Drei Tage Dresden und Umland – ohne Auto!

Marktplatz in MeißenMarktplatz in Meißen

Für Viele ist heutzutage eine Reise ohne Auto fast undenkbar. Geradezu eine Zumutung. Von A nach B zu kutschieren und im Schnelldurchlauf Natur und Sehenswürdigkeiten zu absolvieren ist das gängige Urlaubsmuster. Eingeschlossen Stress, Staus und Parkplatzsuche. Aber es geht auch anders. Einmal ganz entspannt und preisgünstig die Gegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden, ohne immer wieder zum Parkplatz zurückkehren zu müssen, ist tatsächlich eine Option. Manchen wundert`s. Und so grenzt der Selbstversuch einiger wagemutiger Berliner fast an eine Heldentat. Um es vorweg zu nehmen: Er ist Hundertprozentig geglückt.

Fähre nach Hrensko

Fähre nach Hrensko

 

Tag 1: Sächsische Schweiz und Schmilka

7 Uhr Start mit Flixbus von Berlin nach Dresden für unschlagbare 7.99 Euro. Nach angenehmer Fahrt (2,5 Stunden) Ankunft Dresden Hbf. Mit dem Elbe-Labe-Ticket des Verkehrsverbunds Oberelbe (VVO) zügige Weiterfahrt mit der S-Bahn nach Schöna. Hier wartet schon die Fähre und es geht nahtlos weiter mit herrlichem Blick über die Elbe in den tschechischen Grenzort Hrensko. Inmitten der schroffen Felsenlandschaft Spaziergang durch die wildromantische Edmundsklamm. Hier könnte man verzückt den ganzen Tag herumwandern aber im Hotel Praha locken Tafelspitz und böhmische Knödel. Nach der Mittagspause dann immer am Elbufer entlang ein kurzer Fußweg in Richtung Bundesrepublik. Ein wenig gespenstisch die inzwischen obsoleten Relikte der ehemaligen Kontrollstation. Hier erlebt man eindrucksvoll die grenzenlose Reisefreiheit in der EU und hofft, dass es so bleibt.

Ankunft im Grenzort Schmilka, unlängst mit dem begehrten Titel „Schönstes Dorf Sachsens“ ausgezeichnet. Zu Recht – wie wir uns beim Rundgang überzeugen konnten. Denn Schmilka ist ein komplexes Biorefugium, seit 25 Jahren mit viel Liebe zum Detail von Hotelier Sven-Erik Hitzer denkmalgerecht saniert und ökologisch betrieben. Allerdings sehr behutsam. Angenehm fällt auf, dass die ursprüngliche Struktur des Ortes mit seinen heute etwa 80 Einwohnern und die ganz besondere Aura des ehemaligen Fischerdörfchens konsequent bewahrt wurde.

Der Leitspruch „100 % Bio“ wird hier gelebt, sowohl im netten Café in stilvoller alter Villa mit leckeren veganen Torten, in der historischen kleinen Bäckerei, der traditionsreichen alten Mühle, dem Badehaus mit Panoramasauna und natürlich in der idyllisch gelegenen Brauerei. Hier kann man im lauschigen Ambiente auch schon mal ein Bierbad im großen Holzzuber nehmen und die verschiedenen hauseigenen Biere kosten. Beim Kosten bleibt es allerdings nicht.

Und natürlich ist auch die Unterkunft rein „Bio“. Im Hotel Helvetia, beeindruckt nicht nur die herrliche Lage am Elbufer mit Blick auf die bizarren Schrammsteine. Hier stimmt das Konzept: Vom Design und der Einrichtung mit Naturmaterialien über die Vital Küche mit eigenem Kräutergarten, bis zum Strom aus regenerativen Energiequellen ist alles Bio. Sogar Elektrosmog wird auf Wunsch ausgeblendet.

Bio-Hotel Helvetia

Bio-Hotel Helvetia

Dann gibt es aber auch keinen Handyempfang. Erholung pur.

Vom 18. Juni bis zum 14. Juli 2017 erhalten Hotelgäste bei fünf Übernachtungen die An- und Abreise mit der Bahn deutschlandweit geschenkt. Ein Anreiz auf das eigene Auto zu verzichten.

Bei so viel Bio geht man dann ausgeruht in den neuen Tag. Die Morgengymnastik im taufeuchten Gras am Elbufer mit Naturheilpraktiker Norbert Schützner, der die Hotelgäste auch mit einem vieseitigen Aktivprogramm verwöhnt, sollte man sich nicht entgehen lassen, bevor man sich am – Bio-Buffet stärkt für

Tag 2 : Meißen und Dresden

Zunächst geht es wieder mit der Fähre hinüber zur Bahnstation und per S–Bahn angenehm entspannt nach Meißen. Die historische Altstadt ist herausgeputzt wie eine Puppenstube. Besonders beeindrucken die gut erhaltenen Renaissance-Gebäude.

Wunderbar in die entrückte Stimmung passt das mittägliche Spiel der Meißner Porzellanglocken von der spätgotischen Frauenkirche. Ein Besuch der weltbekannten Porzellanmanufaktur muss allerdings auf später verschoben werden. Heute wollen wir die „Wiege Sachsens“ kennenlernen. Dazu wandern wir den jahrhundertealten, mit wilden Rosen üppig gesäumten Weg zur Albrechtsburg hinauf, Deutschlands ältestem Schlossbau.

Auch hier kommt man im Lutherjahr nicht am Reformator vorbei. Luther hatte sich 1524 vehement gegen die mitten in der Reformation erfolgte Heiligsprechung des Meißner Bischofs Benno ( 1010 bis 1106) gewandt. Daraus entstand damals eine reichsweite Kontroverse. Heute nun, knapp fünfhundert Jahre später, beschäftigt sich die multimediale Ausstellung „Ein Schatz nicht von Gold“ im weitgehend protestantischen Sachsen mit Sachsens erstem Heiligen .

