Dauerregen – Stresstest für Tourismusbranche in Brandenburg

Ministerpräsident Dietmar Woidke freut sich über das Erfolgsmodell Spreewaldtourismus mit  regionalem  Whisky bei den "Spreewood-Distillers".Foto: Ingrid Müller-MertensMinisterpräsident Dietmar Woidke freut sich über das Erfolgsmodell Spreewaldtourismus mit regionalem Whisky bei den "Spreewood-Distillers".Foto: Ingrid Müller-Mertens

Der verregnete Sommer hat auch Gewinner. Zum Beispiel in der Tourismusbranche, konstatiert der Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB), Dieter Hütte. Schlösser, Museen und Thermen profitieren vom schlechten Wetter. Dank der zahlreichen überdachten touristischen Angebote werde man voraussichtlich auch in der Schlechtwetterperiode keinen bedenklichen Einbruch der Gästezahlen erleiden. Ja, er zeigte sich zuversichtlich, dass die Übernachtungszahlen im Land auf das gesamte Jahr gesehen weiter steigen werden. Immerhin ist die Tourismusbranche mit rund 60.000 Beschäftigten ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor im Bundesland. Der Bruttoumsatz liegt bei 4,3 Milliarden Euro. Und das ist sehr erfreulich, bestätigt Ministerpräsident Dietmar Woidke bei seiner alljährlichen Pressefahrt zum Thema Reiseland Brandenburg, die im strömenden Regen stattfindet. Da trifft es sich gut, dass die erste Präsentation für die Medienvertreter in tropischen Gefilden stattfindet. Angesichts der schier endlosen Warteschlange am Eingang verwundertes nicht, dass „Tropical Island“ eindeutiger Gewinner der aktuellen Regenzeit ist.

Mit über einer Million Besucher jährlich hat es sich zum Besuchermagnet der Region entwickelt. Und nicht nur der Region. Mittlerweile kommen Gäste aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarn. Ständig wird erweitert. Geschäftsführer Jan Janssen freut sich auch über das aktuelle Regenwetter, das der Anlage gerade Besucherrekorde beschert. 6.000 allein an diesem verregneten Sommertag.  Aber man ruht sich nicht aus auf den komfortablen schwarzen Zahlen, es wird ständig vergrößert und investiert.

12 Zur sehr gefragten Ferienhausanlage mit gegenwärtig 2.000 Betten soll in den nächsten vier Jahren mit einer weiteren Anlage und zwei neuen Hotels die Übernachtungskapazität auf 9000 Betten erhöht werden. In den vergangenen zwei Jahren wurden 56 Millionen Euro investiert. Fördermittel bezog das Unternehmen zuletzt 2004. Heute beschäftigt es 740 Mitarbeiter und weitere Arbeitsplätze entstehen. Eine Erfolgsgeschichte, über die sich der Ministerpräsident beim Rundgang durch die Anlage sichtlich freut.

Neuer Besuchermagnet ist der Außenbereich „Tropical Islands Amazonia“ mit seinem 250 Meter langen Wildwasserkanal.

Aber nicht nur die spektakulären Highlights steigern die touristische Attraktivität des Landes Brandenburg, sondern vor allem auch die immer zahlreicheren mittelständischen und kleineren Unternehmen, die mit viel Wagemut in neue Ideen und alte Gemäuer investieren und dabei auf Traditionspflege, Wohlfühlatmosphäre und Gesundheitstourismus setzen. Ein gelungenes Beispiel ist die Spreewaldregion. Hier gehen die Besucherzahlen stetig nach oben und das nicht nur im Sommer.

14Dietmar Woidke freut sich über die gelungene Verbindung von Tradition und Innovation im Spreewaldtourismus. Das sei ein beeindruckendes und erfolgreiches Konzept. Und im malerischen Ort Schlepzig kann man sich auch gleich davon überzeugen.  Schon als Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ war das Ensemble weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. 2001 übernahm die SATAMA GmbH die Anlage und begann mit einem Eigenkapital von nur 150.00 Euro die Traditionsbereiche behutsam zu modernisieren und zusammen mit  neuen Zimmern bzw. Suiten im Landhausstil und einigen Ferienhäusern das „Spreewaldresort Seinerzeit“ zu schaffen. Die beiden Geschäftsführer Susanne Du Chesne und Rene Kowatsch bieten aktuell 80 Betten in 41 Zimmern an. Beeindruckend das edle und überaus gemütliche Ambiente, ein gelungener Mix von Altbewährtem, einer Prise Nostalgie und modernem Design.

Das Restaurant „Feine Küche“ serviert dem Gast regionale Spezialitäten. Das leckere Bier kommt aus der hauseigenen Brauerei. Rund 14,1 Millionen Euro wurden inzwischen investiert. Ein Wellnessbereich soll folgen. Besonders idyllisch auch die Außenanlagen. Der „Weidendom“ direkt an der Spree, ist sogar eine offizielle Außenstelle des Standesamtes und ein sehr beliebter Ort für Trauungen und Hochzeitsfeiern. Die Braut kommt per Spreewaldkahn. Hier würde man gern (nochmal) heiraten. Findet auch der Ministerpräsident.

Aber auch hier – wie in der gesamten Region – zeigt sich ein Problem: Arbeitskräftemangel in der Gastronomie, Hotellerie und Service. Besonders für den ländlichen Bereich sind Fachkräfte schwer zu gewinnen. Die Forderung der Touristiker: Jobs im Tourismus müssen wieder interessant werden. Hier ist auch die Landesregierung gefragt.

Gleich um die Ecke vom Landgasthof erlebt man Traditionspflege überraschenderweise auch mit einem hochprozentigen Getränk, bei dem man eher an Schottland oder Amerika denkt: Whisky. Aber im Spreewald gibt es eine jahrhundertealte Geschichte im Brennen und Brauen von Getreide. Das Biosphärenreservat Spreewald besitzt ein einzigartiges Mikroklima für die Fassreifung, erklärt Bastian Heuser, einer der drei Mutigen, die sich im Herbst 2016 mit der Übernahme der bereits etablierten Spreewald-Destille im typischen alten Bauernhaus in Schlepzig einen Traum erfüllt haben.

Unter der Marke Spreewood–Distillers betreiben sie nun mit erheblichen Investitionen und 10 Mitarbeitern als Manufaktur Whiskey- und Rumherstellung aus regionalem Roggen und Gerste. Angeboten werde aber auch Führungen, Erlebnis-Gastronomie und Veranstaltungsmöglichkeiten. Natürlich wird gekostet – und für gut befunden. Für sehr gut.

Fazit: Das Bundesland Brandenburg ist mit seinen vielen kleinen und großen touristischen Angeboten sehr gut aufgestellt. Ministerpräsident Dietmar Woidke ist mit der Entwicklung zufrieden: „Der Tourismus entwickelt sich seit Jahren hervorragend und vor allem stetig.“ Tourismus-Chef Hütte hält es weiter für wahrscheinlich, dass die Touristikbranche das Ziel von einer Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste pro Jahr 2017 schafft. Der Regenstresstest wurde jedenfalls schon mal erfolgreich bestanden.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

www.reiseland-brandenburg.de

www.spreewald.de/tourismusverband

www.spreewald-info.de

www.spreewaldtourismus.de

www.seinerzeit.de

www.spreewood-distillers.com

 

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