt.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

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Verkörpert von dem texanischen Bariton Scott Hendricks, der in seinem  verzweifelten Kampf gegen die dunklen Triebe für eine  beängstigende Atmosphäre sorgt und das beklemmende und diffizile Psychogramm eines Psychopathen mitzuteilen versucht.

Vertont wurde das Auftragswerk der Komischen Oper (Libretto Barrie Kosky und Ulrich Lenz) von Moritz Eggert unter Verwendung von Kinderliedern und Gedichten des in Berlin geborenen deutsch-jüdischen Schriftstellers Walter Mehring. Ein faszinierender Klangteppich aus Sprache, Geräuschen, Musik und Chor, der wie eine Filmmusik die Handlung untermalt, vor allem auch mittels elektronischen Synthesizer- Klängen Stimmungen erzeugt und vom ersten bis zum letzten Augenblick in Spannung hält. Generalmusikdirektor Ainars Rubikis absolviert damit äußerst expressiv seine erste Uraufführung an der Komischen Oper.

15Die Inszenierung wäre kein „Kosky“ – wenn sie nicht mit einer spektakulären visuellen Umsetzung überraschen würde. Es geht schließlich um einen Thriller und die Suggestion einer permanent beängstigenden, bedrohlichen, unheimlichen Stimmung. Und das gelingt albtraumartig durch die Verfremdung der Darstellung: Kinder verkörpern mit übergroßen , starren Pappmaché-Köpfen die einzelnen Charaktere und das jeweilige soziale Milieu (Kostüme Kathrin Kath).

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Foto: Ingrid Müller-Mertens

Eine zunächst verstörende aber zunehmend faszinierende Abstraktion mit enormer Ausdruckskraft. Nur der Mörder behält seine Identität. Und sein wahres Gesicht.

Ein großes Lob für den Kinderchor und die Kinderkomparserie der Komischen Oper Berlin (Einstudierung Dagmar Fiebach und David Cavelius). Die Kinder dominieren mit ihren allgegenwärtigen Stimmen, ihrem unbekümmerten Lachen, Spielen und ihrer Arglosigkeit gegenüber dem drohenden Unheil die durchweg bedrohliche Stimmung.

 

 

M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Moritz Eggert: „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, Libretto von Barrie Kosky und Ulrich Lenz nach dem Film von Fritz Lang und unter Verwendung von Gedichten Walter Mehrings. Auftragswerk der Komischen Oper.

Ainars Rubikis (Musikal. Leitung), Barrie Kosky (Regie), Klaus Grünberg (Bühnenbild ), Scott Hendricks  (M), Alma Sadé, Tansel Akzeybek (Stimmen),  Kinderchor der Komischen Oper,  u.a.

Weitere Vorstellungen: 24. Mai, 9., 22. und 26. Juni, 19.30 Uhr, Dauer: 1 h 45 min ohne Pause, Karten 12–70 Euro, Komische Oper, Behrenstr. 55–57, Telefon 47997400, karten@komische-oper-berlin.de

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