Stille, Weite, Herrlichkeit – Great Rivers Illinois

Dampferfahrt auf dem Mississippi. Foto: Jens HoffmannDampferfahrt auf dem Mississippi. Foto: Jens Hoffmann

Von Jens Hoffmann.

Illinois liegt im Mittleren Westen der USA, der Staat ist die Kornkammer Amerikas. Flache, breite, viereckige Landwirtschaftsflächen – oft etwas abwertend als „fly-over-land“ bezeichnet. Dabei ist Illinois auch ein Ort für Entdecker und Genießer mit landschaftlich schönen Ecken, interessanten Orten, über 300 Golfplätzen und Abraham Lincoln als bekanntestem Bürger, der hier lebte, bevor er 1861 zum US-Präsidenten gewählt wurde und nach Washington ins Weiße Haus zog.

Die Hauptstadt von Illinois ist Chicago. Die riesige Stadt ist für ihre Wolkenkratzer berühmt. Diese haben wir nur aus der Ferne besichtigt, das Objekt unserer Begierde war das Leben auf dem Land.

Eigentlich spielt es keine Rolle, in welcher Richtung man fährt. Wir starteten von St. Louis und fuhren in Richtung Chicago. Ich habe zwischenzeitlich etwas den Überblick verloren aber wir besuchten die Städte Rockford Galena – Moline/Quad Cities – Nauvoo – Quincy – Alton.

Vom Mississippi-Städtchen Alton, das gegenüber von St. Louis liegt, kann man auch auf die Route 66 wechseln. Das Easy Rider Gefühl findet man aber auch hier. Im Kegel’s Harley Davidson mit seiner riesigen Auswahl an Harley Davidson Motorrädern und alten 70ties Harley’s ganz bestimmt. Ein Besuch der Biker-Kneipe Poopy’s in Savanna gehört auf jede „Easy Rider“ Bucketlist.

Der Mississippi, Felder und Wiesen verschmelzen immer wieder zu einer malerischen Landschaft. Historische Städte, französische Festungen, altertümliche Zivilisationen findet man in Illinois einige.

 

Mich faszinierte ganz besonders die prähistorische indianische Stadt Cahokia und seine weltbekannten Hügel. Die Überreste der alten Indianerhochkultur von Cahokia Mounds (Bestandteil des UNESCO Weltkulturerbes) werden im „Cahokia Mound Museum“ wunderbar dokumentiert. Cahokia war das zeremoniale Zentrum der Mississip Indianer. Die Stadt hatte einst eine Fläche von mehr als 15 Quadratkilometern und geschätzte 40.000 Einwohner.  Durch klimatische Veränderungen und Raubbau an der Natur hat sie sich wieder von selbst aufgelöst.

Der Park, in dem sich Cahokia befindet enthält aber auch heute noch 70 gigantische Erdhügel. Die genaue Funktion der kegelförmigen Hügel ist nicht bekannt, man vermutet aber das hier die Stammeshäuptlinge beigesetzt wurden.

Fast alle Attraktionen in Illinois werden umgeben vom Mississippi. Viele Besucher denken beim riesigen Mississippi und den Nebenflüssen an den Süden, Louisiana und New Orleans. Doch tatsächlich entspringt der fast 4000 Kilometer lange Fluss hier im Norden und fließt durch acht Bundesstaaten. Und so kann man Schaufelraddampferfahrten, Motorboot-Rivercruises und Kajak- Fahrten auch in Illinois erleben.

Foto: Jens Hoffmann

Foto: Jens Hoffmann

Echte amerikanische Kleinstadterlebnisse und Attraktionen wie den Speedway Kurs treffen auf Geschichte, Abenteuer und großes Naturerleben.

Grosse Farmen und Fastfood-Kultur gehen Hand in Hand mit feinen lokalen Restaurants, Craft Beer Brauereien und kleinen Destillen.

Naturerlebnisse gibt es viele in Illinois. Der Mississippi wird von der aufgehenden Sonne in sanftes Licht getaucht. Ein Postkarten-Kitsch-Idyll liegt vor meinen Augen. Ich schaue nach oben und entdecke einen Adler, noch nie habe ich so viele große Raubvögel in freier Wildbahn gesehen.

