Prunkwaffen und Kurfürstliche Garderobe im Dresdner Renaissanceschloss

Die Dresdner Frauenkirche wurde zum Symbol des Protestantismus. Foto: Ingrid Müller-MertensDie Dresdner Frauenkirche wurde zum Symbol des Protestantismus. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Von Klara Berger.

Sachsen ist ein Hotspot für Reisende aus aller Welt. Der Freistaat gehört zu den reichsten und vielfältigsten Kulturlandschaften Europas. Zur Feier des 500. Jubiläums der Reformation hat sich das Land mit dem größten Fundus von Schätzen aus dieser Zeit eingebracht und das natürlich auch in der Kunstmetropole Dresden.

Schlosskapelle. des Residenzschlosses Dresden  © SKD, Foto: Oliver Killig

Schlosskapelle. des Residenzschlosses Dresden
© SKD, Foto: Oliver Killig

Von Sachsen ging die Reformation aus. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther (1483-1546) im damals zu Sachsen gehörenden Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Den größten Teil seines Lebens verbrachte der Reformator in sächsischen Landen: Viele der Orte, in denen er lebte und wirkte, gehörten damals zum Kurfürstentum Sachsen. Und so besuchte Martin Luther auch die Landeshauptstadt Dresden in den Jahren 1516 und 1517. In der damaligen Schlosskapelle predigte er vor dem Sächsischen Hof. Sachsen war schließlich das erste Land, das in zwei Schritten 1537 und 1539 die Reformation einführte. Schon Ende des 16. Jahrhunderts wurde Sachsen der Ehrentitel „Mutterland der Reformation“ verliehen.

Unter dem Thema „Macht & Mode“ wird uns im Residenzschloss die Zeit Luthers aus der höfischen, staatspolitischen und gesellschaftlichen Perspektive erlebbar gemacht. Zu bestaunen sind weltweit einzigartige Kostbarkeiten aus dem Leben der sächsischen Renaissance-Kurfürsten, die Zeitgenossen, Widersacher aber auch Unterstützer des Reformators waren. Eine Sensation, denn das ist die einzige fürstliche Sammlung in Europa, die Originalgewänder ihrer Herrscher zeigen kann.

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Präsentiert werden in der Rüstkammer des Schlosses knapp 27 repräsentative Prunkkleider. 500 Jahre alte Fürstengarderobe aus Gold, Silber, Brokat und Seide. Die Originaltextilien der Gewänder sind wie durch ein Wunder über die Jahrhunderte erhalten geblieben und bestechen in ihrer üppigen Pracht und Kostbarkeit der Materialien, vor allem aber der handwerklichen Kunstfertigkeit ihrer namenlos gebliebenen Schöpfer.

Neben den geradezu atemberaubenden Prachtroben beeindrucken aufwendig verzierte Prunkwaffen, darunter Meisterwerke süddeutscher und italienischer Plattner- und Goldschmiedekunst, Schusswaffen, Reitzeuge und Bildnisse der Fürsten, ihrer Ehefrauen und auch Kinder, für die diese einzigartigen Kostbarkeiten gefertigt wurden.

Fasziniert steht man vor den Vitrinen mit einer Fülle ebenso edler wie unendlich kostbarer Zeugnisse damaliger Waffenschmiedekunst, so unter anderen den Kurschwertern des Fürsten Moritz von Sachsen (Kurfürst von 1547 bis 1553) und seines Nachfolgers Kurfürst August (Kurfürst von 1553 bis 1586) oder ein reich verzierter Harnisch, der den Körper August von Sachsen nachweislich am 27. April 1547 in der Schlacht von Mühlberg schützte.19

Und man bekommt einen Eindruck von der Statur des jeweiligen Trägers, denn die Gewänder und Rüstungen haben der Originalfigur angepasste Figurinen bekommen. Und so erkennt man, dass die Zeitgenossen des Reformators erheblich kleiner und zierlicher waren. Neben dem Staunen über die einmaligen, selten Schätze bekommt man ein Gefühl für die Zeit und die historischen Vorgänge und Akteure.

Aber auch das Schloss selbst ist Zeuge der Zeit: Kurfürst Moritz ließ das Dresdner Stadtschloss im Renaissancestil Stil zum Residenzschloss der sächsischen Kurfürsten und Könige umbauen und setzte so auch ein Zeichen für den Aufbruch aus dem düsteren Mittelalter in ein aufgeklärtes Zeitalter.

Residenzschloss

Residenzschloss

Ein Bekenntnis zur protestantischen Welt. Auch die Schlosskapelle mit ihrem beeindruckenden Gewölbe,, in der Luther zweimal gepredigt hatte, wurde umfassend restauriert. Das sich seit den 1980er Jahren im Wiederaufbau befindliche Schloss ist heute Heimstatt von fünf Museen: Grünes Gewölbe, Münzkabinett, Kupferstichkabinett und Rüstkammer mit Türckischer Cammer. Mit der Eröffnung des Renaissanceflügels sind nun zwei Drittel des Dresdener Schlosses fertiggestellt. 2021, so die Planungen, soll der Wiederaufbau des Schlosses beendet. Dann besitzt Dresden eine komplette „Residenz der Kunst und Wissenschaft“.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Informationen unter:

www.skd.museum

www.frauenkirche-dresden.de

www.dresden.de/tourismus

www.sachsen-tourismus.de

Zum Thema Luther bereits erschienen:

http://berliner-umschau.de/?p=1910

http://berliner-umschau.de/?p=618

http://berliner-umschau.de/?p=739

http://berliner-umschau.de/?p=1006

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