Sinnenfreude und grandiose Chöre -„Der Jahrmarkt von Sorotschinzi“ an der Komischen Oper

Foto: Ingrid Müller-MertensFoto: Ingrid Müller-Mertens
Foto: Ingrid Müller-Mertens

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Und wieder hat die Komische Oper Berlin ein selten gespieltes Werk ausgegraben und reanimiert: Modest Mussorgskis letzte unvollendete Oper „Der Jahrmarkt von Sorotschinzi“, die seit der Inszenierung von Walter Felsenstein 1948 nicht mehr zu sehen war.

Basierend auf einer Erzählung von Nicolai W. Gogol geht es in der turbulenten Satire um Gemeinschaft und Außenseitertum, kollektive Angst und Manipulation – aber eben auch um Liebe und Lebenslust einer abergläubischen Dorfgemeinschaft. Barry Kosky, Intendant und Chefregisseur inszeniert den Jahrmarkt als vergnügliches pralles, bisweilen groteskes Volksstück, in dessen Mittelpunkt das ausschweifende Leben und Treiben der verschworenen Dorfgemeinschaft mit all seinen Späßen und Derbheiten steht.

»Ochsen, Säcke, Heu, Zigeuner, Töpfe, Weiber, Lebkuchen, Mützen – alles ist so leuchtend bunt und schwirrt vor den Augen!« – so beschreibt Gogol das aufgeregte Treiben auf dem Jahrmarkt im ukrainischen Dorf Sorotschinzi, dem Geburtsort Gogols. Und mitten in diesem lärmenden Getümmel spielt Mussorgskis Oper, in der sich Märchenhaftigkeit der russischen Schule mit einer ordentlichen Portion derber Trinklust mischt.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

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Doch der Stoff des Stücks ist tiefgründiger: Im Mittelpunkt der Handlung steht das Volk als Kollektiv – es geht um geteilte Angst, geteilten Aberglauben. Angst wird nicht weniger, wenn man sie teilt – sondern kann sich gar unkontrollierbar vervielfachen.

Denn ein Teufel treibt sein Unwesen: Aus der Hölle vertrieben, habe er, so erzählt man sich, aus Langeweile einst das Saufen begonnen und seinen blutroten Kittel beim Schankwirt von Sorotschinzi versetzt, um ihn nach Jahresfrist wieder einzulösen. Der Schankwirt aber verkaufte den Kittel, weswegen der Teufel ihn bis heute sucht und Bewohner und Durchreisende in Sorotschinzi immer wieder aufs Neue in Angst und Schrecken versetzt. So auch den Bauern Tscherewik (Jens Larsen), dessen Tochter Parasja (Mirka Wagner), den Bauernburschen Grizko liebt, ihn aber nicht heiraten darf, weil die streitsüchtige, ihren Mann Tscherewik fortwährend schikanierende Stiefmutter Chiwrja (Agnes Zwierko)einen einfachen Bauernburschen für eine schlechte Partie hält.

Foto: Ingrid Müller-Mertens

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Im Zentrum der Oper steht, ganz in der russischen Tradition der Chor, also das Volk. Die Chorsolisten der Komischen Oper (Leitung Ulrich Lenz), verstärkt durch den Kinderchor und die Sänger von Vocalconsort Berlin beeindrucken mit stimmgewaltigen Bässen und den typisch russischen lieblichen Frauenstimmen in ebenso kraftvoller wie lyrischer Klangpracht.

www.komische-oper-berlin.de

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