Glööckler ganz seriöös

Kult-Designer Harald Glööckler hat ein Buch über die Kirche geschrieben. Bild: adeo VerlagKult-Designer Harald Glööckler hat ein Buch über die Kirche geschrieben. Bild: adeo Verlag

Von Katharina Zawadsky.

Foto: adeo Verlag.Frank Altmann

Foto: adeo Verlag.Frank Altmann

Die Journalisten und Fotografen kommen noch, wenn Harald Glööckler ruft. Doch die schrillen Auftritte des exzentrischen Modemachers gehören offenbar der Vergangenheit an. Der Designer bittet – für ihn ganz ungewöhnlich – in die nüchternen Räume des Berliner Bundespresseamtes, um sein neues Buch mit dem Titel „Kirche, öffne Dich!“  vorzustellen. Dezentes Outfit, kaum Bling Bling und nach eigenen Angaben zwanzig Kilo leichter.

Vor drei Jahren hatte sich Glööckler ins ländliche Rheinland-Pfalz zurückgezogen. Dort offenbar über einen Imagewandel und die Kirche sinniert: „ Ich finde nach wie vor, dass die Kirche eine gute Institution ist – gerade in unserer heutigen Zeit, wo so viel Brutalität, so viel Verunsicherung in unserer Zeit ist.“ Glöckler verdankte seine Karriere nicht zuletzt seiner Rolle als Lieblingsschwuler von Medien, Unterhaltungs- und Onlineverkaufsindustrie. Nach eigener Aussage blieb der erfolgreiche Unternehmer dabei jedoch stets ein gläubiger Mensch, obwohl er selbst aus der Kirche ausgetreten ist. Nach wie vor betet er das „Vaterunser“.

Schmuckschuber für die Bibel. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Schmuckschuber für die Bibel 2016. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Zum 500.Jubiläum der Reformation entwarf Glööckler einen vielbeachteten Schmuckschuber für die Bibel.  Die Forderungen des protestantischen Establishments, dass die Kirche eher als Vorfeldorganisation linksliberaler Parteien führt, übernimmt Glööckler nicht. Inhaltlich liegt er praktisch auf der Linie von Papst Franziskus.

Trotzdem: „Es muss sich dringend etwas ändern“, dann könnten evangelische wie katholische Kirche eine große Renaissance erfahren, sagte der 53-Jährige bei der Vorstellung seines Buches mit dem Titel „Kirche, öffne Dich!“. Dem Mitgliederschwund in der Kirche könne nur jemand entgegenwirken, der „nicht mit Wasser predigt und Wein trinkt“. Zu strittigen Themen wie Machtmissbrauch innerhalb der Kirche oder dem Umgang mit Homosexualität sollte klar Stellung bezogen werden. Er wolle Schwachstellen aufzeigen, jedoch keine Lösungen präsentieren, so Glööckler und mit seinem Buch zu Diskussionen über den Glauben anregen.

Keinesfalls will sich Glööckler anmaßen, Kirchen zu beraten. Ausdrücklich dankt er in seinem Buch allen, die den Glauben ermitteln und Gutes tun für die Menschen. Zugleich spreche er aber „auch das Problematische an, die Gräuel und das Entsetzliche, das die Kirchen über Jahrhunderte verursacht haben“. Der „Heiligenschein“ der Priester gehöre demontiert, so der Modeschöpfer.

Inzwischen, so der Designer, werde er auch schon als Gastprediger in Kirchengemeinden angefragt. Die Kirche ist dann merklich voller als zu den üblichen Gottesdiensten. Seine Themen sind dabei unterschiedlich. Da geht es um den Pomp in der Kirche, sexuellen Missbrauch aber auch schon mal um die Frage: „Würde Jesus rote Schuhe von Prada tragen?“.

„Die Menschen fühlen sich heute überfordert und suchen Halt in der Gemeinschaft. Nur leider sprechen sie nicht mehr miteinander“, sagte Glööckler. Auch von der Kirche fühlten sich viele alleingelassen. „Deshalb muss sie von ihrer Wolke herunterkommen, auf die Menschen zugehen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

 

Harald Glööckler

Kirche, öffne dich!

Hat die Kirche noch Zukunft? Was sich ändern muss.

adeo Verlag

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