Serbien – Entdeckungsreise an der Donau

Die Burg Golubec. Foto: Ronald KeuschDie Burg Golubec. Foto: Ronald Keusch

Von Ronald Keusch.

Der Balkan war und ist ein Schmelz-Tiegel der Kulturen. Das gilt besonders für die Hauptstadt Serbiens Belgrad, die über Jahrhunderte als das Tor zwischen Ost und West diente. Doch auch viele Regionen Serbien sind multikulturell geprägt. Dazu zählt die Vojvodina, die sich im Norden von Belgrad in der pannonischen Tiefebene ausbreitet.

In dem flach gestrecktes Land mit scheinbar unendlichen Weiten, durchzogen von den Flüssen Donau, Theiss und Save haben sich seit Jahrhunderten viele Völker mit unterschiedlichen Sprachen und Religionen angesiedelt. Hier leben mit den Serben auch Ungarn, Kroaten, Slowaken, Rumänen; insgesamt 26 verschiedene Ethnien.

Faszinierende Landschaft am Eisernen Tor

Das Eiserne Tor, Foto: Kazan

Das Eiserne Tor, Foto: Kazan

Die Donau fließt über 588 Kilometer durch Serbien und bietet immer wieder faszinierende Impressionen. So das „Eiserne Tor“, die Durchbruchsstelle der Donau durch die Karpaten genannt oder die Festung Golubac (Titelfoto). Die mittelalterliche Burg liegt am rechten Donau-Ufer an der Grenze zu Rumänien und ist eine optische Attraktion. Wie auch andere Befestigungsanlagen fiel Golubac für rund 400 Jahre in osmanische Hand und wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts endgültig von den Türken aufgegeben. Gegenwärtig wird die Festung noch aufwendig rekonstruiert.

Vrsac – Städtchen mit Habsburger Flair

Nur 80 Kilometer von Belgrad entfernt liegt das Städtchen Vrsac, früher ein wichtiges Zentrum der alten Habsburger Monarchie. Wie überall in der Region wird seit jeher viel und gut gegessen.konditorei_2 Die Wege durch die großzügig angelegte Stadt mit breiten Straßen und Fußgängerzonen wird durch eine Reihe von Konditoreien flankiert. Das kulinarische Angebot, zu dem unbedingt üppige Fleischgerichte gehören, wird durch Sehenswürdigkeiten wie den Bischofspalast und die neogotische Nikolaus-Kathedrale würdig ergänzt.

Mekka der naiven Malerei

Foto Ronald Keusch

Foto Ronald Keusch

Nicht weit entfernt von Vrsac im südlichen Banat in Kovacica, befindet sich ein Wallfahrtsort für Kunstfreunde der naiven Malerei. In der Gemeinde, in der überwiegend Slowaken leben, haben sich bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Künstler niedergelassen, die sich der naiven Malerei verschrieben haben. Den Eingang der ständigen Ausstellung ziert ein Bild von Zuzane Holubekowa. Ihre künstlerischen Arbeiten sorgten für den nationalen und internationalen Durchbruch der hier angesiedelten naiven Maler. “Die Nachfrage ist groß nach der vereinfachten, unbekümmerten und phantasievollen Gestaltung von Mensch und Natur.“ sagt Galerist Babka, der in den Ausstellungsräumen insgesamt 63 Künstler präsentiert und ihre Bilder verkauft.

Museum für Titos Jugoslawien

Josip Broz Tito. Foto: Ronald Keusch

Josip Broz Tito. Foto: Ronald Keusch

In dem Künstlerdorf existiert seit langen Zeiten ein friedliches multikulturelles Zusammenleben, das für mehr als drei Jahrzehnte den gesamten Vielvölkerstaat der Förderativen Volksrepublik Jugoslawien unter der politischen Führung des Präsidenten Tito (Staatschef von 1945 bis 1980) prägte. Wer etwas mehr über dieses interessante multikulturelle Staatenmodell und über die prägende Persönlichkeit Tito erfahren will, kann im Süden von Belgrad das Museum der Jugoslawischen Geschichte besuchen, ein Gebäudekomplex mit hohen Bäumen, zu dem die ehemalige 1975 erbaute Residenz von Tito gehört. Sie fungiert heute unter dem Namen Haus der Blumen als Grabstätte für den 1980 verstorbenen Staatsmann. Das Auseinanderbrechen Jugoslawiens im Jahre 1991, die blutigen Balkankriege der Neunzigerjahre zerstörten das Zusammenleben der Völker auf dem Balkan.

Parlamentsgebäude. Foto: Ronald Keusch

Parlamentsgebäude. Foto: Ronald Keusch

Die Wunden sind noch nicht verheilt. Vor dem Parlamentsgebäude in Belgrad sind gegenwärtig großflächig und unübersehbar Losungen und Plakate angebracht, die den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der NATO 1999 anklagen und die Bilder vieler hunderter Serben zeigen, die dem Terror der albanischen paramilitärischen UCK im Kosovo zum Opfer fielen. Von diesen Folgen des Zerfalls von Jugoslawien ist im Museum leider nichts zu erfahren. Aber die anklagenden Plakate können für den Besucher einen Anstoß geben, sich über diese Ereignisse der jüngeren Geschichte auf dem Balkan zu informieren.

Schatzkammern der Tropfsteinhöhle Rajkova

Foto: Ronald Keusch

Foto: Ronald Keusch

In nur einem kleinen Streifzug wenige Kilometer von der Donau entfernt, bei dem kleinen Kupfer-Bergbau-Städtchen Majdanpek stößt der Tourist auf eine weitere spektakuläre Sehenswürdigkeit – die Tropfsteinhöhle von Rajkova. Der Legenda nach soll hier der berühmte und sehr erfolgreiche Räuber Rajko seine Schätze versteckt haben, aber niemand hat sie bislang gefunden. Dafür sind 1400 Meter der Höhle für den Besucher zugänglich gemacht, der besonders von den sehr auffälligen schneeweißen Stalaktiten und Stalagmiten in den Bann gezogen wird.

Künstlerisches Refugium des Stefanovic Zika

Unnweit des kleinen Ortes Donji Milanovac oberhalb der Donau findet man ein künstlerisches Refugium besonderer Art. Es trägt den Namen „Kapetan misin Breg“ und bezeichnet sich selbst als Etno-Komplex.

Foto: Ronald Keusch

Foto: Ronald Keusch

Dahinter verbirgt sich ein weitläufiges Grundstück, mit einigen kleinen Holzhäuschen, einem Weinlager und jeder Menge von anspruchsvollen Holz-Skulpturen unter freiem Himmel. Der Hausherr und zugleich Schöpfer ist Stefanovic Zika. Der 64jährige Serbe hat keine Kunsthochschule besucht, sondern musste von frühester Kindheit an hart auf dem Feld arbeiten. Seine Inspiration waren immer Menschen, Bäume und die Donau. Jetzt hat er sich schon seit einigen Jahren dem Tourismus verschrieben. Mittlerweile ist sein Anwesen mit 12 Schlafplätzen und einem kleinen feinen Zeltplatz mit überwältigenden Donaublick bei Gästen aus aller Welt gefragt.

http://www.serbien.travel/home.957.html

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