Rudolf Belling. Skulpturen und Architekturen im Hamburger Bahnhof

Ausstellungsansicht mit  Dreiklang. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017Ausstellungsansicht mit Dreiklang. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Wenn ich heute eine Skulptur baue, so organisiere ich die Formen und lasse sie wachsen wie einen Baum oder einen Menschen“, war das Credo von Rudolf Belling (1886 bis 1972), einem der wichtigsten Bildhauer der Klassischen Moderne.

Kopf in Messing, 1925 . Foto:© bpk / Nationalgalerie, SMB / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Kopf in Messing, 1925 . Foto:© bpk / Nationalgalerie, SMB / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Als erster deutscher Bildhauer verwarf er die einansichtige „Bildwirkung“, wie sie in der Skulptur vorherrschend war. Skulptur war für ihn „Synthese von Plastik und Raum“.

Rudolf Belling im Atelier, um 1925 Foto:© VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / ullstein bild

Rudolf Belling im Atelier, um 1925 Foto:© VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / ullstein bild

Die Nationalgalerie, die  dem Künstler bereits 1924 seine erste Museumsausstellung widmete, stellt den Pionier der plastischen Abstraktion nun im Hamburger Bahnhof in einer großen Retrospektive vor. Die Ausstellung ist die erste umfassende Präsentation seines Werks seit 40 Jahren und belegt Bellings Bedeutung für die Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Ausgangspunkt sind elf Hauptwerke der 1920er-Jahre aus der Sammlung der Nationalgalerie, darunter der berühmte Dreiklang (1919/24). Die insgesamt rund 80 Exponate aus den 1910er- bis 1970er-Jahren – darunter Skulpturen, Zeichnungen, Modelle, Filme, Fotos und Figurinen – beleuchten die vielen Facetten eines Plastikers, der sich nicht auf das Medium der Skulptur allein festlegen lässt.

Skulptur 23, 1923.Foto: © Nationalgalerie, SMB / Thomas Bruns / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Skulptur 23, 1923.Foto: © Nationalgalerie, SMB / Thomas Bruns / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Bellings über sechs Jahrzehnte umfassendes Kunstschaffen ist von einmaliger Vielseitigkeit geprägt: sein stilistisches Vokabular reicht von Expressionismus bis Neue Sachlichkeit, von Futurismus bis Konstruktivismus, von Abstraktion bis Naturalismus. Drei stark abstrahierte, auf kubistische Formen reduzierte Tänzerinnen verkörpern die Kunstgattungen Malerei, Bildhauerei und Architektur. Sie schwingen gegeneinander aus und sind doch in einem Bogen fest vereint. Geschlossene und offene Form durchdringen sich zu einer zeitlosen Metapher über das Wechselspiel von Kunst und Raum.

Auch im Hinblick auf Gattungen übertrat er gängige Grenzen: Er war als Bühnen- und Kostümbildner, Bau- und Werbeplastiker, Porträtbildner  sowie als Designer aktiv; in Zusammenarbeit mit Architekten entstanden Innenräume, Bauplastiken, Brunnen und Denkmäler; Bau-Utopien fanden Ausdruck in visionären Entwürfen; seine „Moden-Plastik“ gilt bis heute als herausragendes Beispiel der modernen Schaufensterfigur.

Moden-Plastik, 1921.Foto: © Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Moden-Plastik, 1921.Foto: © Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

„Ob gegenständlich oder gegenstandslos, ich erlaube mir alles, was mir nötig erscheint, um organisch gesetzmäßig zu bilden.“, schrieb der Künstler 1922. Zu den Prinzipien des „Systems Belling“, wie er selbst es nannte, gehört die Konzeption der Skulptur als vielansichtige, raumhaltige Rundplastik ebenso wie das Einbeziehen des Leerraums als elementares Gestaltungselement.

Rudolf Belling. Skulpturen und Architekturen

08.04. – 17.09.2017

Neue Galerie Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin Staatliche Museen zu Berlin

www.rudolfbellinginberlin.de

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