Wim Wenders inszeniert „Die Perlenfischer“ in der Staatsoper

Wim Wenders inszeniert in der Staatsoper George Bizets "Die Perlenfischer", Foto: Ingrid Müller-MertensWim Wenders inszeniert in der Staatsoper George Bizets "Die Perlenfischer", Foto: Ingrid Müller-Mertens

von Katharina Zawadsky.

Zwölf Jahre vor dem Welterfolg seiner »Carmen« gelang dem 25-jährigen George Bizet mit seinen „Perlenfischern“ der Durchbruch als Opernkomponist. Vor der Kulisse eines fernen und offenbar von Naturgewalten bedrohten Inselparadieses im südindischen Ozean schildert er eine durch wahre Freundschaft verkomplizierte Dreiecksgeschichte zwischen dem Anführer eines Perlenfischerdorfes, seinem Jugendfreund aus dem Hochland und einer zum Schutz des Dorfes herbeigerufenen Priesterin.

Olga Peretyatko-Mariotti und Francesco Demuro

Olga Peretyatko-Mariotti und Francesco Demuro

Den dramatischen wie auch musikalischen Dreh- und Angelpunkt bildet hierbei das berühmte Perlenfischer-Duett „Au fond du temple saint“ zwischen Zurga und Nadir, in dem sie ihren Freundschaftsschwur erneuern.  Eine Perle der Opernliteratur, aus keinem Wunschkonzert wegzudenken. Und letztlich ist dem „Ohrwurm“ auch die Wiederentdeckung des in Vergessenheit geratenen Werkes zu verdanken. Und Wim Wenders verhalf es endlich mit 71 Jahren zu seinem Debüt als Opernregisseur . Dem Kult­-Filmregisseur (. „Paris, Texas”, „Der Himmel über Berlin” ) war die volkstümliche  Schmelz-Arie nicht mehr aus dem Kopf gegangen, seit er sie in jungen Jahren im legendären Café „Tosca” in San Francisco immer und immer wieder aus der Jukebox gehört hatte. Jahrzehnte später fragte er bei Daniel Barenboim an, ob man das so gut wie gar nicht mehr gespielte Werk vielleicht mal wieder aufführen könnte. Der Maestro antwortete mit einer Gegenfrage: Wollen Sie Regie führen?“ . Wenders ging das Wagnis ein und Barenboim übernahm persönlich die musikalische Leitung des eher ungewöhnlichen Projekts.

Olga Peretyatko-Mariotti und Gyula Orendt

Olga Peretyatko-Mariotti und Gyula Orendt

Denn das Libretto ist schlicht: Eine Frau zwischen zwei Männern. Die uralte Geschichte. Auf der Insel Ceylon, irgendwann in archaischen Zeiten, ringen die Freunde Nadir (Francesco Demuro) und Zurga (Gyula Orendt) um die Liebe der jungfräuliche Priesterin Leila (Olga Peretyatko-Mariotti) .

Obwohl zur Keuschheit verpflichtet, fühlt sie sich zu Nadir hingezogen. Aber auch Zurga, der Anführer im Dorf der Perlenfischer, liebt Leila schon seit Jugendjahren, sie hat ihm als Kind das Leben gerettet.kind Die Perlenkette, die er ihr aus Dank damals geschenkt hatte, trägt sie immer noch. Sie soll ihr am Ende das Leben retten, als das aufgebrachte Volk ihren Tod fordert.

Ziemlich bald im ersten Akt erklingt das berückend schöne Duett zwischen Zurga und Nadir.und man ist fast ein bißchen enttäuscht, das damit die Hauptattraktion des Werkes schon – nun ja – verpufft sein soll. Was kann dann noch kommen? Aber erstaunlichweise fasziniert die heute weitgehend unbekannte Oper durchgehend mit farbenprächtiger Instrumentierung, berückend lyrischen Melodien und dramatisch wirkungsvoller Theatermusik, die sich in großangelegten Chor-Szenen (Einstudierung Martin Wright) ebenso entfaltet wie in den sehr innigen, fast schon kammerspielartigen Szenen zwischen den Protagonisten. Trotzdem bleibt unklar, warum Wenders gerade diese Oper gewählt hat. Außer hochdramatischen Arien und beeindruckendem Chorgesang wird szenisch nicht viel geboten. Dem Regisseur fällt auch nichts Spektakuläres ein. Er verläßt sich ganz auf die Kraft der Musik und das hervorragende Ensemble.

Wim Wenders

Wim Wenders

Alles bleibt seltsam statuarisch, ein Minimum an Bühnenbild, eigentlich gar keins, düstere Kostüme und ständig dräuendes Unheil. Die Sänger raufen sich die Haare und schlagen sich an die Brust und  ringen die Hände wie weiland zu Hofopern-Zeiten. Immerhin, bei den eindrucksvollen Licht- und Videoeffekten (Beleuchtung: Olaf Freese) bleibt der Filmemacher in seinem eigentlichen Metier und schafft berückende  Stimmungsbilder.

Das Publikum war zufrieden. Ein Happy End und zum Dahinschmelzen schöne Musik. Daniel Barenboim, der große Klangzauberer,  hat es mit seiner Staatskapelle wieder geschafft: Emotionale Spannung und Gänsehaut pur. Kein Wunder, dass alle  Vorstellungen in dieser Spielzeit bereits ausverkauft sind.

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

www.staatsoper-berlin.de

 

 

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