Breslau – Wroclaw – WrocLOVE

Die Jahrhunderthalle ist UNESCO-Weltkulturerbe. Foto: POTDie Jahrhunderthalle ist UNESCO-Weltkulturerbe. Foto: POT

Von Jens Hoffmann.

 

Der Dalai Lama und viele der internationalen Besucher nennen die altehrwürdige Stadt Breslau/Wroclaw an der Oder gern „WrocLOVE“. Denn man verliebt sich sofort in die charmante niederschlesische Metropole. Auch Picasso hat ihr ein bleibendes Denkmal gesetzt:  Als er 1948 zu einem Weltfriedenskongress Wroclaw besuchte, erschütterte ihn der Anblick der gegen Ende des zweiten Weltkriegs grausam zerstörten Stadt dermaßen, dass die Idee zur Friedenstaube geboren wurde.

Rathaus. Foto:POT

Rathaus. Foto:POT

70% Prozent der Stadt lag 1945 in Schutt und Asche. Das ehemals deutsche Breslau wurde als Folge des Potsdamer Abkommens Teil der Volksrepublik Polen und ist nun mit über 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt  des Landes und das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum Niederschlesiens.

Heute sind die schlimmen Wunden des Krieges im Stadtbild geheilt. Die zerstörte Altstadt wurde liebevoll und authentisch wieder aufgebaut.

 

Mit ihren schönen, herrschaftlichen Häusern, Parkanlagen und Plätzen, Kirchen, historischen Bauwerken, darunter das weltbekannt Rathaus, wurde sie historisch getreu wieder aufgebaut.

Eine lebendige offene und sehr tolerante Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten aber auch trendigen Cafés, schönen Gassen, einer tollen malerischen Altstadt. und einer bemerkenswerten Kunst-, Musik-und Kulturszene. Zu Recht war sie deshalb „Europäische Kulturhauptstadt 2016“.

Zur Anreise empfiehlt sich der Kulturzug ab Berlin. Schon mit der Einfahrt in den Hauptbahnhof Wrocław Główny, bietet die Stadt bereits ihr erstes Highlight: Das vor wenigen Jahren sanierte Bahnhofsgebäude aus der Mitte des 19.Jahrhunderts im Stil des neudotischen Tudor-Stils bezaubert mit seinen schloßartigen Türmchen und Zinnen.

Markthalle. Foto: Jens Hoffmann

Markthalle. Foto: Jens Hoffmann

Wenn man sich für Architektur, guten Kaffee und die landestypischen Spezialitäten interessiert, dann lohnt sich ein Besuch der Markthalle Hala Targowa. Das Bauwerk von 1908 mit seiner historischen roten Backsteinfassade , dem mächtigen Uhrturm und der interessanten Stahlbeton-Konstruktion im Inneren ist beeindruckend.

Ebenso beeindruckend, allerdings viel gewaltiger, ist die Jahrhunderthalle, die Hala Stulecia, ein bombastischen Kuppelbau aus Stahlbeton, 1913 zur Weltausstellung in Breslau eröffnet. Eines der ersten selbsttragenden Stahlbeton-Gebäude.

Jahrhunderthalle. Foto: POT

Jahrhunderthalle. Foto: POT

Die Kuppel mit ihrer freien Spannweite von 65 m Durchmesser war zum Zeitpunkt der Fertigstellung die größte dieser Art in Deutschland. Heute ist die imposante Halle UNESCO-Weltkulturerbe und wird gegenwärtig für Messen, Sportveranstaltungen und kulturelle Events genutzt.

Zentraler Treffpunkt der Breslauer und Touristen ist die Altstadt mit den farbenfrohen Bürgerhäusern auf dem Rynek, dem eindrucksvollen Rathaus mit seiner spätgotischen Fassade und vielen Gaststätten, Clubs, Boutiquen und Galerien.

Brunnen am Rathaus. Foto: POT

Brunnen am Rathaus. Foto: POT

Auch die angrenzende Elisabethkirche aus dem 16. Jahrhundert ist einen Besuch wert. Der backsteingotische Kirchenbau besticht durch seine schönen Fenster. Unbedingt besichtigen sollte man auch die 1702 gegründete Universität mit ihrer berühmten Aula Leopoldina, einer der bedeutendsten bürgerlichen Barockbauten Europas. Die Odermetropole ist auch die „Stadt der tausend Brücken“. Über eine davon gelangt man zur Dominsel, ein kirchliches Refugium inmitten zweier Oderarme -auch Breslaus Vatikan genannt – mit dem wunderschönen gotischen Dom und verschiedenen kirchlichen Einrichtungen.

Dominsel. Foto: CC BY-SA3

Dominsel. Foto: CC BY-SA3

 

Aber auch viel Neuzeitliches ist in Breslau zu bewundern. Unbedingt einplanen sollte man einen Besuch im Museum für zeitgenössische Kunst. Untergebracht in einem ehemaligen Hochbunker ist hier hochkarätige polnische und internationale Gegenwartskunst zu sehen, der Ausblick über die Stadt von der oberen Terrasse ist spektakulär.

Kleiner Tipp: Bei einem Stadtbummel immer mal den Blick nach unten auf die Straße werfen.  Denn dort begegnet man bei einigem Glück Vertretern der beliebten „Zwergenarmee“ . Die winzigen Breslauer Zwerge etwa in der Größe einer Taube sind einmalig und eine Attraktion. Sie entstanden ab 1980, als die Oppositionsbewegung gegen das kommunistische Regime zu spontanen friedlichen Aktionen, zum Beispiel im Zwergenkostüm aufgerufen hatte. Damals wurde der erste gusseiserne Zwerg („Papa Zwerg“) in der Breslauer Altstadt aufgestellt, inzwischen sind es mehr als 300.

Zwerge. Foto: Jens Hoffmann

Zwerge. Foto: Jens Hoffmann

Für einen Besuch mit Kindern empfehlen wir das Afrykarium und Hydropolis. Das Afrykarium ist Teil des Zoo, Über dem Besucher schwimmen die Haie und Rochen und viele weitere Fische. Faszinierend war auch die Flusspferdfamilie, die wir zur Fütterungszeit besucht haben. Für etwas ältere Kinder ist ein Besuch im „Hydropolis“ (Wassermuseum) mit seinen interaktiven Modulen ein Erlebnis.

Bei aller Historie besticht auch moderne Stadtplanung und Architektur. Im OVO Wroclaw, einem Highlight für das neue urbane polnische Design, präsentiert sich auch das neue Designhotel DoubleTree by Hilton im Stil der „Queen Elizabeth“ .

Das war leider nur ein kurzer Einblick, Breslau hat noch sehr viel mehr zu bieten. Eine moderne, lebendige, sehenswerte  Metropole, die sich aus ihrem reichen deutschen und polnischen Erbe nach 1945 wieder einmal neu erfunden hat und heute vor allem eins ist, eine europäische Stadt.

Altstadtring. Foto: POT

Altstadtring. Foto: POT

 

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