Glaubt an Euch selbst und die eigene Kraft – „Der Zauberer von Oz“ in der Komischen Oper

Wird Dorothy den Zauberer von Oz in der Smaragdstadt finden? Opernspaß für die ganze Familie. Foto: Ingrid Müller-MertensWird Dorothy den Zauberer von Oz in der Smaragdstadt finden? Opernspaß für die ganze Familie. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Es ist sicher nicht leicht gegen eine Legende anzutreten, auch wenn die jugendliche Zielgruppe gänzlich unvoreingenommen und erwartungsvoll dem Vorstellungsbeginn in der Komischen Oper entgegen fiebert. Bei den Eltern dürfte es da schon anders aussehen. Auch wenn sie längst nicht mehr die Generation sind, die den Hollywoodkultfilm „Der Zauberer von Oz“ aus dem Jahre 1939 kennt. Der Filmhit „Somewhere over the rainbow“, mit dem Judy Garland einst zum Weltstar wurde, scheint aber nach wie vor im kollektiven Gedächtnis verankert. Und so gibt es Freude und Beifall als die ersten Takte ganz zeitgemäß als Klingelton ertönen.

Leider nur zitiert. Die damit aufkeimende Hoffnung auf den kompletten Evergreen erfüllt sich nicht. „Der Zauberer von Oz“ in der Fassung der Komischen Oper ist eben kein Film und auch kein Musical, sondern eine eigenständige Märchenoper, 2016 komponiert von Pierangelo Valtinoni . Nach  „Pinocchio“ und „Die Schneekönigin“  erklingt nun bereits zum dritten Mal ein Werk aus der Feder des italienischen Komponisten im Haus in der Behrenstraße – mit Orchesterklängen zwischen Jazz und großer Oper (Musikalische Leitung Ivo Hentschel), einem ebenso spielfreudigen wie gesanglich hervorragenden Kinderchor-Ensemble (Leitung Dagmar Fiebach) und vielen märchenhaften, magischen Momenten dank Bühnenbild (Nikolaus Webern), Kostümen (Linda Schnabel) und beeindruckender Lichteffekte (Diego Leetz).

Auch wenn das kindliche Publikum „Somewhere over the rainbow“ nicht vermisst – auf ein paar eingängige Meldodien, einen „Ohrwurm“ zum Mitsingen, der im Gedächtnis bleibt, wartet man vergeblich. Schade.

Dorothy mit Toto. Foto: Jaro Suffner

Dorothy mit Toto. Foto: Jaro Suffner

Aber die Begeisterung ist groß – ganz besonders für Toto, einen dressierten Terrier, der emsig schwanzwedelnd zwischen Heldin und Bühnengasse hin und her flitzt und jedes mal jubelnd beklatscht wird.

Auch wenn Musik und Textfassung neu sind, zugrunde liegt Lyman Frank Baums weltbekannte Märchenerzählung „The Wonderful Wizard of Oz“. Ein spannendes, phantasievolles und immer wieder überraschendes Märchen für die ganze Familie. Mit jeder Menge Köpfchen, Herz und Mut besteht einer der charmantesten Freundeskreise der Kinderliteratur gefährliche Abenteuer im magischen Reich des Zauberers von Oz (Inszenierung Felix Seiler).

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

Ein Wirbelsturm über der Steppe von Kansas entführt das Farmerhäuschen mitsamt der kleinen Dorothy und ihrem Hündchen Toto in das weit entfernte Land Oz. Hier leben sprechende Mäuse, fliegende Affen, gute und böse Hexen und ein geheimnisvoller Zauberer. Nur er, heißt es, kann Dorothy den Weg zurück nach Kansas zeigen. In ihren Zauberschuhen und in Begleitung ihrer drei merkwürdigen und liebenswerten neuen Freunde macht sich Dorothy auf den Weg zur sagenhaften Smaragdstadt. Wird der Zauberer helfen und tatsächlich die größten Wünsche der vier Freunde erfüllen? Schenkt er der vorlauten Vogelscheuche endlich ein Gehirn, dem Blechmann ein liebendes Herz und dem feigen Löwen den lang ersehnten Mut?

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Und weiß der Zauberer wirklich einen Weg nach Hause, heim zu Dorothys Onkel und Tante? Auf ihrem Weg zur Smaragdstadt erwarten die Gefährten Prüfungen und große Gefahren, die nur wahre Freunde gemeinsam meistern. Nur gemeinsam sind wir stark, so die Moral von der Geschichte und vor allem muss man an sich selbst und die eigene Kraft glauben.

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Eltern vor dem Opernbesuch mit ihren Sprößlingen das Buch lesen oder die Film-DVD anschauen würden. Denn stellenweise erschließt sich die Handlung für die Kinder nicht so wirklich und die Musik fördert auch nicht unbedingt das Verständnis.

Der Zauberer von Oz

Kinderoper von Pierangelo Valtinoni,

Komische Oper Berlin

www.komische-oper-berlin.de/programm/a-z/der-zauberer-von-oz/

Weitere Aufführungen: 4., 18., 29., 11., 7., 9., 12.  15., 16., 18., 19., 23. und 26. 12. 2018

 

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