Max Beckmann. Welttheater

Ausstellungsansicht "Max Beckmann. Welttheater" im Museum Barberini, Photo: Helge Mundt, © Museum BarberiniAusstellungsansicht "Max Beckmann. Welttheater" im Museum Barberini, Photo: Helge Mundt, © Museum Barberini

Max Beckmann gehört zu den bedeutendsten Malern der Klassischen Moderne. In den zwanziger Jahren stand er der Neuen Sachlichkeit nahe. Mit seinen schwarzen Konturen und leuchtenden Farben galt er später als Expressionist, der früh internationale Beachtung fand. Viele seiner berühmten Triptychen hängen in Museen in den USA. Darunter befindet sich das Schauspieler-Triptychon aus dem Fogg Art Museum der Harvard University, das im Zentrum der neuen Ausstellung im Museum Barberini steht.

Schauspieler. Triptychon 1941/42, , , © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Photo: Imaging Department, © President and Fellows of Harvard College

Schauspieler. Triptychon 1941/42, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Photo: Imaging Department, © President and Fellows of Harvard College

Motive des Zurschaustellens prägten das Werk Max Beckmanns (1884–1950) seit den frühen 1920er Jahren: Varieté- und Jahrmarktkünstler, Akrobaten, Clowns und Schauspieler. Beckmann sah diesen Themenkreis als Ausdruck des Welttheaters. Damit stellte er sein Schaffen in die Tradition der barocken Idee, die das Weltgeschehen als scheinhaftes Spiel begreift, das auf eine dahinterliegende Macht verweist. Max Beckmann. Welttheater ist die erste Ausstellung zu diesem zentralen Thema im Werk des Malers.

Apachentanz, 1938, Photo: Lars Lohrisch, © VG BILD-KUNST, Bonn 2018

Apachentanz, 1938, Photo: Lars Lohrisch, © VG BILD-KUNST, Bonn 2018

Max Beckmanns Gemälde, Skulpturen und Druckgraphik zeigen oft Szenen, die auf oder hinter der Bühne spielen: Zu sehen sind Varieté- oder Zirkusnummern, Schauspieler in der Garderobe oder Schausteller auf dem Jahrmarkt. Hinzu kommen Selbstportraits, in denen sich Beckmann als Clown oder Artist präsentiert. Schon Picasso hatte den Künstler unter das fahrende Volk gemischt, um herauszustellen, dass er vom Rand der Gesellschaft einen unbestechlichen Blick auf die Menschen richtet.

Auch für Beckmann war die Rolle des Zuschauers eine Möglichkeit, das Weltgeschehen zu kommentieren und persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Der Maler fühlte sich den Menschen als aufrichtiger Berichterstatter verpflichtet, als Zeitgenosse, der das Leben auf der Straße und die gesellschaftlichen Gegensätze aufzeigen wollte. Als Sanitärer im Ersten Weltkrieg hatte er großes Leid gesehen. Er gehörte einer Generation an, der der Glaube an eine ordnende Macht verlorengegangen war. Ihr stellte sich die Frage nach der persönlichen Souveränität, die bei Beckmann in der Figur des Narren ihren Ausdruck findet. Mit diesem Vergleich traf er den Nerv einer Generation, die das Ausgeliefertsein an das Schicksal erfahren hatte und der sich damit auch die Frage nach der Willensfreiheit stellte.

Angesichts seiner persönlichen Erfahrungen und der dramatischen Entwicklungen auf der politischen Weltbühne – 1933 wurde ihm sein Lehramt an der Frankfurter Städelschule gekündigt, nach 1937 befand er sich im Exil in Amsterdam – galt Beckmann das Welttheater als Sinnbild für das aktuelle Geschehen. Er suchte die Wahrheit hinter der Maskerade, und dafür lieferten Zirkus und Theater die Vorlagen: das Leben ist nicht nur für Seiltänzer ein Balanceakt und nicht nur für Schauspieler ein Rollenspiel.

Nicht allein Beckmanns Motive, auch Komposition und Malweise zeugen vom Zurschaustellen. In den zwanziger Jahren begann er, seine Bilder wie Guckkastenbühnen anzulegen. In einem flachen Raum wölben sich Figuren und Gegenstände dem Betrachter entgegen. Je leuchtender die Farben, je freier die Malerei, desto flächiger und moderner seine Bilder. In seinen ausdrucksstarken Gemälden betonte er das Körperliche. Plastisch modelliert, sprechen die dargestellten Motive die Sinne der Betrachter direkt an. Durch auffordernde Gesten und provozierende Themen entwickelte Beckmann die seinem Werk eigene Ansprache. Sie fordert den Betrachter heraus und ist bis heute aktuell.

Max Beckmann. Welttheater noch bis 10. Juni 2018 im Museum Barberini Potsdam

www.museum-barberini.com

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