Geburtstagsparty im Hause Zille

Zille-Jahr im Zille-Museum. Volksschauspieler Walter Plathe in seiner Lieblingsrolle als "Pinsel-Heinrich". Foto: Ingrid Müller-MertensZille-Jahr im Zille-Museum. Volksschauspieler Walter Plathe in seiner Lieblingsrolle als "Pinsel-Heinrich". Foto: Ingrid Müller-Mertens

zille_3160 wäre er geworden am 10. Januar, der „jute Vater Zille“. Ein guter Grund zum Feiern. Denn Heinrich Zille (1858-1929), der Zeichner,  Fotograf  und unvergleichliche Chronist des typischen Berliner „Milljöhs“  gehört zu dieser Stadt wie kaum ein anderer.zeichnung_2 Auch wenn er in Sachsen geboren wurde, er ist Berlin! Da sind sich alle Geburtstagsgäste einig. Schön wäre es allerdings – und da sind sich auch alle einig – wenn die Stadt ihrem großen Sohn etwas mehr Reverenz erweisen würde. Denn dass es überhaupt eine Erinnerungsstätte an den 80. Ehrenbürger Berlins gibt, ist privater Initiative zu verdanken.

2002 hatte der beliebte Volksschauspieler Walther Plathe zusammen mit Heinrich Zilles Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille, die Initiative ergriffen, um dieses unvergleichliche künstlerische und kulturhistorischen Erbe der Nachwelt zu erhalten und zugänglich zu machen.

Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille. Bild: Ingrid Müller-Mertens

Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille. Bild: Ingrid Müller-Mertens

So ist es dem „Heinrich Zille – Freundeskreis e.V.“ und vielen ehrenamtlichen Mitstreitern zu danken, dass ein kleines aber sehr feines Museum im Berliner Nikolai-Viertel an den „Pinsel-Heinrich“ erinnert. Doch das Haus lebt bis heute vor allem vom privaten Engagement .

6Wie es aussieht, wird sich das vorerst auch nicht ändern. Immerhin war hoher Besuch aus dem Roten Rathaus gleich um die Ecke zur Gratulationscour erschienen: Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer. Allerdings ohne Geschenk aber mit schönen Worten , die er in perfektem „berlinisch“ vortrug.

Lederer rühmte Zille nicht nur als großen Künstler, sondern vor allem als bedeutenden Chronisten der Berliner Geschichte und ihrer Schattenseiten. Die mehr als 150 Exponate des Museums vermittelten ein eindrucksvolles Bild aus jener Zeit, als Berlin starke „Wachstumsschmerzen“ verspürte, sagte Lederer. zeichnung_1Nicht ganz unähnlich der heutigen Zeit, in der die Stadt erneut rasant wachse – und mit Problemen wie Armut und sozialer Ausgrenzung zu kämpfen habe. „Das hier ist nicht nur Nostalgie, sondern auch Berliner Geschichte, aus der man lernen kann“, sagte Lederer. „Zille ist Berlin, identitätsstiftend und unvergessen.“ Mit Bezug auf eine mögliche Förderung ließ sich der oberste Kulturvertreter der Stadt immerhin zu der Bemerkung hinreißen: – „Wir gucken, was wir tun können, um zu helfen.“

Ein kleiner Hoffnungsschimmer, fand Zille-Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille, der mit seinen beiden Söhnen, also den Ur-Ur-Enkeln, sozusagen den Jubilar vertrat.

Schüler der Zille-Schule gratulieren ihrem Namenspatron. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Schüler der Zille-Schule gratulieren ihrem Namenspatron. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Natürlich waren Zilles Lieblingstypen, u.a. die Harfenjule, die Reisigsammlerin oder die Blumenfrau mit Leierkasten leibhaftig zur Feier erschienen. Besonders gefreut hätte den Meister, dem vor allem die „Berliner Jören“ am Herzen lagen, eine kleine Schüler-Delegation der Zille- Schule in Friedrichshain, die nun schon seit 40 Jahren den Namen trägt und mit Begeisterung und vielen Aktionen dafür sorgt, dass „Pinsel-Heinrich“ auch in der jungen Generation nicht vergessen wird.

Sogar aus Fernost kam ein Glückwunsch vom chinesischen Künstler Xu Hongfei, der 2015 begeistert das Zille-Museum besucht hatte und sich wünschen würde, dass Heinrich Zille als „wahrer Botschafter Berlins“, international noch bekannter würde.

Radebergs Bürgermeisterin Michaela Ritter überreicht einen Zille-Schwibbogen. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Radebergs Bürgermeisterin Michaela Ritter überreicht einen Zille-Schwibbogen. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Ganz besonders bekannt – und da könnte sich Berlin eine Scheibe abschneiden – ist Zille offenbar in seiner Geburtsstadt Radeburg. Bürgermeisterin Michaela Ritter listete dann auch gleich eine beeindruckende Vielzahl von Erinnerungsstätten und Aktivitäten zum Ruhme des großen Sohnes ihrer Stadt auf. Besonderen Spaß hätte „Vater Zille“ sicher am alljährlichen Zille-Baby-Empfang. Alle Neugeborenen erhalten dann ein Geschenk, natürlich eine „Zille-Göre“.

Der runde Geburtstag war zugleich Startzeichen für das Zille-Jahr 2018. Ein willkommener Anlass für den Heinrich-Zille-Freundeskreis e.V., den großen Künstler und Chronisten Berliner Geschichte des 19. Und frühen 20.Jahrhunderts öffentlichkeitswirksam zu würdigen und für sein einmaliges Werk zu interessieren. Radiolegende Nero Brandenburg hat die Schirmherrschaft übernommen.

Schirmherr Nero Brandenburg mit Walter Plathe. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Schirmherr Nero Brandenburg mit Walter Plathe. Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

Das ganze Jahr über wird es zahlreiche Veranstaltungen geben, so die Sonderausstellung „Zille-Plakate aus 60 Jahren!“, die Fotoausstellung „Zeitreise Zille“ im Zille-Museum aber auch an anderen Gedenkorten, wie seiner Grabstätte auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Geschenkkoffer für das Geburtstagsjahr. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Geschenkkoffer für das Geburtstagsjahr. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Und da kleine Gaben bekanntlich die Freundschaft erhalten, wird das ganze Jahr über im Museum ein Geburtstagskoffer bereit stehen , in den Besucher und Zille-Verehrer ihre ganz persönlichen Geschenke legen können. Zur Feier am Mittwoch war er schon sehr gut gefüllt.

www.zillemuseum-berlin.de

1 Kommentar zu "Geburtstagsparty im Hause Zille"

  1. Guten Tag, alles kann man ja auch nicht lesen, aber wenn nette Leser einem diesen wunderbaren Beitrag „zuspielen“ ist man begeisterter Leser.
    Neee, ick bin nicht unbedingt eitel, aber als Schirmherr fühlte ich mich von gerade IHNEN gut betreut (im Gegensatz zu einer „Woche…“) egal. Mir hat´s gefallen, ich bin gern der Schirmherr des Zille-Jahres 2018 und der Institution „Zille-Museum“ mitten in Berlin. Ich bin ja im hohen Alter :-) auch noch ehrenamtlich für das „Hans-Rosenthal-Haus“ in Berlin Zehlendorf als 1. Vorsitzender des Fördervereins der Freunde des Hauses tätig. Ich gestalte dort Programme, moderiere diese und werde Sie demnächst mit Material zur gefl. Veröffentlichung überraschen… ganz freundliche Grüße als Berliner für Berlin!!!

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