Benno von Meißen

Benno von Meißen

Wir sind fasziniert von den kostbaren Exponaten und der noch immer spürbaren Strahlkraft des wohl bekanntesten und auch umstrittensten mittelalterlichen Kirchenfürsten, heute Schutzpatron des 1921 wiedergegründeten katholischen Bistums Dresden-Meißen.

Leider war Benno damals schon über 300 Jahre tot, sonst hätte er sicher auf der Terrasse des 1470 gegründeten „Domkellers“ die herrliche Aussicht über die verwinkelte Altstadt genossen. domkeller

Ein Bilderbuchblick, den man nicht so schnell vergisst. Wir trennen uns schwer von Meißen aber Dresden ruft. Gemütlich geht es weiter mit der uns nun schon bestens bekannten S-Bahn und wir genießen entspannt die Aussicht auf die liebliche Natur im Elbland rechts und links der Bahntrasse.

In Dresden empfängt uns das Hotel Star Inn am quirligen Altmarkt im DDR-Ambiente der Fünfziger Jahre. Allerdings nur äußerlich historisch. Innen modern und sehr angenehm. Von hier aus können wir zu Fuß alle Sehenswürdigkeiten erreichen. Gleich gegenüber prangt nun der gerade wiedereröffnete Kulturpalast.

1969 als Mehrzwecksaal erbaut und einige Jahre aus verschiedenen Gründen ungenutzt, wurde er nun komplett modernisiert und mit optimaler technischer Ausstattung wieder in Betrieb genommen. Hier beheimatet ist neben der neuen Spielstätte der Dresdner Philharmoniker auch das Kabarett „Die Herkules-Keule“ und in der ganzen oberen Etage die wohl modernste und komfortabelste Zentralbibliothek in Sachsen.

Der Intendant der gerade laufenden Dresdner Musikfestspiele, Weltklasse-Cellist Jan Vogler, freut sich über das vielseitige Festspielprogramm (noch bis 18.Juni) und die hochkarätigen Künstler. Besonders begeistert ihn Ausstattung und Technik des neuen Konzertsaals, dessen Akustik – so bestätigen Kenner – soll die der Hamburger Elbphilharmonie noch übertreffen. Wir konnten uns beim abendlichen Konzert des walisischen Starbaritons Bryn Terfel eindrucksvoll davon überzeugen.

Tag 3: Kraftwerk Mitte und Sophienkeller

Und schon naht das nächste Highlight der Dresdner Kulturszene. Wir fahren kurz mit der Tram zum ehemaligen Heizkraftwerk Dresden-Mitte.

Kraftwerk Mitte

Kraftwerk Mitte

Hier wird allerdings kein Strom mehr erzeugt, dafür Unterhaltungskunst vom Feinsten  produziert. Nach Jahrzehnten des unzulänglichen Provisoriums am Stadtrand hat hier die Staatsoperette – Deutschlands einziges eigenständiges Operettentheater – endlich ihr großzügiges Domizil gefunden. Wir sind beeindruckt von der Bühnentechnik und Ausstattung und bewundern die reizvollen Symbiose verschiedener Architekturstile im Foyer. Elemente der verklinkerten Stahlskelettbauweise und Barockskulpturen wurden hier bewusst in die Gestaltung einbezogen. Besonders gefiel uns, dass die Eintrittskarten der Staatsoperette auch als Fahrausweise in allen Nahverkehrsmitteln gelten und hier Auto und Parkplatzsuche kein Thema sein muss.

Barocke Musen im Foyer der Staatsoperette

Barocke Musen im Foyer der Staatsoperette

 

Das Kraftwerk Mitte beherbergt als beliebte Eventlocation auch das „Theater der jungen Generation“ ein Puppentheater, Probenräume und Konzertsäle. Leider fehlt uns die Zeit für eine ausführliche Besichtigung, denn zum Abschied erwartet uns im wahrsten Sinne des Wortes noch ein besonderer Leckerbissen: Sächsischer Sauerbraten mit Rieseknödel und Blaukraut . Im historischen Gewölbe des Taschenbergpalais direkt unter dem Zwinger finden wir uns im Sophienkeller unversehens in der barocken Welt August des Starken wieder, wo uns Schankmagd Mathilda eine wenig burschikos aber überaus witzig und charmant in die Gepflogenheiten höfischer Sitten und Gebräuche einweiht. Wir sind fasziniert.

Schankmagd Mathilda kredenzt die "Cosel-Tränen"

Schankmagd Mathilda kredenzt die „Cosel-Tränen“

Natürlich darf das berühmte „Dresdner Trichtertrinken“ nicht fehlen. Ein Ritual, bei dem die Tränen der unglücklichen Grafin Cosel in Form giftgrünem Kräuterlikörs tröpfchenweise verabreicht werden. Und so zogen auch wir mit einer Träne des Abschieds per Flixbus wieder von dannen.

„Dresden hat mir große Freude gemacht und meine Lust, an Kunst zu denken, wieder belebt. Es ist ein unglaublicher Schatz aller Art an diesem schönen Orte.“ Dieser Feststellung von Johann Wolfgang von Goethe kann man nur vollinhaltlich beipflichten.

Und nein, das Auto hat niemand vermisst. Ganz im Gegenteil.

 

Fotos: Ingrid Müller-Mertens

Weitere Infos unter

www.vvo-online.de

www.marketing.dresden.de 

www.saechsische-schweiz.de

www.dresden-elbland.de

www.schmilka.de

www.staatsoperette.de

www.albrechtsburg-meissen.de

 

 

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