Rudolf Belling. Skulpturen und Architekturen im Hamburger Bahnhof bis 29. Oktober verlängert

Ausstellungsansicht mit  Dreiklang. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017Ausstellungsansicht mit Dreiklang. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Kopf in Messing, 1925 . Foto:© bpk / Nationalgalerie, SMB / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Kopf in Messing, 1925 . Foto:© bpk / Nationalgalerie, SMB / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die seit über 40 Jahren erste umfassende Einzelausstellung zu Rudolf Belling (1886-1972), der zu den wichtigsten deutschen Bildhauern der Klassischen Moderne gehört, zählt bereits mehr als 60.000 Besucher und wird nun bis zum 29. Oktober 2017 verlängert.

„Wenn ich heute eine Skulptur baue, so organisiere ich die Formen und lasse sie wachsen wie einen Baum oder einen Menschen“, war das Credo von Rudolf Belling (1886 bis 1972), einem der wichtigsten Bildhauer der Klassischen Moderne.

Als erster deutscher Bildhauer verwarf er die einansichtige „Bildwirkung“, wie sie in der Skulptur vorherrschend war. Skulptur war für ihn „Synthese von Plastik und Raum“.

Skulptur 23, 1923.Foto: © Nationalgalerie, SMB / Thomas Bruns / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Skulptur 23, 1923.Foto: © Nationalgalerie, SMB / Thomas Bruns / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Nationalgalerie, die  dem Künstler bereits 1924 seine erste Museumsausstellung widmete, stellt den Pionier der plastischen Abstraktion im Hamburger Bahnhof in einer großen Retrospektive vor. Die Ausstellung ist die erste umfassende Präsentation seines Werks seit 40 Jahren und belegt Bellings Bedeutung für die Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Rudolf Belling im Atelier, um 1925 Foto:© VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / ullstein bild

Rudolf Belling im Atelier, um 1925 Foto:© VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / ullstein bild

Ausgangspunkt sind elf Hauptwerke der 1920er-Jahre aus der Sammlung der Nationalgalerie, darunter der berühmte Dreiklang (1919/24). Die insgesamt rund 80 Exponate aus den 1910er- bis 1970er-Jahren – darunter Skulpturen, Zeichnungen, Modelle, Filme, Fotos und Figurinen – beleuchten die vielen Facetten eines Plastikers, der sich nicht auf das Medium der Skulptur allein festlegen lässt. Bellings über sechs Jahrzehnte umfassendes Kunstschaffen ist von einmaliger Vielseitigkeit geprägt: sein stilistisches Vokabular reicht von Expressionismus bis Neue Sachlichkeit, von Futurismus bis Konstruktivismus, von Abstraktion bis Naturalismus.

Moden-Plastik, 1921.Foto: © Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Moden-Plastik, 1921.Foto: © Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Drei stark abstrahierte, auf kubistische Formen reduzierte Tänzerinnen verkörpern die Kunstgattungen Malerei, Bildhauerei und Architektur. Sie schwingen gegeneinander aus und sind doch in einem Bogen fest vereint. Geschlossene und offene Form durchdringen sich zu einer zeitlosen Metapher über das Wechselspiel von Kunst und Raum.

Auch im Hinblick auf Gattungen übertrat er gängige Grenzen: Er war als Bühnen- und Kostümbildner, Bau- und Werbeplastiker, Porträtbildner  sowie als Designer aktiv; in Zusammenarbeit mit Architekten entstanden Innenräume, Bauplastiken, Brunnen und Denkmäler; Bau-Utopien fanden Ausdruck in visionären Entwürfen; seine „Moden-Plastik“ gilt bis heute als herausragendes Beispiel der modernen Schaufensterfigur.

„Ob gegenständlich oder gegenstandslos, ich erlaube mir alles, was mir nötig erscheint, um organisch gesetzmäßig zu bilden.“, schrieb der Künstler 1922. Zu den Prinzipien des „Systems Belling“, wie er selbst es nannte, gehört die Konzeption der Skulptur als vielansichtige, raumhaltige Rundplastik ebenso wie das Einbeziehen des Leerraums als elementares Gestaltungselement.

Rudolf Belling. Skulpturen und Architekturen

Noch bis 29.Oktober

Neue Galerie Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin Staatliche Museen zu Berlin

www.rudolfbellinginberlin.de

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