Die Komische Oper wird 70

Die Perlen der Kleopatra. Foto: Ingrid Müller-MertensDie Perlen der Kleopatra. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Als Walter Felsenstein die Komische Oper in der Berliner Behrenstrasse vor 70 Jahren gründete, war es eine Revolution. Zumindest in der Operngeschichte. Denn bis dato war Oper in erster Linie der schöne Gesang. Bei Felsenstein wurde sie zum realistischen Musiktheater. Er übersetzte und bearbeitete zahlreiche Werke der Opernweltliteratur neu.

Gedenktafel an der Komischen Oper

Gedenktafel an der Komischen Oper

Seine Inszenierungen wurden international berühmt und sind bis heute legendär. Alle fremdsprachigen Opern wurden grundsätzlich in deutscher Sprache aufgeführt. Eine Praxis, die heute leider völlig verloren gegangen ist und damit den Musikgenuß durch ständigen Blickwechsel zwischen Szene und Textanzeige mitunter erheblich belastet.

Walter Felsenstein suchte keine Stars, er suchte Sängerpersönlichkeiten, die neben den gesanglichen auch schauspielerische Fähigkeiten hatten und in seine darstellerisch ausgefeilten Inszenierungen passte. Sein Schwerpunkt war das Zusammenspiel im Ensemble – vor und hinter der Bühne.

Don Giovanni. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Don Giovanni. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Der feurige Engel. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Der feurige Engel. Foto: Ingrid Müller-Mertens

1966 begann er mit den Ballettchoreographen Tom Schilling und Jean Weidt auch im Ballettensemble seinen neuen Opernstil durchzusetzen. Er setzte Maßstäbe in der Opernregie, die sozusagen ihren Siegeszug um die Welt angetreten haben und heute ganz selbstverständlich und weitgehend noch sehr viel radikaler auf den Opernbühnen umgesetzt werden.

Les Contes d'Hoffmann. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Les Contes d’Hoffmann. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Das Felsenstein´sche Prinzip: Aktualität und Zukunftsfähigkeit der klassischen Opernliteratur immer wieder aufs Neue zu befragen und selten gespielte, zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werke, wiederzubeleben scheint dem jetzigen Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky Bedürfnis und Anspruch zu sein, den er nun in der Jubiläumsspielzeit 2017/18 mit dem gesamten Team umsetzen will.

Seit fünf Jahren leitet Barrie Kosky nun die Komische Oper. In seiner Intendanz wurde sie Opernhaus des Jahres. Die Auslastung ist auf über 80 Prozent gestiegen. Kosky wollte ursprünglich nur fünf Jahre bleiben, inzwischen spricht er von zehn. Ein Glücksfall für Berlin.

Peter Pan. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Peter Pan. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Petruschka. Foto. Ingrid Müller-Mertens

Petruschka. Foto. Ingrid Müller-Mertens

Ein besonderes Anliegen des Intendanten, dessen Familie 1904 vor den Progromen aus einem Stetl im Norden Weißrusslands nach Australien auswanderte, ist auch das Berliner Musiktheater der „Goldenen Zwanziger“. Einige Operetten aus dieser Zeit können inzwischen in der Komischen Oper bewundert werden – sofern man Karten dafür bekommt.

L’Enfant et les Sortilèges. Foto: Ingrid Müller-Mertens

L’Enfant et les Sortilèges. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Sein Ziel ist es, nach dem Publikumsrenner „Ball im Savoy“ noch alle weiteren Werke von Paul Abraham an die Komische Oper zu bringen.

Geburtstagstorte zum 70.

Barrie Kosky feiert den 70. Geburtstag der Komischen Oper ganz bewusst auch mit einer Hommage an den Gründer: „Felsenstein war ein Volksregisseur. Er hat ein grandioses Ensembletheater aufgebaut“. Und so wird das Ereignis nicht nur mit einer großen Geburtstagstorte am 3. Dezember gefeiert, sondern auch mit zwei Werken, die in legendären Felsenstein-Inszenierungen Erfolge feierten. Allerdings nicht im Original sondern als Neuproduktionen: Jerry Bocks Musical „Anatevka“ mit Yehuda Almagor und Dagmar Manzel in den Hauptrollen und Jacques Offenbachs Operette „Blaubart“ in einer deutsch-französischen Neufassung.

Neun Premieren

Insgesamt stehen neun Premieren auf dem Jubiläumsspielplan, darunter mit „Pelléas et Mélisande“ und „Die Nase“ (beides inszeniert von Barrie Kosky), „Die Gezeichneten“ (inszeniert von Calixto Bieito) und Philip Glass’ „Satyagraha“ (inszeniert von Sidi Larbi Cherkaoui) eine Serie von vier einzigartigen und herausragenden Werken des 20. JahrhundertsZwei Uraufführungen sind in Arbeit: Die Bremer Stadtmusikanten, eine neue deutsch-türkische Kinderoper, und eine Produktion mit Mezzo-Star Anne Sofie von Otter, dem Schauspieler Wolfram Koch und Liedern der 1920er und 30er Jahre. Märchen im Grand-Hotel (mit Max Hopp unter der Musikalischen Leitung von Adam Benzwi) eröffnet einen fünfteiligen Zyklus konzertanter Operetten von Paul Abraham. Mit Händels Semele wird die Serie von Barockopern fortgesetzt und im November gibt es eine Neuauflage des erfolgreichen Stummfilmfestivals Kino Varieté.

Die Perlen der Kleopatra. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Die Perlen der Kleopatra. Foto: Ingrid Müller-Mertens

Bei den Sinfoniekonzerten freut sich das Orchester der Komischen Oper Berlin auf Solisten und Dirigenten wie Fazıl Say, Mischa Maisky, Daniel Hope, Nicola Benedetti, Christoph Eschenbach, Kristjan Järvi sowie Katia und Marielle Labèque.

Auch in der neuen Spielzeit streamt das Haus wieder drei Premieren live und kostenlos im Internet (Pelléas et Mélisande am 15.10.2017, Die Gezeichneten am 21.1.2018 und Blaubart am 17.3.2018). Mehr als 185.000 Menschen konnten bisher mit den Streamings der letzten und der laufenden Spielzeit erreicht werden.

Der allgemeine Vorverkauf für die Spielzeit 2017/18 beginnt am 31. März 2017 um 11 Uhr.

www.komische-oper-berlin.de

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