August Kopisch in der Alten Nationalgalerie

Magisch: „Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“ von August Kopisch. Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Andreas KilgerMagisch: „Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“ von August Kopisch. Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Andreas Kilger

August Kopisch in der Alten Nationalgalerie

Auch Altes ist in der Kunst immer wieder neu zu entdecken. Und so widmet sich die Nationalgalerie erstmals dem Werk von August Kopisch (1799 – 1853), einem, wie man nun erstaunt zur Kenntnis nimmt, der vielseitigsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Wie kein Zweiter hat der in Breslau geborene Kopisch in seinem Schaffen Malerei, Dichtung, Forschergeist und Erfindungskraft vereint.  1826 entdeckte er auf der Insel Capri die Blaue Grotte, zu seinen literarischen Hauptwerken zählt die metrische Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“. Am bekanntesten sollte jedoch sein bis heute beliebtes Gedicht „Die Heinzelmännchen“ werden, mit dem Generationen von Kindern aufgewachsen sind.

Als Maler schuf Kopisch Bilder von ganz eigener poetischer Strahlkraft. Magisches Sehnsuchtsblau oder schwelgerisches Sonnenuntergangsrot waren seine bevorzugten Farben, mit denen er Lichtphänomene eindrucksvoll wiedergab und die heute in ihren suggestiven Farbexplosionen ganz modern wirken. Seiner Zeit war er damit weit voraus.

Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie , der bekanntlich ein „Händchen“ hat für außergewöhnliche Projekte jenseits des Mainstreams., erweckte Kopisch sozusagen nach einem Jahrhundert aus dem Dornröschenschlaf. Auch ihm ist unerklärlich, warum das außergewöhnliche Werk voller Zauber und Magie solange unbeachtet blieb. Nun hat er sich diese Ausstellung dank der Hilfe des Vereins der Freunde der Nationalgalerie und der Volkswagenstiftung quasi zu seinem 58.Geburtstag geschenkt und damit der Welt die allererste Ausstellung der Werke von August Kopisch überhaupt. Und er ist besonders glücklich, dass er eines seiner Lieblingsbilder präsentieren kann : „Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“, ein Bild mit überwältigender Strahlkraft und einer für die Zeit einzigartigen Farbpalette. Kittelmann entdeckte es vor einigen Jahren beim Stöbern in den Museumsdepots. Fortan ließ es ihn nicht mehr los und inspirierte zur intensiven Beschäftigung mit dem untypischen Romantiker. Vielleicht, so mutmaßt Kittelmann, geriet das Werk Kopischs in Vergessenheit, weil das Ouevre eher klein ist oder man sich damals nicht traute, ein so „schreiendes „ Werk in den Kontext des eher farblich dezenten 19. Jahrhunderts zu stellen.

Und noch eine frohe Botschaft hat der Museumsdirektor zur Eröffnung zu vermelden: Nach jahrelangem anonymen Bieterverfahren ist es gelungen, ein Werk von August Kopisch zu erwerben. „Und alle haben dicht gehalten“, freut sich Kittelmann und man vermeint eine Träne der Rührung aufblitzen zu sehen. Und so wird das kleine Gemälde“ Ein Schiff auf dem Meer von Delphinen umgeben“ nun als kleine Sensation erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert.

In fünf Ausstellungsräumen sind neben rund 40 Gemälden und Zeichnungen etwa 80 weitere Exponate zu sehen, die Zeugnis von Kopischs mannigfaltigem Schaffen ablegen – darunter Erfindungen wie der sogenannte Reiseschnellofen, auf die er ein technisches Patent erwarb. Und natürlich eine  liebevoll zusammengetragene Sammlung der unterschiedlichsten „Heinzelmännchen“-Ausgaben.

19.03. – 17.07.2016: August Kopisch – Maler, Dichter, Entdecker, Erfinder

Alte Nationalgalerie Museumsinsel Bodestraße 1-3 10178 Berlin

www.augustkopischinberlin.de

Kommentar hinterlassen zu "August Kopisch in der Alten Nationalgalerie"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*