Ein Wahrzeichen der USA, der Weißkopfseeadler. Foto: Alan D. Wilson,CC BY-SA 2.0)

Ein Wahrzeichen der USA, der Weißkopfseeadler. Foto: Alan D. Wilson,CC BY-SA 2.0)

Ein Vogelschutzgebiet ohne als solches deklariert zu sein. Nach Illinois kommen die Weißkopfseeadler um zu brüten und zu überwintern. Die Welt scheint hier noch in Ordnung zu sein. Im Winter friert der Mississippi zu. Nur an den Schleusen bleibt er eisfrei. Die Adler verweilen dort um Fische zu jagen. So auch an der riesigen Schleuse bei Melvin Price Locks & Dam in Alton. Unbedingt besuchen, es lohnt sich. Auch Galena ist einen Besuch wert, das ehemalige Minenarbeiterstädtchen wurde bereits zu einem der schönsten Orte des ganzen Landes gekürt. Der „General“ (Fremdenführer) verschafft den perfekten Überblick. Dann geht es weiter nach Moline. In den Quad Cities kann man etwas über die Geschichte von John Deere und seine Landmaschinen erfahren.

Das Dörfchen Nauvoo entführt uns in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts Die Mormonen hatten dort einst ihre erste dauerhafte Siedlung errichtet

Quincy  ist eine echte Überraschung. Perfekt lässt sich die Stadt und mit dem Fahrrad erkunden. Unsere Stadtführerin zeigte uns alles: erst eine Craft Brauerei, eine alte deutsche Bäckerei, dann das Haus eines 67-fachen Serienmörders. Gruselig, ja. Man findet aber auch viele schönen Häuser und prachtvolle Villen in der Stadt. Ein Highlight sind die Eigentümer, die den Gästen der Stadt das glanzvolle Innere ihrer Häuser offenbaren. Wunderbar. Das perfekte Lunch gibt es im Maid-Rite.

Anders als bei einem klassischen Hamburger werden hier zerkrümeltes gegartes Hackfleisch  und weitere Zutaten auf einem Brötchen angerichtet. „Maid-Rite“ hat dieses Sandwich 1926 erfunden nun isst man ihn im ganzen Mittleren Westen. Ein scharfe Chilsuppe dazu. Fantastisch.thYTVPFB1N

In Moline geht es dann an Bord der Celebration Belle, einem echten Schaufelraddampfer.Hier hatte man endlich das Missisippi Erlebnis auch wenn wir Gin & Tonic tranken und keinen Bourbon tranken. Die mehrstündige Fahrt mit Musik und Essen ist Detox vom Feinsten.

Auch ein kurzer Stop-over und schneller Drink bei Fast Eddie ohnt sich. Die besten Brathähnchen gibt es bei Castelli’s ebenfalls in Alton

Beim nächsten Illinois Besuch werde ich im Jail Hill einchecken. Ein feines Hotel mit nur 6 Zimmern, in einem historischen Gebäude, das bis 1977 noch als Gefängnis diente. 20180513_133910Von der damaligen Zeit ist heute überhaupt nichts mehr zu spüren. Statt Handschellen, Wasser und Brot erwartet die Gäste heute Champagner und Pralines zum Frühstück. Gediegener Luxus in einem tollen Ambiente. Aufgrund seines Standorts, des Mythos und seiner Bedeutung für Galena eine aufregende Übernachtsalternative.

 

Wer sich für Jazz Musik interessiert sollte sich in Alton das Haus in dem Miles Davis geboren wurde -bevor seine Familie nach St. Louis zog – besuchen.

Foto: Jens Hoffmann

Foto: Jens Hoffmann

Auch der Besuch im Jahr 1927 errichteten Coronado Theatre in Rockford ist aufregend.

Es sind die kleinen, außergewöhnlichen Erlebnisse, die eine Reise nach Illinois unvergesslich machen.

 

 

 

Informationen:

www.visitalton.com

Kommentar hinterlassen zu "Stille, Weite, Herrlichkeit – Great Rivers Illinois"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*