Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes

Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett. Foto: Ingrid Müller-MertensAusstellung im Berliner Kupferstichkabinett. Foto: Ingrid Müller-Mertens

 

Von Katharina Zawadsky.

 

Passend zu Frühling und Osterfest zeigt das Kupferstichkabinett im Berliner Kulturforum eine zauberhafte kleine aber sehr feine Ausstellung. Gewidmet ist sie einer Frau, die sowohl als Malerin, wie als Naturwissenschaftlerin einzigartig ist und vielleicht nicht immer gebührend beachtet wurde. Das mag daran liegen, dass Blumenmalerei in der Kunstgeschichte eher eine marginale Rolle spielte und vielleicht auch daran, dass sie eine Frau war. Eine Frau, die allerdings zu ihrer Zeit eine Ausnahmeerscheinung war und das im Hinblick auf ihr Gesamtwerk auch bis heute geblieben ist.

Maria Sibylla Merian (1647– 1717) ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen und Naturforscherinnen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Ihr Vater, der Basler Maler und Kupferstecher Matthäus Merian der Ältere soll seiner damals dreijährigen Tochter angeblich auf dem Sterbebett prophezeit haben, dass der Name Merian durch sie nie vergessen werden würde. Er sollte Recht behalten.

Nach dem frühen Tod des Vaters erhielt Maria Sibylla bei ihrem Stiefvater Jacob Marrel eine künstlerische Ausbildung. Inspiriert wurde sie immer wieder durch die Natur und naturkundliche Darstellungen. Aber sie bildete nicht nur ab, sie erforschte akribisch Flora und Fauna und dokumentierte ihre Beobachtungen wissenschaftlich und künstlerisch. Vor allem Blumen und Käfer waren ihre bevorzugten Objekte, die sie in zahlreichen, zumeist kolorierten Druckgrafiken und Zeichnungen auf Pergament und Papier naturgetreu darstellte.

Sie schuf Stillleben, üppige Blumenbouquets auf Pergament, reich illustrierte Bücher. 1675 entstanden die ersten Kupferdrucke zu ihrem Neuen Blumenbuch, das bis heute in der Akribie, Detailtreue und Schönheit der dargestellten Motive unerreicht ist. Und sie war die erste Naturwissenschaftlerin, die erkannte, dass Insekten Entwicklungsstufen durchlaufen; dabei faszinierte sie besonders die Metamorphose der Raupen zum Schmetterling. Sie hat sie zeitlebens gesammelt und ihre Verwandlung studiert und dokumentiert.

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Maria Sibylla Merian: Stillleben mit Früchten. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Maria Sybilla, eine emanzipierte Frau ihrer Zeit, legte Wert auf ihre Eigenständigkeit, gab Zeichenunterricht und war auch als Geschäftsfrau erfolgreich. So konnte sie mit der Herausgabe aufwendig kolorierter Umdrucke der Buchillustrationen auf Pergament und dem Vertrieb ihrer Bücher nicht nur ihren Lebensunterhalt für sich und die beiden Töchter verdienen, sie erfüllte sich auch einen großen Wunsch: Mit über 50 Jahren begab sie sich auf eine damals extrem abenteuerliche Expeditionsreise nach Südamerika, wo sie im Reifrock zwei Jahre den Urwald von Surinam durchstreifte und die Natur und vor allem Insekten erforschte. Hier entstanden die Vorlagen für ihr berühmtestes Buch, die Metamorphosis insectorum surinamensium.

Aus Anlass des 300. Todestages von Maria Sibylla Merian zeigen das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und das Städel Museum, Frankfurt am Main 2017 eine gemeinsame Ausstellung, die sich der naturgeschichtlichen Blumen- und Pflanzendarstellung in Zeichnung und Druckgrafik vom 15. bis zum 18. Jahrhundert widmet. Maria Sibylla Merian – Naturforscherin, Kupferstecherin und Blumen- und Insektenmalerin – steht im Zentrum dieser Präsentation. Anhand von rund 150 Werken sowohl von Merian, als auch ihren Vorläufern, Zeitgenossen und Nachfolgern taucht man ein in die faszinierende Welt der Artenviefalt unserer Erde.

Hirschkäfer und Skorpion von Georg Hoefnagel. Foto:Ingrid Müller-Mertens

Hirschkäfer und Skorpion von Georg Hoefnagel. Foto:Ingrid Müller-Mertens

Und in unserer heutigen Zeit, des beklagenswert wenig sorgsamen Umgangs mit der Natur, ist das Werk von Maria Sibylla Merian aktueller denn je, denn viele der Blumen und Tiere, die sie in ihren Werken so realistisch und liebevoll porträtierte, sind vom Aussterben bedroht.

Am 13. Januar 1717 starb Maria Sybilla Merian völlig verarmt in Amsterdam.

 

 

 

Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes

Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin und des Städel Museums, Frankfurt am Main im Kulturforum, Kupferstichkabinett Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

7. April – 2. Juli 2017

www.smb.museum/kk

 

 

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