Praemium Imperiale 2018: Preisträger stehen fest

Die Nebelskulptur der Japanerin Fujiko Nakaya wurde bereits an 80 Orten der Welt gezeigt und erhielt den Praemium Imperiale 2018 . Foto: Sayaka ShimadaDie Nebelskulptur der Japanerin Fujiko Nakaya wurde bereits an 80 Orten der Welt gezeigt und erhielt den Praemium Imperiale 2018 . Foto: Sayaka Shimada

Zum 30. Mal wird er nun schon vergeben, der von der traditionsreichen Japan Art Association 1989 gestiftete und als „Nobelpreis“ der Künste gehandelte Praemium Imperiale. Eine elitäre Auszeichnung, die vom japanischen Kaiserhaus großzügig unterstützt wird und weltweit überaus begehrt ist. Und das nicht nur wegen der damit verbundenen jeweils 15 Millionen Yen (rund 116 500 Euro). Für viele preisverwöhnte Künstler ist diese noble Auszeichnung eine ganz besondere Ehre, denn sie wird nur Auserwählten zuteil, die mit ihrem künstlerischen Lebenswerk einen außergewöhnlichen Beitrag zur kulturellen Entwicklung geleistet und die Welt mit ihrem künstlerischen Schaffen nachweislich bereichert haben. Das Fundament des Preises bildet zwar die klassische Hochkultur. Aber inzwischen öffnet sich die ehrwürdige Japan Art Association auch für moderne Genres und so erhielten inzwischen auch Musiker aus Jazz und Pop die begehrte Ehrung.

Letzte Woche wurden die diesjährigen Preisträger zeitgleich in Berlin, Paris, Rom, London, New York und Tokio verkündet. Anlässlich eines Empfangs des japanischen Botschafters Takeshi Yagi in der Berliner Botschaft stellte Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts und internationaler Berater des Praemium Imperiale, im Beisein der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes und dem Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin , Dieter Kosslick die Preisträger 2018 in kurzen Videoeinspielungen vor. „Viele merken inzwischen, dass alleine mit wirtschaftlichen Gegebenheiten, nur mit Profit- und Gewinndenken die Gesellschaft nicht zu retten ist, sondern das Kultur schon ein wesentliches Moment ist, um nachzudenken, um innezuhalten, auch um Überraschungen zu erleben und Alternativen zu entdecken“, konstatierte Klaus-Dieter Lehmann zu Beginn.

Der Praemium Imperiale wurde in der Zeit seines 30-jährigen Bestehens bereits an 154 Künstler aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Architektur, Musik und Theater/Film verliehen und zwar immer für das Lebenswerk. Darunter Claudio Abbado, Gerhard Richter, Pina Bausch, Christo, Anish Kapoor, Oscar Niemeyer, Leonard Bernstein, Daniel Barenboim, Sophia Loren oder Andrew Lloyd Webber.

Malerei

Der Preis in der Kategorie Malerei geht in diesem Jahr an Pierre Alechinsky.

Der über 90jährige Belgier nutzt für seine tiefgründigen Gefühlswelten unterschiedlichste Genres und Stilmittel. In seinen Gemälden, Zeichnungen, Drucken oder Keramiken verbindet er Zeichen, Symbole, kalligrafische Elemente und literarische Anspielungen mit Tusche- und Acrylzeichnungen in leuchtenden Farben und Formen. Seine dichten, rätselhaft und abenteuerlich zugleich anmutenden Gemälde laden zur individuellen Entschlüsselung ein.

Skulptur

Fujiko Nakaya. Foto: © Japan Art Association / The Sankei Shimbun

Fujiko Nakaya. Foto: © Japan Art Association / The Sankei Shimbun

Die Japanerin Fujiko Nakaya experimentiert in ihrer Kunst mit Wasser, Luft und Wolken – sie kreiert Nebelskulpturen im realen Raum.

Foto: Shigeo Ogawa

Foto: Shigeo Ogawa

Durch den Nebel macht Nakaya das Umfeld des jeweiligen Standortes diffus und lässt auch spontane Formveränderungen ihrer Nebelskulpturen, etwa durch Wind, zu. Sichtbares wird unsichtbar, Unsichtbares sichtbar. Dabei werden auch die Betrachter der Installationen in Nebelschwaden gehüllt . Ihre nun mit dem Praemium Imperiale ausgezeichnete Nebelskulptur „London Fog“  (Titelfoto) war bereits an 80 Orten der Welt zu sehen.

Architektur

Der Baustil des Franzosen Christian de Portzamparc wird als kühn, künstlerisch und kreativ bezeichnet. So hat der Architekt und Stadtplaner markante Gebäude wie die Botschaft Frankreichs am Pariser Platz in Berlin und den Prism Tower in New York gestaltet. Er ist auch ein gesuchter Gestalter von Konzerthäusern wie der Pariser Cité de la Musique und der Philharmonie Luxembourg.

Musik

Foto: © Todd Rosenberg Courtesy of RMMusic

Foto: © Todd Rosenberg Courtesy of RMMusic

Mit dem Praemium Imperiale wird auch das Lebenswerk eines der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit geehrt. Riccardo Muti. Der Italiener hat mit den führenden Orchestern der Welt konzertiert, darunter Berliner Philharmoniker, New York Philharmonic und Wiener Philharmoniker. Muti setzt sich für die Rezeption von Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Verdi oder Rossini ein und gibt sein Wissen in der eigenen Akademie an Nachwuchs weiter.

Film

Die für ihre anspruchsvollen Rollen berühmte Catherine Deneuve steht seit über 60 Jahren vor der Kamera und ist unangefochten die Grande Dame des französischen Films.

Foto: Carole Bellaiche

Foto: Carole Bellaiche

In über 100 Filmen hat sie zumeist schwierigen oder gescheiterten Charakteren eine geheimnisvolle, reservierte Aura verliehen. Gefeiert wird sie neben ihrer Darstellungskunst bis heute für ihre ebenso zarte wie majestätische Schönheit und für ihre Fähigkeit, Szenen, Texte und Gefühle mit hoher Sensitivität zu vermitteln. Sie gilt als Grande Dame des französischen Films.

Nachwuchspreis

Ergänzend zum Praemium Imperiale wird jährlich auch der Nachwuchspreis für junge Künstler verliehen, der mit 5 Millionen Yen (derzeit rund 39.000 Euro) dotiert ist. Preisträger 2018 ist die Shakespeare Schools Foundation aus Großbritannien. „Leben verändern mit der einzigartigen Kraft Shakespeares“ ist ihr Motto. Die Wohltätigkeitsorganisation für kulturelle Bildung nutzt Sprache und Geschichten William Shakespeares, um junge Menschen in ganz Großbritannien zu stärken und ihre Entwicklung zu fördern. In Theater-Workshops verhilft sie ihnen zu dem Selbstvertrauen, auf jeder „Bühne“ ihres künftigen Lebens erfolgreich zu sein. Mit dem Shakespeare Schools Festival betreibt sie das größte Jugendtheaterfestival der Welt. Daran nehmen jährlich 30.000 Schüler unterschiedlichster Herkunft, Bildung und Fähigkeiten teil und erarbeiten eigene Theater-Produktionen. Verliehen werden die Preise am 23. Oktober in Tokio.

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