Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum

Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum, Foto:© Staatliche Museen zu Berlin / David von BeckerUnvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum, Foto:© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Eigentlich ist der Ausstellungstitel etwas irreführend. Denn es geht ja gerade darum, zu vergleichen, neue Perspektiven aufzuzeigen bei der intensiven und frappierenden Begegnung afrikanischer und europäischer Skulpturen. Sich einzulassen, auf eine unerwartete, neue Begegnung  zwischen den vertrauten abendländischen Meisterwerken und dem exotischen Fremden. Im Grunde ein topaktuelles Thema und Anliegen.

Diese Art der Betrachtungsweise hat es allerdings im musealen Bereich so noch nie gegeben und insofern ist die imposante Schau durchaus unvergleichlich. Also nicht zu vergleichen mit den üblichen Präsentationen afrikanischer Kunst.

Erstmals treten im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel Berlin die skulpturalen Traditionen Afrikas und Europas in einen direkten Dialog. Das ist verblüffend und spannend zugleich. Was haben zum Beispiel eine mittelalterliche Marienskulptur und eine martialische Kraftfigur aus dem Kongo gemeinsam? Man ist fasziniert von den überraschenden Parallelen.18_Unvergleichlich Über 70 Hauptwerke afrikanischer Skulptur aus dem Ethnologischen Museum sind ab aktuell im Bode-Museum zu Gast. Kunst aus West-und Zentralafrika trifft auf Meisterwerke aus Byzanz, Italien und Mitteleuropa – noch nie wurden die Skulpturentraditionen der beiden Kontinente so umfangreich miteinander verglichen.

Leoparden-Aquamanile, Königreich Benin, 17. Jh., Messing, Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum, © Foto: Martin Franken

Leoparden-Aquamanile, Königreich Benin, 17. Jh., Messing, Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum, © Foto: Martin Franken

22 Kunstwerke aus Afrika werden 22 mittelalterlichen Kunstwerken gegenübergestellt. Und so unterschiedlich sie auch in ihrer Gestaltung sein mögen, alle Figuren behandeln dieselben großen Menschheitsthemen wie Macht, Tod, Schönheit, Erinnerung, Ästhetik und Identität. Übereinstimmungen und Unterschiede werden sichtbar.

 

Michael Eissenhauer (2)

Michael Eissenhauer. Foto: Ingrid Müller-Mertens

„Die Umzugsvorbereitungen für das Humboldt Forum bieten uns die einmalige Gelegenheit, die außereuropäischen Bestände der Staatlichen Museen in spannende, sammlungsübergreifende Dialoge zu setzen“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatliche Museen zu Berlin und Direktor der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst. „Das anregende Zusammenspiel der afrikanischen Skulpturen mit unserer eigenen Sammlung verspricht nicht nur ein Fest für die Sinne zu werden, sondern wird grundlegend zu neuen Erkenntnissen führen“, so Julien Chapuis, Leiter der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst.

In der Schausammlung sowie in den Ausstellungsräumen unter der Basilika veranschaulichen die über 20 Gegenüberstellungen unerwartete Übereinstimmungen: Der Putto mit Tamburin des Renaissance-Bildhauers Donatello scheint die frühneuzeitliche Prinzessin aus dem Königreich Benin zu einem Tanz aufzufordern.

Die spätgotische Schutzmantelmadonna von Michel Erhart tritt in unmittelbarer Nähe zu einer Kraftfigur aus dem Kongo auf, die ebenfalls zum Schutz der Bevölkerung geschaffen wurde. Der romanische Christus als Richter aus der Klosterkirche Gröningen und die große NgilMaske aus der Fang Region von Gabun oder Kamerun sind beide ehrfurchteinflößende Darstellungen von Urteilsverkündern. Mythische Helden aus Zentralafrika nehmen ihren Platz zwischen christlichen Figuren der Spätgotik ein und eröffnen neue Sichtweisen auf beide Sammlungen.

Fazit: Es gibt vielmehr, was Kulturen verbindet  – als was sie trennt. Man muss sich darauf einlassen.

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