Doppelte Geburtstagsfeier im Rathaus Köpenick

Der Bürgermeister von Köpenick, Oiver Igel, beglückwünscht den "Hauptmann von Cöpenick" Jürgen Hilbrecht zum 75.Geburtstag. Foto: Ralf FluckeDer Bürgermeister von Köpenick, Oiver Igel, beglückwünscht den "Hauptmann von Cöpenick" Jürgen Hilbrecht zum 75.Geburtstag. Foto: Ralf Flucke

Von Volker Neef.

Es kommt sicherlich nicht alle Tage vor, dass ein Berliner Bezirksbürgermeister, 2 Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses und zahlreiche geladene Gäste einem Halunken zum Geburtstag gratulieren. Am 13. Februar beglückwünschte diese Gästeschar im Festsaal des ehrwürdigen Rathauses Köpenick einen Ganoven. Allerdings nicht den authentischen, sondern dessen nun auch schon legendären Darsteller. Denn keiner verkörpert eindrucksvoller den tragisch-komischen Schuster Voigt alias Hauptmann von Cöpenick, als Jürgen Hilbrecht.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Foto: Ingrid Müller-Mertens

Der seit Jahrzehnten allseits als Hauptmann von Cöpenick bekannte Schauspieler ist zwar schon im Dezember 75 geworden aber feiern wollte er erst am 13. Februar, denn das ist das Geburtsdatum des echten Hauptmanns von Köpenick. 169 Jahre alt wäre der 1849 in Tilsit geborene Friedrich Wilhelm Voigt nun geworden. Als der gelernte Schuhmacher am 3. Januar 1922 in Luxemburg verstorben ist, hatte er es als falscher Hauptmann, als Hauptmann von Cöpenick, zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Bekannt wurde er durch seine spektakuläre Besetzung des Rathauses der Stadt Cöpenick bei Berlin, in das er am 16. Oktober 1906 als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp gutgläubiger, gehorsamer Soldaten  eindrang, den Bürgermeister  verhaftete und die Stadtkasse raubte. Auch der damalige Kaiser Wilhelm II. soll herzlich über den Geniestreich gelacht haben: „Da kann man sehen, was Disziplin heißt. Kein Volk der Erde macht uns das nach!“, freute sich der Kaiser.  Gesucht hatte Voigt allerdings etwas anderes, nämlich ein Passformular, da er sich illegal in Berlin aufhielt.

Ja, hätte er doch Anno Domini 1906 gewusst, dass die begehrten Pässe des Rathauses Cöpenick nur in den Amtsstuben von Teltow zu finden gewesen wären! Der Voigt wäre in die andere Richtung in Uniform marschiert und später hätte er nicht ins Zuchthaus Tegel zum Flechten von Fußmatten gehen müssen.

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Gedenktafel am Rathaus Köpenick

In seiner Festrede betonte Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick: „Die beiden Geburtstage, der von Friedrich Wilhelm Voigt und Jürgen Hilbrecht, bilden eine Einheit. Solch ein Jubiläum ist für unseren Bezirk ein Glücksfall. Es spricht für Jürgen Hilbrecht, dass er im Dezember nicht groß seinen 75. Geburtstag gefeiert hatte und bis heute gewartet hat.“ So eine Bescheidenheit und Demut „zeichnet einen großen Volksschauspieler aus.“ Der Bezirk sei diesem Mimen zu großem Dank verpflichtet, betonte Oliver Igel. „Die Bürgermedaille des Bezirks trägt Jürgen Hilbrecht ja bereits.“ Diese Ehrung ist aber nur ein ganz kleines Dankeschön für die vielen Verdienste, die Hilbrecht für Treptow-Köpenick geleistet hat. In doppelter Funktion hielt Stefan Förster seine Ansprache. Der FDP-Politiker Förster gehört dem Berliner Abgeordnetenhaus an und ist Vorsitzender des Heimatverein Köpenick e.V. Voll des Lobes betonte Förster: „Der Jürgen hat ein Talent, dass auf deutschen Bühnen sehr selten geworden ist. Er kann improvisieren und bezieht das Publikum sofort immer mit ein. So fragt er einige Besucher, aus welchem Bezirk oder Stadt sie kommen. Sofort fällt dem Volksschauspieler zu jedem Berliner Bezirk oder jeder Stadt, sei es eine Stadt in Schwaben oder Franken beispielsweise, eine passende Anekdote ein.“ Da „Jürgen Hilbrecht vor seinem Schauspielstudium an der Ernst-Busch-Hochschule für Schauspielkunst den Beruf des Elektrotechnikers erlernt hat, weiß er ja, wie der Funke überspringt.“ Robert Schaddach aus dem Bezirk Treptow-Köpenick gehört ebenfalls dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Der SPD-Parlamentarier wies darauf hin, dass „es der Hauptmann von Köpenick und da wiederum Jürgen Hilbrecht ist, die eine ganz, ganz große Stütze für den Tourismus dieses Bezirkes und der ganzen Region sind.“

 

 

 

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